Dubiose Verhaltensregeln für den Haussegen

Nach Nussknacker-Skandal: Pfarrer sorgt erneut für Aufsehen

Veröffentlicht am 05.01.2026 um 11:33 Uhr – Lesedauer: 

Delnice ‐ Bereits zu Beginn der Advents- und Weihnachtszeit sorgte ein Pfarrer in Kroatien mit seiner Kritik an einer Nussknacker-Figur für Furore. Nun kehrt er zurück – mit skurrilen Regeln für den traditionellen Haussegen.

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Ein Pfarrer aus dem Nordwesten Kroatiens sorgt erneut für Aufmerksamkeit: Der Geistliche Josip Tomic hat seinen Gemeindemitgliedern detaillierte Verhaltensregeln für den traditionellen Haussegen übermittelt. In dem Schreiben, das laut Medienberichten vom Wochenende noch vor Beginn der Haussegnungen verschickt wurde, legt der Pfarrer fest, dass der Haussegen in der Regel nach 8 Uhr beginnt und gegen 17 Uhr endet – abhängig von seinen Verpflichtungen. Während der Segnung solle der Pfarrer weder mit Speisen noch mit Getränken bewirtet werden, es sei denn, er bitte ausdrücklich darum. Freiwillig könnten jedoch alkoholische Getränke wie Schnaps oder Wein sowie getrocknetes Fleisch für Zwecke der Pfarrei gespendet werden. Eine Verpflichtung dazu bestehe ausdrücklich nicht, heißt es. 

Tomic geriet bereits kurz vor Beginn der Advents- und Weihnachtszeit in die Schlagzeilen, als er die Nussknacker-Figur als "skandalös und gefährlich für die öffentliche Moral" bezeichnete. Die Figur gehöre seiner Ansicht nach nicht zur katholischen Tradition, öffentliche Räume in der Advents- und Weihnachtszeit zu schmücken. Vielmehr sei er Teil einer "okkulten und kommerziellen Praxis, die denjenigen aus dem öffentlichen Raum entfernt, der den Sinn des Weihnachtsfestes ausmacht – Jesus Christus, dessen Geburt wir feiern", so der Pfarrer damals. 

Geldspende auf einem Teller 

Weiter werden die Vorbereitungen für den Haussegen präzise aufgelistet: Auf dem Tisch sollen ein weißes Tischtuch, ein weihnachtliches Symbol (etwa gesegnetes Weizengetreide, ein Apfel oder Ähnliches nach örtlichem Brauch), Dreikönigswasser mit Zweig, ein Kruzifix sowie zwei brennende Kerzen stehen. Zudem werde um eine Geldspende "auf einem Teller, nicht im Kuvert" gebeten. Auch diese Spende sei nicht verpflichtend und die Höhe spiele keine Rolle, heißt es in der Mitteilung. 

Darüber hinaus fordert der Pfarrer ein bestimmtes Verhalten der Haushalte: Man solle den Geistlichen würdig vor dem Haus empfangen, Fernseh- und Radiogeräte müssten ausgeschaltet sein, alle Bewohner sollen angemessen gekleidet zusammenkommen. Hunde seien anzuleinen oder aus dem zu segnenden Bereich zu entfernen. Besonders betont wird der Hinweis, dass für den Haussegen sämtliche kirchlichen Vorschriften gelten. Haushalte, die den Haussegen nicht annehmen, sollen demnach keinen Anspruch auf bestimmte kirchliche Dienste wie Glockengeläut, kirchliche Begräbnisse, Taufen oder Trauungen haben. Nach Medienberichten ist eine ähnliche Mitteilung bereits vor einigen Jahren auf der Website der Pfarrei veröffentlicht worden.

In Kroatien ist es Tradition, dass Priester nach Weihnachten und rund um das Dreikönigsfest Häuser und Wohnungen segnen. Dabei spenden die Gläubigen für die Kirche. In Kroatien gibt es kein Kirchensteuer- oder Beitragssystem wie im deutschen Sprachraum. Die Kirche finanziert sich aus Spenden, Kollekten und Messstipendien sowie aus staatlichen Beiträgen. Rund 79 Prozent der 4,2 Millionen Kroatinnen und Kroaten sind katholisch. Die Kirche genießt in der Gesellschaft weitgehend hohes Ansehen. (mtr)