Vorwurf der "Selbstisolation" einiger Bischöfe

Präsidium: Synodaler Weg brachte gelungenen "Kulturwandel" in Kirche

Veröffentlicht am 29.01.2026 um 14:16 Uhr – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Nach sechs Jahren auf dem Synodalen Weg in Deutschland wird Bilanz gezogen. Zum Auftakt werteten die beiden Präsidenten den Reformprozess als Erfolg. Auch zum Vatikan und kritischen Bischöfen äußerten sie sich.

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Die beiden Präsidenten des Synodalen Wegs sehen das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland als Erfolg. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sprachen am Donnerstag in Stuttgart übereinstimmend von einem gelungenen "Kulturwandel" in der katholischen Kirche. Die beiden äußerten sich zu Beginn der letzten, dreitägigen Vollversammlung des Synodalen Wegs. Bätzing erklärte, bei dem Reformprojekt sei es um "Umkehr und Erneuerung" gegangen. Ausgangspunkt sei der "Schock des Missbrauchsskandals" gewesen, der viel Vertrauen zerstört habe. Den habe man mit einem "dezidierten und beharrlichen Kulturwandel in der Kirche" überwinden wollen. Dieser Prozess habe "Grenzen, aber auch Möglichkeiten".

Ausdrücklich dankte Bätzing den Gesprächspartnern in der vatikanischen Kurie, die den Synodalen Weg kritisch begleitet hätten, für ihre Anregungen und für ihr Vertrauen. Er sei zuversichtlich, dass es für die geplante Synodalkonferenz die nötige Zustimmung aus Rom geben werden. Man habe "alle römischen Anmerkungen" eingearbeitet. Es gebe auch im Vatikan einen "Willen, diesen Weg mitzutragen". Den deutschen Bischöfen, die dem Synodalen Weg kritisch gegenüberstehen und sich zwischenzeitlich aus dem Reformdialog zurückzogen, warf Bätzing eine "Selbstisolation" vor. Sie gerieten mehr und mehr in "Erklärungsnöte". Er sei aber zuversichtlich, dass die deutschen Bischöfe wieder zusammenfinden würden.

Ringen um den richtigen Weg

ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp würdigte das "gute Miteinander von Bischöfen und Laien", das sich im Laufe eines "leidenschaftlichen Ringens um den richtigen Weg" ergeben habe. Der so erreichte Kulturwandel bilde die "Grundlage für das, was vor uns liegt". Die künftige Synodalkonferenz werde sich fragen müssen: "Wie wollen wir heute Kirche sein?" In diesem Zusammenhang erinnerte Stetter-Karp auch an die anhaltende Austrittswelle aus der Kirche. Weiter sagte sie: "Christsein ist ein Markenzeichen für solidarisches Leben." Deshalb dürfe die Kirche sich nicht mehr länger nur mit sich selbst beschäftigen. "Wir haben das alles gemacht, um glaubwürdig zu sein. Wir haben uns verändert, wir müssen uns verändern und werden weitergehen."

Vor dem Konferenzort in Stuttgart hatten sich rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von katholischen Verbänden und Reformgruppen versammelt und erneuerten ihren Ruf nach Änderungen im kirchlichen Leben. An dem bis Samstag dauernden Treffen nehmen 177 Stimmberechtigte sowie 15 Berater teil. Mehrere Bischöfe hatten aus unterschiedlichen Gründen ihre Teilnahme abgesagt. Zu ihnen gehören der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und alle seine Weihbischöfe sowie krankheitsbedingt der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier. Außerdem fehlt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der zeitgleich an einer Versammlung des Glaubensdikasteriums im Vatikan teilnimmt.

In seiner Ansprache an die Teilnehmer sprach der Papst am Donnerstagvormittag besorgt von einem "Bruch in der Weitergabe des christlichen Glaubens in den letzten Jahrzehnten" vor allem in Europa. Er betonte, dass die Kirche nicht auf sich selbst schauen, sondern missionarisch nach außen gehen solle. "Die Kirche verkündet Christus, ohne dass sich einzelne mit ihren Partikularinteressen in den Vordergrund spielen", vielmehr sollten sich alle in der Kirche als "einfache und bescheidene Arbeiter im Weinberg des Herrn sehen". (tmg/KNA)