Standpunkt

Mit dem Synodalen Weg hat sich etwas zum Besseren gewandelt

Veröffentlicht am 02.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Burkhard Hose – Lesedauer: 

Bonn ‐ Hat der Synodale Weg den in Stuttgart viel beschworenen "Kulturwandel" angestoßen? Burkhard Hose blickt auf die letzte Synodalversammlung zurück – zwischen der Freude über Erfolge und Momenten bitterer Enttäuschung.

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Häufig war auf der sechsten Synodalversammlung in Stuttgart von einem "Kulturwandel" die Rede. Mit großen Zuschreibungen bin ich eher vorsichtig. Und doch glaube ich, dass sich mit dem Synodalen Weg in den vergangenen Jahren tatsächlich etwas zum Besseren gewandelt hat. Notwendig wurde dieser Prozess durch Erkenntnisse, die mit der MHG-Studie 2018 auf erschreckende Weise zu Tage getreten waren und die in den Strukturen der katholischen Kirche eine Unkultur der unkontrollierten Macht und der verlogenen Sexualmoral offengelegt hatten.

Diese Themen sind mit dem Synodalen Weg sichtbar und besprechbarer geworden. Das ist vor allem denen zu verdanken, die sich als Überlebende des Missbrauchs in eine Synodalversammlung hinein begeben haben, in der zunächst gar kein Platz für sie vorgesehen war. Wenn es so etwas wie einen Kulturwandel gab, dann ist dieser auch den jungen und den queeren Synodal*innen zu verdanken, die sich seit der ersten Synodalversammlung immer wieder eindrucksvoll zu Wort meldeten. Sie haben anderen ihre Verletzungen zugemutet und dabei riskiert, erneut verletzt zu werden. Gerade dadurch haben sie eine ungeahnte Autorität entfaltet.

Eine sich verändernde Kultur wurde an diesem Wochenende schließlich mit dem Bericht der Monitoring-Gruppe erfahrbar. Sie hatte die Aufgabe, die Umsetzung der Beschlüsse vorheriger Synodalversammlungen zu überprüfen. Freude über Erfolge wie die Änderung des kirchlichen Dienstrechts und Momente bitterer Enttäuschung zum Beispiel angesichts der anhaltenden Diskriminierung von Frauen, waren gleichzeitig im Raum zu spüren. Diese Gleichzeitigkeit von Gelingen und Scheitern hat die Synodalversammlung gemeinsam ausgehalten.

Vielleicht der wichtigste Beitrag des Synodalen Weges zu einem "Kulturwandel": Gegen den gesellschaftlichen Trend, zur Lösung komplexer Probleme auf Ausgrenzung, auf autoritäre Systeme und auf demokratiefeindliche Ideologien zu setzen, hat sich ausgerechnet die hierarchisch verfasste katholische Kirche hierzulande mehrheitlich auf den Weg gemacht, Diskriminierung abzubauen, neue Formate eines respektvollen Dialogs zu erproben und mehr Demokratie zu wagen.

Von Burkhard Hose

Der Autor

Burkhard Hose ist Hochschulpfarrer in Würzburg.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.