Illegitime Bischofsweihen geplant – Papst Leo berät mit Dikasterium
Papst unter Druck? Nach Ankündigung illegitimer Bischofsweihen durch die traditionalistischen Piusbrüder hat sich Leo XIV. mit Vertretern des für die Gemeinschaft zuständigen Dikasteriums getroffen. Am Mittwoch führte das Kirchenoberhaupt Gespräche mit der Leitungsebene des Ordensdikasteriums, wie das vatikanische Presseamt zunächst ohne weitere Angaben mitteilte. Anwesend waren die Präfektin Simona Brambilla, der Pro-Präfekt, Kardinal Ángel Fernández Artime, sowie die Sekretärin Tiziana Merletti. Üblicherweise trifft sich der Papst mittwochs nicht mit Leitern seiner Kurienbehörden.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. fällt in den Zuständigkeitsbereich des Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens. Die traditionalistische Gemeinschaft hatte Anfang der Woche angekündigt, trotz Vatikanverbots neue Bischöfe weihen zu wollen. Der Generalobere begründete den Schritt mit der Sorge um den Fortbestand der Gemeinschaft, deren kirchenrechtlicher Status weiter unklar ist. Die bisherige Kommunikation mit dem Vatikan führte laut Angaben des Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.
Am Dienstag teilte der Vatikan dazu mit: "Die Kontakte zwischen der Bruderschaft St. Pius X. und dem Heiligen Stuhl werden fortgesetzt, mit dem Ziel, Brüche oder einseitige Lösungen in Bezug auf die aufgetretenen Probleme zu vermeiden."
Jahrzehntelanger Konflikt
Die Piusbruderschaft entstand um den 1988 exkommunizierten und somit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossenen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991). Dieser hatte 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester geweiht und damit die Piusbrüder innerkirchlich isoliert. Die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung erreichte 1988 mit der Weihe von vier eigenen Bischöfen und der Exkommunikation der Beteiligten ihren Höhepunkt. Papst Benedikt XVI. (2005–2013) hob diese Exkommunikation zwar 2009 auf, zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.
Papst Franziskus (2013–2025) löste die für den Dialog mit der Priesterbruderschaft zuständige Päpstliche Kommission Ecclesia Dei im Jahr 2019 auf. Zunächst ging sie in die Zuständigkeit des Glaubensdikasteriums über. Mit dem Papsterlass "Traditionis Custodis" von 2021 erhielt das vatikanische Ordensdikasterium diesen Verantwortungsbereich. (KNA)
