Piusbruder-Generaloberer gelassen angesichts drohender Exkommunikation

Der Generalobere der Piusbruderschaft zeigt sich gelassen angesichts der drohenden Exkommunikation bei der unerlaubten Weihe neuer Bischöfe. In einem am Donnerstag auf der Webseite der Gemeinschaft veröffentlichten Interview sagte Pater Davide Pagliarani, dass die Strafen unter den gegenwärtigen Umständen "keine wirkliche Wirkung" hätten. "Wir sind sicher, dass die römischen Behörden eines Tages dankbar anerkennen werden, dass diese Bischofsweihen auf providentielle Weise dazu beigetragen haben, den Glauben zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen zu bewahren", betonte Pagliarani. Die Bischofsweihen bezeichnete er als "ein extremes Mittel, das einer ebenfalls realen und extremen Notwendigkeit angemessen ist".
In dem Interview hoffte der Generalobere auf eine Audienz beim Papst, um seine Sicht darzulegen und ihn von der Notlage zu überzeugen, in der die Piusbruderschaft sich und die Kirche wähnt. Auf Anfragen habe es aber nur einen Antwortbrief des Präfekten des Glaubensdikasteriums gegeben, in dem mit neuen Sanktionen gedroht werde. Optimistisch zeigt sich der Generalobere angesichts dessen, dass der Heilige Stuhl manchmal zu einem "gewissen Pragmatismus" neige. Ein Beispiel dafür sei der Umgang mit den chinesischen Bischöfen, die von der staatlich kontrollierten katholischen Gemeinschaft eingesetzt werden, auch wenn die Situation der Piusbruderschaft damit nicht vergleichbar sei.
Bedauern über Festhalten am Zweiten Vatikanisches Konzil
Pagliarani betonte, dass es der Piusbruderschaft nicht darum ginge, "an die Stelle der Kirche zu treten oder deren Mission zu übernehmen". Die geplanten Bischofsweihen hätten keinen anderen Zweck, als den "der Tradition verbundenen Gläubigen" die Spendung des Sakraments der Firmung und der Weihe zu garantieren. "Darüber hinaus weiß der Heilige Vater sehr wohl, dass die Bruderschaft in keiner Weise beabsichtigt, ihren Bischöfen irgendeine Jurisdiktion zu übertragen, was der Schaffung einer Parallelkirche gleichkäme." Die Piusbruderschaft trennt mittlerweile die Leitung ihrer Gemeinschaft von der Bischofsweihe. Von 1994 bis 2018 war allerdings Bernard Fellay, der von Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 zum Bischof geweiht wurde, Generaloberer.
Die Notlage, in der die Piusbruderschaft die Kirche sieht, sei durch das Pontifikat von Papst Franziskus (2013–2025) noch verstärkt worden: "Mit dem Erbe, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat, bestehen die grundlegenden Gründe, die bereits die Weihen von 1988 gerechtfertigt hatten, weiterhin in vollem Umfang und erscheinen in vielerlei Hinsicht sogar in neuer Schärfe." Pagliarani bedauerte, dass das Zweite Vatikanische Konzil "mehr denn je der Kompass" bleibe, "der die Männer der Kirche leitet, und diese werden in naher Zukunft wahrscheinlich keine andere Richtung einschlagen". Das bestätigten auch die ersten Entwicklungen im Pontifikat von Leo XIV.: "Man sieht darin eine ausdrückliche Entschlossenheit, die Linie von Franziskus als einen unumkehrbaren Weg für die gesamte Kirche beizubehalten."
Der Generalobere hatte am Montag angekündigt, dass die Piusbruderschaft neue Bischöfe weihen will, um ihren Fortbestand zu sichern. Nur mit Bischöfen kann sie neue Diakone und Priester weihen. Von den vier 1988 durch Lefebvre geweihten Bischöfen leben noch zwei. Beide gehen auf die 70 Jahre zu. Nähere Details zur Anzahl und Person der neuen Bischöfe gibt es noch nicht; erste Medienberichte rechnen unter Berufung auf interne Quellen mit fünf neuen Bischöfen. Die Weihe von Bischöfen ohne Erlaubnis des Papstes ist eine kanonische Straftat, die mit der Tatstrafe der Exkommunikation für die Spender und Empfänger der Weihen belegt ist. (fxn)