"Hier brauchen wir eine klare Richtungsänderung!"

Papst an Priester: Keine KI-Predigten – herkömmliche Seelsorge ändern

Veröffentlicht am 20.02.2026 um 11:21 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Sonntagspredigten von KI schreiben lassen – das geht aus der Sicht von Papst Leo XIV. gar nicht. Außerdem fordert er von den Priestern seiner Diözese Rom eine "klare Richtungsänderung" in der Seelsorge.

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Nachdrücklich hat Papst Leo XIV. sich dagegen ausgesprochen, Predigten für den Gottesdienst von Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) schreiben zu lassen. Bei einem Treffen mit mehreren hundert Priestern seines Bistums Rom sagte er, KI sei nicht in der Lage, den Glauben weiterzugeben, aber genau das sei die Aufgabe einer Predigt. Die Äußerungen des Papstes fielen bei dem Treffen mit den römischen Geistlichen am Donnerstag hinter verschlossenen Türen. Italienische Medien, die danach mit Teilnehmern sprachen, berichteten anschließend davon.

Den Berichten zufolge verglich Leo XIV. bei dem Treffen die negativen Folgen des KI-Gebrauchs mit einer Erkenntnis aus dem Sport: "Alle Muskeln sterben ab, wenn wir sie nicht mehr nutzen, und deshalb muss auch das Gehirn benutzt werden, damit wir unsere Intelligenz nicht verlieren." Weiter sagte er den Berichten zufolge: "Eine echte Predigt schreiben bedeutet, den Glauben mit anderen zu teilen. Und das ist der wichtigste Teil. Die Leute wollen deinen Glauben wahrnehmen, deine Erfahrung, Christus und seine Botschaft erlebt und geliebt zu haben. Das ist etwas, was wir jeden Tag pflegen müssen."

Mehr Kreativität in der Seelsorge

Zudem legte der Papst den Pfarrern mehr Kreativität in der Seelsorge und besondere Aufmerksamkeit für die Probleme junger Menschen ans Herz. "Wir sind nicht passive Erfüllungsgehilfen einer feststehenden Seelsorge, sondern sind dazu aufgerufen, mit Kreativität und Charisma an Gottes Werk mitzuwirken." Die Kirche müsse anerkennen, dass die Flamme der Verkündigung "nicht immer mit der gleichen Vitalität" brennt und deshalb neu angefacht werden müsse. Er rief die Seelsorger auf, sich weder von den aktuellen kulturellen Veränderungen und der nachlassenden religiösen Praxis noch von der Last der Routine entmutigen zu lassen. Die herkömmliche, auf die Spendung der Sakramente ausgerichtete Seelsorge müsse überdacht und verändert werden, erklärte der Papst und betonte: "Hier brauchen wir eine klare Richtungsänderung!"

Gesellschaftliche Veränderungen hätten dazu geführt, dass der Glaube im Umfeld und in vielen Familien kaum noch weitergegeben werde, eine "Erosion der religiösen Praxis" sei die Folge. Eine erneuerte Art der Verkündigung müsse daher im Vordergrund stehen. Die Pfarreien müssten diese ins Zentrum ihrer Aktivitäten stellen, "um den Menschen zu helfen, mit den Zusagen Jesu in Kontakt zu kommen".

Besondere Aufmerksamkeit müssten sie der Jugend widmen. Viele junge Menschen lebten ohne jeden Bezug auf Gott oder die Kirche. Deshalb gelte es, "ihr tiefes existenzielles Unbehagen zu verstehen, ihre Orientierungslosigkeit und ihre vielfältigen Probleme". Dazu zählten auch die Folgen des Online-Konsums und die "Symptome einer besorgniserregenden Aggressivität, die nicht selten in Gewalt mündet". Die Seelsorger müssten den jungen Menschen zuhören, verfügbar sein und ein Stück ihres Lebens teilen. – Mit 335 Pfarreien ist das Bistum Rom nach Mailand das zweitgrößte in Italien. Als Bischof von Rom plant Papst Leo XIV. an den Sonntagen vor Ostern mehrere Pfarreibesuche. (tmg/KNA)