Predigt weist anderem Kardinal Schurkenrolle zu

Kardinal Zen zeigt Verständnis für Anliegen der Piusbruderschaft

Veröffentlicht am 09.03.2026 um 11:10 Uhr – Lesedauer: 

Hongkong ‐ In einer Predigt vergleicht Kardinal Joseph Zen die Situation der Piusbruderschaft mit Josef aus dem Alten Testament: Seine Brüder wollten ihn ermorden. Die Schurkenrolle in dem Vergleich besetzt Zen prominent.

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Der emeritierte Kardinal von Hongkong, Joseph Zen, zeigt Verständnis für die Piusbruderschaft. Neben den Gefahren eines Schismas müsse man den Gewissenskonflikt würdigen, der zum Verhalten der Gemeinschaft führt, sagte der Kardinal in einer auf "X" von ihm veröffentlichten Predigt zum Freitag der zweiten Fastenwoche. Ein Schisma müsse vermieden werden, koste es was es wolle, da es schweren und dauerhaften Schaden für die Kirche mit sich bringe. "Andererseits muss man jedoch auch eine ernste Gewissensfrage respektieren: 'Wie kann man jemanden zwingen, Lehren zu folgen, die eindeutig die Heilige Tradition der Kirche leugnen?'", so Zen weiter.

Um die Lage zu erläutern, wie sie sich aus der Sicht des Kardinals zeigt, legte er in seiner Predigt die Tageslesung aus dem Buch Genesis aus. Am Freitag wurde die Geschichte von Josef und seinen Brüdern gelesen. Die Brüder Josefs neiden ihm, dass er der Lieblingssohn seines Vaters ist, und beschließen daher, ihn zu töten. Sein Bruder Ruben verhindert, dass die Brüder ihn gleich ermorden, und sorgt dafür, dass er stattdessen in eine Zisterne geworfen wird, später verkauften sie ihn als Sklaven, so dass er nach Ägypten kam.

Biblische Geschichte als Metapher für aktuellen Streit

Zen weist den verschiedenen Personen aus der biblischen Geschichte reale Personen zu: Die Piusbruderschaft identifiziert er mit Josef, Josefs Brüder mit dem Präfekten des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, den er nur mit seinem Spitznamen bezeichnet: "Tucho, der die Traditionen der Kirche zerstören will – wie könnte er die Piusbruderschaft nicht hassen? Er wird sich wahrscheinlich sehr darüber freuen, dass sie exkommuniziert werden!", erläuterte Zen. Die Rolle des Ruben besetzt er mit Papst Leo XIV. – "womöglich mit der Hilfe von Bischof Athanasius Schneider", ergänzte Zen. Schneider ist Weihbischof in Astana (Kasachstan) und hatte bereits zuvor Sympathie für die Piusbruderschaft gezeigt.

So wie Ruben der gute Bruder sei, könne sich Papst Leo als guter Vater erweisen. "Er versteht das, und er wird seinen Söhnen helfen zu verstehen, dass bestimmte Dinge, die im Namen des sogenannten 'Geistes des Konzils' – aber entgegen der Tradition der Kirche – durchgeführt werden, in Wirklichkeit nicht zum Konzil gehören!"

Kardinal Joseph Zen war von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong. Im Pontifikat von Papst Franziskus (2013–2025) gehörte er zu den schärfsten Kritikern von dessen Kurs, insbesondere mit Blick auf Synodalität und Liturgie. Er ist ein Verfechter der vorkonziliaren Liturgie. Vom amtierenden Papst erhofft er sich eine Rücknahme der Einschränkungen, die Papst Franziskus verfügt hatte. Im Februar hatte die Piusbruderschaft angekündigt, neue Bischöfe zu weihen. Eine Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag zieht die Exkommunikation nach sich. Nach einem Treffen mit Kardinal Fernández, bei dem die Rahmenbedingungen für einen Dialog erörtert wurden, haben die Piusbrüder das Angebot zurückgewiesen und angekündigt, an den für Juli angesetzten Weihen festzuhalten. (fxn)