Debatte unter konservativen Bischöfen über illegale Piusbrüder-Weihen
Die Debatte unter konservativen Bischöfen über die Bewertung der angekündigten illegalen Bischofsweihen der Piusbruderschaft hält an. Nachdem der Weihbischof von Astana, Athanasius Schneider, die Gültigkeit einer Exkommunikation bezweifelt hatte, widerspricht ihm der emeritierte Churer Weihbischof Marian Eleganti (Foto oben). Gegenüber dem britischen "Catholic Herald" sagte der Schweizer am Montag, dass es nicht genüge, wenn die Piusbrüder behaupteten, kein Schisma zu wollen. "Eine fragwürdige Absicht zu bekunden, hilft nicht weiter", so Eleganti. "Es ist eine Methode, mit der sie behaupten, keine Spaltung zu beabsichtigen, um die Menschen über den objektiven schismatischen Charakter und die Auswirkungen eines solchen Aktes des Ungehorsams zu täuschen."
Es handle sich beim Vorgehen der Piusbruderschaft um einen Trick, mit dem sie totale Autonomie praktizieren wollen, zugleich aber vorgeben, in Einheit mit dem Papst zu stehen, so Eleganti weiter. "Dies ist jedoch nicht der Fall, solange der Papst diese Weihen nicht akzeptiert oder genehmigt." Eleganti reagierte damit auf Aussagen Schneiders, dass eine Exkommunikation aufgrund unerlaubter Bischofsweihen für die Piusbrüder keine Gültigkeit habe, da es an der Absicht fehle, sich von Rom zu trennen. Ohne eine derartige Absicht könne aber die im Kirchenrecht verfügte Strafe der Exkommunikation für unerlaubte Bischofsweihen nicht verhängt werden. Schneider wies darauf hin, dass die Piusbruderschaft im Hochgebet den Papst erwähnen und für ihn beten.
Im "juristdiktionellen Nirvana durch Selbstautorisierung"
Eleganti betonte dagegen, dass es nicht auf die Behauptungen oder Erklärungen der Piusbruderschaft ankomme, sondern darauf, welche Fakten sie schaffen würden. Der Weihbischof nannte Punkte, an denen sich der schismatische Charaker der Piusbruderschaft zeige: Das losgelöste Agieren ohne päpstlichen Auftrag, der Einsatz von Bischöfen, die nicht mit dem Papst und dem Bischofskollegium in Einheit stehen, und schließlich die Existenz Hunderter von Priestern, die nicht inkardiniert, also nicht in die kirchliche Hierarchie eingegliedert sind. Die Piusbruderschaft existiere "in einer Art jurisdiktionellem Nirvana durch Selbstautorisierung, wobei sie sich selbst als die einzigen wahren Katholiken betrachten, mit den einzigen wahren oder zumindest mängelfreien Sakramenten, und der einzigen wahren Lehre".
Der Anfang Februar angekündigte Schritt der Piusbruderschaft, im Juli neue Bischöfe zu weihen, ist auch bei konservativen Bischöfen auf deutliche Kritik gestoßen. Eine Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag zieht die Exkommunikation nach sich. Nach einem Treffen mit Kardinal Fernández, bei dem die Rahmenbedingungen für einen Dialog erörtert wurden, haben die Piusbrüder das Angebot des Vatikan zu weiteren Gesprächen zurückgewiesen und angekündigt, an den für Juli angesetzten Weihen festzuhalten. Gegen das Vorhaben der Piusbrüder hatte sich unter anderem Kardinal Robert Sarah deutlich positioniert: "Wie viele Seelen sind durch diesen neuen Bruch in Gefahr, verloren zu gehen?", fragte er nach der Ankündigung. Der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, zeigte zwar Verständnis für die inhaltlichen Anliegen der Piusbruderschaft, warnte aber vor einem Schisma. (fxn)
