Umfrage unter touristisch bedeutsamen Gotteshäusern

Eintritt in Kölner Dom: Ein Vorbild für andere Kirchen in Deutschland?

Veröffentlicht am 18.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Brüwer – Lesedauer: 

Bonn ‐ Noch in diesem Jahr will der Kölner Dom Eintritt von Touristen verlangen. Das sorgt für viel Kritik. Für die meisten bekannten Kirchen in Deutschland ist ein Eintritt dagegen kein Thema – bis jetzt.

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Eine Entscheidung, die für Aufsehen und Kritik gesorgt hat: In der vergangenen Woche beschloss das Kölner Domkapitel, von der zweiten Jahreshälfte an Eintritt von Besucherinnen und Besuchern der Kathedrale zu verlangen. Mit diesem Schritt soll die finanzielle Schieflage der meistbesuchten Kirche Deutschlands ausgeglichen werden. Das stößt nicht überall auf Verständnis: Es sei "sehr, sehr bedauerlich", dass Deutschlands bekannteste Kirche demnächst Eintritt für Touristinnen und Touristen verlangt. "Es muss auch nicht-kommerzielle Räume geben. Man sollte nicht für alles bezahlen müssen – am wenigsten für den Besuch in der Kirche", sagte jüngst etwa die ehemalige Kölner Dombaumeisterin und derzeitige Leiterin des Zentral-Dombau-Vereins, Barbara Schock-Werner.

Hohe Ausgaben für Renovierungsarbeiten und Personal beschäftigen aber nicht nur den Kölner Dom, sondern auch andere bekannte Kathedralen und Kirchen in Deutschland. Ist ein Eintritt für Touristinnen und Touristen auch hier ein Thema? "Das Domkapitel ist mit knapper werdenden Finanzmitteln konfrontiert. Konkrete Überlegungen, für den gesamten Dom Eintritt zu verlangen, gibt es derzeit nicht", sagt der Speyerer Domdekan Georg Müller auf katholisch.de-Anfrage. Seit vielen Jahren gebe es bereits zwei eintrittspflichtige Bereiche: die Krypta mit dem Zugang zu den Kaisergräbern sowie den Kaisersaal mit dem Zugang zum Südwestturm des Kaiserdoms. "Die Eintrittsgelder nutzen wir, um damit einen Beitrag zum Bauunterhalt zu erwirtschaften und die Besucherströme zu regulieren."

Keine Pläne für Eintrittspreise in München und Mainz

Ähnliches gilt für einen weiteren romanischen Kaiserdom, die Kathedrale in Mainz. "Aktuell ist nicht geplant, einen Eintrittspreis für den Mainzer Dom zu erheben", sagt Domdekan Henning Priesel auf katholisch.de-Anfrage. Auch für den Münchner Liebfrauendom gibt es nach Auskunft der Pressestelle bislang keine Überlegungen und Pläne, einen Eintritt für Besucherinnen und Besucher einzuführen.

Auch die bekannte evangelische Frauenkirche in Dresden teilt auf Anfrage mit: "Die Frauenkirche Dresden ist ein offene Haus Gottes und der Menschen. Sie ist ein Ort für Begegnung und Austausch, den es dank immensen bürgerschaftlichen Engagements wieder gibt. Aus diesem Grund stehen die Türen für die allermeisten Angebote ganz bewusst bei freiem Eintritt offen." Auch wenn die Finanzierung aus eigener Kraft heraus Jahr für Jahr schwieriger werde, gebe es gegenwärtig keine Pläne, etwa für die Besichtigung des Kirchraumes einen Eintrittspreis zu verlangen.

Blick über die Donau auf das Münster Unserer Lieben Frau
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Archivbild)

Blick über die Donau auf das Münster Unserer Lieben Frau am 22. Mai 2021 in Ulm.

Im Kölner Nachbarbistum Aachen will man diese Option dagegen nicht gänzlich ausschließen. "Wir stehen grundsätzlich vor den gleichen Herausforderungen wie der Kölner Dom", teilte eine Sprecherin auf katholisch.de-Anfrage mit. Das Domkapitel investiere pro Jahr mindestens eine Million Euro allein an Baukosten für den Erhalt des Doms. Hinzu kämen Energiekosten, Materialkosten, Personalkosten und Ausgaben für die Domschatzkammer, die Domsingschule oder die Dommusik. "Bislang wurde darauf verzichtet, Eintrittsgelder zu verlangen. Stattdessen bitten wir die Touristinnen und Touristen am Eingang um einen 'Foto-Euro', das heißt um eine kleine Gebühr, um im Dom frei fotografieren zu dürfen", so die Sprecherin. Auch Infoflyer oder Opferkerzen würden zum Verkauf angeboten. "Ausgeschlossen werden können Überlegungen zur Einführung von Eintrittsgeldern in Zukunft nicht, da der Bauunterhalt angesichts steigender Kosten langfristig gesichert werden muss."

Nicht nur im Ausland ist es dabei üblich, für große, touristisch interessante Kirchen Eintritt zu bezahlen. Auch in Deutschland gibt es ein prominentes Beispiel: den evangelischen Berliner Dom. Seit vielen Jahren kostet der Besuch der Kirche Eintritt – ein einfaches Besuchstickets gegenwärtig etwa 15 Euro. "Der Berliner Dom ist zu 95 Prozent auf Einnahmen aus touristischem Betrieb angewiesen", sagte der Verwaltungsleiter des Dom, Konrad Fickelscher, auf katholisch.de-Anfrage. Er habe die Nachrichten um den "nun auch im Kölner Dom notwendigen" Eintritt mit Interesse verfolgt. Trotz Eintritt bewegen sich die Besucherzahlen in Berlin nach der Corona-Pandemie stetig nach oben. So besuchten 2025 über 621.000 Menschen die Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin.

Eintritt in Ulm abgeschafft worden

Es gibt gleichwohl auch gegenläufige Bewegungen, etwa beim evangelischen Ulmer Münster. "Bis 1985 hat der Besuch des Ulmer Münsters Eintritt gekostet", erklärte eine Sprecherin auf katholisch.de-Anfrage. Dies sei abgeschafft worden, um allen Menschen den Besuch des Münsters kostenfrei zu ermöglichen. "Seitdem kostet nur der Turmaufstieg Eintritt und es gibt derzeit keine Überlegungen, dies zu ändern."

Eine wesentliche Säule zur Finanzierung des Bauunterhalts sei der Münsterbauverein Ulm. "Als explizite Bürgerkirche kann das Ulmer Münster seit jeher auf den Rückhalt durch die Ulmer Bürgerschaft und Unternehmer bauen", so die Sprecherin. "Das Engagement der Ulmer für ihr Münster war schon immer und ist bis heute bemerkenswert."

Aachener Dom
Bild: ©AdobeStock/Vincent (Archivbild)

Gänzlich ausschließen will das Aachener Domkapitel die Möglichkeit nicht, künftig ebenfalls Eintritt zu verlangen.

Auch die anderen Gotteshäuser haben diverse Geldquellen aufgetan, um die laufenden – und stetig steigenden – Kosten zu decken. Der Münchner Liebfrauendom etwa finanziert sich vor allem durch eigene Einnahmen wie Spenden, Kerzengelder, Erlöse aus dem Domshop oder Eintrittsgelder für den Südturm. Zudem gibt es finanzielle Zuschüsse durch die Erzdiözese, die es für jede Pfarrei gibt. Die Dresdner Frauenkirche wird durch eine gemeinnützige Stiftung getragen, die 1994 durch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen, den Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden ins Leben gerufen wurde. Neben dem kostenpflichtigen Kuppelaufstieg und Gruppenführungen sind auch hier Spenden ein wichtiger Pfeiler der Finanzierung.

In Speyer finanziert das Domkapitel alle am Dom stattfindenden Maßnahmen. "In einem Vertrag mit dem Land Rheinland-Pfalz wurde 2009 festgelegt, dass das Land sich mit der Übernahme von 40 Prozent der Kosten an den substanzerhaltenden Maßnahmen beteiligt", heißt es auf katholisch.de-Anfrage. Rund 130.000 Euro jährlich kommen zudem über den Dombauverein, Spenden und weitere Einnahmen des Doms zusammen. Außerdem werden einzelne Maßnahmen von der europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, der Stadt Speyer oder von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bezuschusst.

"Lebendiges Zentrum für Kultur, Bildung und internationale Begegnungen"

Das Aachener Domkapitel erwirtschaftet seine Einnahmen ebenso durch Kollekten und Spenden. Zuschüsse und Zuweisungen durch öffentliche Einrichtungen sowie dem Bistum und Vereinen wie dem Karlsverein und dem Dombauverein kommen hinzu. Eine weitere Geldquelle sind Einnahmen aus dem Führungsbetrieb. "Unter den Domkirchen im deutschsprachigen Raum bietet das Domkapitel Aachen die meisten selbst organisierten Führungen an – also solche, die autark und nicht von der Stadttouristik oder unabhängigen Guides verantwortet werden." Seit Kurzem können dafür auch online Tickets erworben werden. "Der Aachener Dom ist nicht nur ein Ort der Besinnung und der Gottesdienste, sondern ein lebendiges Zentrum für Kultur, Bildung und internationale Begegnungen – und das Online-Ticketing hat die Türen für ein noch breiteres Publikum geöffnet", betonte Dompropst Rolf-Peter Cremer in einer Pressemeldung zur Jahresbilanz 2025.

Die Beispiele zeigen, dass es bereits jetzt vielfältige Wege gibt, wie bekannte Kathedralen und Kirchen in Deutschland Geld für die laufenden Ausgaben erwirtschaften – auch wenn nicht klar ist, ob diese Modelle auch in Zukunft noch tragen können werden. Bei einem sind sich jedoch alle einig: Gottesdienstbesucher und Betende sollen auch künftig kostenlos in die Häuser Gottes kommen können.

Von Christoph Brüwer