Zwangsräumung zuvorgekommen

Schismatische Klarissen verlassen ihr Kloster freiwillig

Veröffentlicht am 12.03.2026 um 09:47 Uhr – Lesedauer: 

Belorado ‐ Die ehemalige Äbtissin hat spät in der Nacht die letzte Kerze ausgelöscht – dann haben die schismatischen Klarissen ihr Kloster freiwillig verlassen. Wenige Stunden vor der angekündigten Zwangsräumung.

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Der große Showdown in Belorado bleibt aus: Die schismatischen Klarissen haben ihr ehemaliges Kloster Stunden vor der Zwangsräumung freiwillig verlassen. "2.46 Uhr. Und in Belorado ging das Licht aus", titelte dazu das spanische Online-Medium "Religión Digital" am Donnerstag. "Die Nonnen sind still, mit großer Würde und Zurückhaltung gegangen, geschützt durch die Dunkelheit der Nacht", sagte ihr Anwalt gegenüber dem Portal. Die ehemalige Äbtissin habe die letzte brennende Kerze auf dem Altar ausgelöscht und das Licht im Kloster ausgeschaltet – dann seien die sieben verbliebenen Frauen gegangen.

Nach einem monatelangen Rechtsstreit hatte das zuständige Gericht die mehrfach verschobene Räumung endgültig auf den Donnerstag um 9.30 Uhr festgesetzt. Die Schlüssel des Klosters wurden der Polizei übergeben. Eine Vertreterin der Föderation der Klarissen aus dem 50 Kilometer entfernten Kloster Cástil de Lences werde ihn am Vormittag entgegennehmen.

Neues Kloster gesucht

"Mit dieser Geste endet eine Ära der historischen Präsenz der Gemeinschaft im Kloster von Belorado und beginnt eine neue Etappe für die rebellischen Nonnen, die gerade erst begonnen hat", sagte der Anwalt weiter. "Das Licht in Belorado ist erloschen, aber für die Nonnen ist ein neues Licht aufgegangen."

Wie es für die Ex-Nonnen und ihr ehemaliges Kloster weitergeht, ist noch ungewiss. Zunächst seien die Frauen bei einer Verwandten untergekommen. Der vom Vatikan eingesetzte Apostolische Kommissar des Klosters, Erzbischof Mario Iceta, überlegt laut "Religión Digital", ob dort eine neue Gemeinschaft angesiedelt werden kann. Nachdem für die verbliebenen schismatischen Klarissen klar war, dass sie alle Rechtsmittel ausgeschöpft haben, kündigten sie Anfang Februar an, Spenden für ein neues Kloster zu sammeln.

Im Laufe des Tages hat auch das Erzbistum Burgos die ordnungsgemäße Übergabe des Klosters bestätigt. Ein Vertreter des Päpstlichen Kommissars habe die Schlüssel zum Kloster in Gegenwart der Vertreterinnen der Klarissenföderation erhalten. Unmittelbar nach der Übergabe sei das Kloster im Beisein der Behördenvertreter besichtigt worden, um den Zustand zum Zeitpunkt der Übernahme zu dokumentieren. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme steht noch nicht fest. Das Erzbistum betonte aber, dass zu den beweglichen Gütern des Klosters teils jahrhundertealte Kunstwerke gehören. Auf Grundlage der Begehung werde nun die Situation bewertet, um eventuelle nicht mehr im Kloster befindliche Gegenstände, die zum Orden gehören, zurückzuerlangen.

In seiner Pressemitteilung äußerte sich das Erzbistum auch zur Zukunft des Klosters. Die hänge davon ab, wie sich die Klarissenföderation entscheiden werde. Rechtmäßiger Eigentümer des Klosters sei weiterhin die verbliebene Klostergemeinschaft, die aus den älteren Schwestern besteht, die sich dem Schisma nicht angeschlossen haben. Sie sind mittlerweile in verschiedenen Klöstern der Föderation untergebracht.

Weiterer Prozess steht an

Der Konflikt um die Klarissen von Belorado hat sich in den vergangenen Monaten immer weiter zugespitzt. Die Eskalation hatte 2024 mit dem von ihnen unterzeichneten Manifest begonnen, mit dem sie sich von der katholischen Kirche lossagten und erklärten, alle Päpste nach Pius XII. (1939–1958) nicht mehr anzuerkennen. Im Laufe des Konflikts schlossen sie sich verschiedenen schismatischen angeblichen Bischöfen an und wurden aufgrund ihres Schismas exkommuniziert. Zwei der exkommunizierten Frauen sind mittlerweile wieder zur Kirche zurückgekehrt, gehören aber nach der Aufhebung ihrer Exkommunikation keinem Orden mehr an.

Obwohl die Frauen der Räumung zuvorgekommen sind, sind ihre rechtlichen Probleme nicht ausgestanden. Die ehemaligen Ordensfrauen müssen sich vor Gericht verantworten, da ihnen unter anderem die Vernachlässigung von fünf älteren Ordensfrauen vorgeworfen wird, die den Gang ins Schisma nicht mitgemacht haben, aufgrund ihres Gesundheitszustands das Kloster aber nicht verlassen konnten. Die fünf Schwestern, von denen eine mittlerweile verstorben ist, wurden Mitte Dezember von der spanischen Polizei aus dem Kloster Orduña befreit, in das sie von den Ex-Klarissen gebracht wurden. (fxn)

12. März 2026, 14.30 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme des Erzbistums Burgos.