Standpunkt

Die Kirche muss vieles ändern – und darf es auch

Veröffentlicht am 19.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Tobias Glenz – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die katholische Kirche in Deutschland schrumpft weiter massiv – bis es irgendwann nichts mehr zu schrumpfen gibt. Was tun? Alles ändern, was nötig ist, kommentiert Tobias Glenz. Und es ginge viel.

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Wieder eine neue Kirchenstatistik, wieder erschreckende Zahlen: Mehr als 300.000 Menschen in Deutschland haben die katholische Kirche im vergangenen Jahr verlassen. Dass dieser Wert nun etwas niedriger als im Vorjahr liegt und kein neuer "Rekord" an Austritten erreicht wurde, kann wohl kaum als Erfolg verbucht werden. Fest steht: Die Kirche hierzulande schrumpft immer weiter und das jedes Jahr massiv – bis es irgendwann nichts mehr zu schrumpfen gibt. Was also tun?

Der emeritierte Münsteraner Fundamentaltheologe Jürgen Werbick brachte es kürzlich auf den Punkt: Die Kirche muss alles ändern, was ihr und ihrem Auftrag im Wege steht. Man könnte auch sagen: Sie muss jede Reform einleiten, die möglich und nötig ist, um zukunftsfähig zu bleiben. Und es wäre sehr viel möglich.

Wieso etwa ist die immer wieder gestellte "Frauenfrage" nicht längst gelöst? Der Vatikan selbst hat sie zuletzt als "dringlich" bezeichnet, doch bewegt sich in der Sache nicht wirklich etwas. Von einer Weihezulassung ist man meilenweit entfernt. Wie viel Potenzial wird hier verschenkt – und das nur aufgrund des Geschlechts? Das reichlich platte Argument "Jesus war aber ein Mann" zieht dabei genauso wenig wie der Verweis auf frühere päpstliche Dokumente; denn der jetzige Pontifex könnte zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Ändern: jederzeit möglich.

Und wie viele potenzielle Priester – 2025 wurden in Deutschland nur 25 geweiht – gehen durch das starre Festhalten am Pflichtzölibat verloren? Dabei ist dieser "kein göttliches Gesetz, kein Dogma, sondern ein einfaches Kirchengesetz, das wir leicht ändern können", wie ein leitender Pfarrer jüngst treffend formulierte.

Und warum müssen sich sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in der Kirche noch immer ausgegrenzt fühlen? Die wollen keine kleinen Zugeständnisse im Sinne von "Ganz so schlimm seid ihr gar nicht", sondern vollumfänglich akzeptiert werden. Auch dem stünde wenig entgegen.

Die Liste ließe sich so fortführen. Es mangelt der Kirche keineswegs an Möglichkeiten, für die Menschen wieder attraktiver zu werden. Allein: Sie muss es wollen. Mit einem "Anbiedern an den Zeitgeist", wie mancher nun entgegnen mag, hat das alles nichts zu tun. Vielmehr mit dem Anerkennen der Wirklichkeit – und den richtigen Schlüssen daraus.

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.