Eintritt in Kölner Dom: Das nimmt ihm, wozu er erdacht wurde

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Verheißungen kann man nicht kaufen. Deswegen sind sie unverzichtbar. Wer schon mal ein Spiel des 1. FC Köln besucht hat, der kennt das. "Herzlich willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands!" Mit diesen Worten begrüßt Stadionsprecher Michael Trippel bei jedem Heimspiel die Gästefans. Bis du auf deinem Platz angekommen bist, ist die Straßenbahn allerdings schon liegengeblieben, und du bist über einen Haufen Unrat gestiegen. Wenn aber jetzt alle ihre Schals drehen dann fühlst du trotzdem: Da ist was dran.
So ähnlich verhält es sich mit dem Kölner Dom. Er sei für viele Kölner und Nicht-Kölner ein "Heimatsymbol", sagt der Psychologe Stephan Grünewald. "Wir haben schon eine Krise der fehlenden Verbundenheit und das Gefühl, in unserem Land nichtmehr willkommen zu sein", meint er. Da sei Köln immer ein Vorbild gewesen. Wenn der Dom jetzt Eintritt verlange, hätten die Menschen das Gefühl, die Heimat verschließe sich einem.
Verheißungen kann man nicht kaufen. Sie sind ein Geschenk. Als Kölner stehe ich manchmal fassungslos davor, was die Menschen mit dieser Stadt verbinden. In der doch so oft so wenig rundläuft. Beinharte Atheisten erzählen mir seufzend, wie ihr Herz aufgeht, wenn sie nachts auf der A4 an der Raststätte Frechen vorbeifahren und sich auf einmal die Domspitzen wie Leuchttürme erheben. Der Dom ist steingewordene Verheißung: die Welt ist anders, als sie oft scheint. Sie ist warm, sie ist gastfreundlich, sie ist schön. Und: Der Dom und ich – wir sind ein Teil davon. Erstaunlich eigentlich, dass das Domkapitel nicht die Kölnerinnen und Kölner ins Kirchenschiff holt und um Rat fragt: "Unser Dom ist in Not – was machen wir?" Ich bin mir sicher: Ideen würden fließen wie das Kölsch im Brauhaus gegenüber.
Ob es eine zweite Stadt auf der Welt gibt, die so einen Schatz hat? Wer von Touristen demnächst einen ins graue Kleid einer "Besichtigungsgebühr" gewandeten Eintritt verlangt, der hat den Glauben an die Wirkmächtigkeit von Verheißungen jedenfalls ein Stück weitfahren lassen. Was schade ist. Sie sind doch die Grundierung der christlichen Religion. Wer vermag schon die Grenze zwischen Staunen und Stoßgebet, zwischen Besichtigen und Besinnen zu bestimmen? Ein Eintritt macht den Kölner Dom zum Museum – nicht die Menschen, die ihn betreten. Und nimmt ihm damit ein großes Stück von dem, wozu er einmal erdacht und erbaut worden ist.
Der Autor
Peter Otten ist Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln. Seit einigen Jahren bloggt er unter www.theosalon.de.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.