Standpunkt

Frauen in der Kirche brauchen eine starke Interessenvertretung

Veröffentlicht am 01.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Gabriele Höfling – Lesedauer: 

Bonn ‐ Anne König ist überraschend als Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) zurückgetreten. Die Begründung überrascht Gabriele Höfling – und lässt sie an der Eignung der CDU-Politikerin für das Amt zweifeln.

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Vor einigen Tagen ist die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne König überraschend als Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) zurückgetreten – nach weniger als einem Jahr im Amt. Dafür hat sie nun einige Gründe genannt, die doch überraschen. 

Einerseits sind da die gestiegenen Mitgliedsbeiträge (die allerdings schon vor Königs Amtsantritt in Kraft traten). Darauf im Detail einzugehen, würde diesen Standpunkt sprengen. Nur so viel: Maßnahmen wie geringere Aufwandsentschädigungen in den Vorständen – die Anne König vorschlägt – sind sicher wichtige Symbole. Dafür geeignet, einen über 14 Jahre gestiegenen Finanzbedarf zu decken, sind sie aber sicher nicht. So lange waren die Beiträge zuvor stabil geblieben – auch über die Corona-Zeit und den Beginn des Ukraine-Kriegs hinweg.  

Viel wichtiger ist aber ein anderer Aspekt in Königs Argumentation: Aus ihrer Sicht droht das (kirchen-)politische Engagement höherer Verbandsebenen auf Kosten der Förderung von Aktivitäten der Basis vor Ort zu gehen. Auch die Bindung des Verbands an die Heilige Schrift leide. Hier wird aus meiner Sicht ein Widerspruch aufgemacht, der keiner ist. Ortsgruppen bei Bibelarbeit und Engagement in der Gemeinde zu unterstützen UND Lobbyarbeit für Frauen in Kirche und Gesellschaft zu leisten – beides gehört zu den Kernaufgaben der kfd und beides schließt sich keineswegs aus. 

Frauen brauchen immer noch eine starke Interessenvertretung in der Kirche. Würde ein Verband wie die kfd sein politisches und vor allem kirchenpolitisches Engagement einschränken oder gar aufgeben, wäre das fatal – dann fühlten sich nicht nur die vielen Ortsgruppen im Stich gelassen, die sich selbst in ihrer Gemeinde für die Rechte der Frauen engagieren. Nach meiner Wahrnehmung wünschen sich viele Frauen grundlegende Reformen, etwa in Sachen Frauendiakonat – und dafür sollte auch die kfd in Zukunft unbedingt weiter einstehen. Eine Vorsitzende mit einem eher unpolitischen Verständnis von Verbandsarbeit, deren Argumentation irritierend nah an den einstigen "politischen Maulkorb" von Parteifreundin Julia Klöckner an die Kirchen kommt, ist da eher ein Hindernis. 

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.