Papst Leo XIV. bei "Urbi et Orbi": Nicht mit dem Bösen abfinden
In seiner Osterbotschaft hat Papst Leo XIV. am Sonntag zu einem Ende der Gleichgültigkeit aufgerufen. "Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden!", so Leo XIV. in seiner Ansprache zum Segen "Urbi et orbi" von der Mittelloggia des Petersdoms.
Das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken beklagte eine zunehmende Abstumpfung gegenüber der überall herrschenden Gewalt. Er prangerte die Gleichgültigkeit an, angesichts des Todes Tausender Menschen, von Hass, Spaltung und den daraus folgenden Konflikten. Leo XIV. zitierte seinen Vorgänger Franziskus (2013–2025), der von einer ausgeprägten "Globalisierung der Gleichgültigkeit" sprach.
Einladung zu Friedensgebet auf dem Petersplatz
Leo XIV. appellierte: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!" Die Menschheit rief er dazu auf, angesichts des Osterfestes alle Streitlust, jeden Wunsch nach Dominanz und Macht hinter sich zu lassen. "Bitten wir den Herrn, er möge der Welt seinen Frieden schenken." Aus diesem Anlass lud er zu einer gemeinsamen Gebetswache für den Frieden am 11. April in den Petersdom ein. Anschließend grüßte er die Gläubigen in aller Welt auf zehn Sprachen, darunter auch Deutsch: "Frohe Ostern! Bringt allen die Freude des auferstandenen Jesus, der unter uns gegenwärtig ist."
Der "Urbi et orbi"-Segen ist eines der bekanntesten Rituale des Papstes. Er wird an Weihnachten und Ostern gespendet sowie beim ersten öffentlichen Auftritt eines neuen Papstes. In der Formel "der Stadt und dem Erdkreis" kommt der weltumfassende Anspruch der katholischen Kirche zum Ausdruck.
Papst Franziskus nutzte die damit verbundene Ansprache stets, um die Aufmerksamkeit auf Kriege, Konflikte und Leid weltweit zu lenken. Im letzten Jahr teilte er, von schwerer Krankheit gezeichnet seine Sorge über die Situation im Nahen Osten und den wachsenden Antisemitismus. Er erinnerte an die leidenden Menschen im Jemen und in der Ukraine, im westlichen Balkan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, Südsudan und in der Sahelzone. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein, am Morgen des Ostermontags (21. April) starb er im Alter von 88 Jahren.
„Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“
In der Ostermesse am Vormittag auf dem Petersplatz hatte Leo XIV. zur Hoffnung aufgerufen. Die Abgründe des Todes lauerten überall, sagte er in seiner Predigt. Man begegne ihnen in der Gewalt, in den Wunden der Welt, in dem Schmerzensschrei, der von überall her aufsteige, führte Leo XIV. aus. Man finde den Tod in der Unterdrückung der Schwächsten, angesichts der Profitgier, die die Ressourcen der Erde plündert, angesichts der Gewalt des Krieges, der tötet und zerstört. Oft scheine es, als existiere Gott nicht.
"Es ist aber auch gewiss, dass mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues aufkeimt, das früher oder später Frucht bringt", so das Kirchenoberhaupt. Das Osterfest lade dazu ein, den Blick zu erheben und die Herzen zu öffnen. Es sei die neue Schöpfung, die der auferstandene Herr vollbracht habe, ein Neuanfang.
Lied der Hoffnung
"Dieses Lied der Hoffnung brauchen wir heute", so der Papst vor Tausenden Gläubigen im Vatikan. Sie sollten es in die Welt hineintragen. "Verbreiten wir mit unserem Leben die Freude der Auferstehung, damit überall, wo noch Schatten des Todes sind, das Licht des Lebens erstrahlen kann."
Bereits in der Osternacht am Vorabend hatte Leo XIV. die Christen dazu aufgerufen, allen die frohe Botschaft zu bringen, dass Jesus auferstanden ist. Mit seiner Kraft könnten sie eine neue Welt des Friedens und der Einheit gestalten. (mal/KNA)
