Standpunkt

Die Kirche ist beim Rave genau richtig

Veröffentlicht am 21.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Paul Hartmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Der portugiesische Priester und DJ Padre Guilherme verbindet Glaube und Techno – auch jetzt wieder zum Gedenken an Papst Franziskus. Das ist genau der richtige Weg, kommentiert Christoph Paul Hartmann.

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"Möge der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes auf euch kommen und bei euch sein. Amen.", betete Papst Leo XIV., dann schossen Laserstrahlen durch die Menge vor der Kathedrale von Košice und sie feierte zu Techno-Musik. So geschehen im November vergangenen Jahres. Jetzt wieder: 120.000 Menschen gedenken Papst Franziskus bei einem Rave des portugiesischen Priester-DJs Padre Guilherme. Die Kirche und die Party-Szene? Aber ja!

Aktionen wie diese sind genau das, was die Kirche heute braucht. Denn die Zeit, in der die Kirche noch in der Mitte der Gesellschaft ganz selbstverständlich zugegen und präsent war, sind vorbei: Die Gesamtgesellschaft in allen westlichen Ländern wird säkularer. Zudem fragmentiert sie sich. Mehr und mehr sind die Menschen in ihren (digitalen wie analogen) Filterblasen unterwegs und bekommen vom Rest kaum mehr etwas mit.

In diesem Umfeld ist es die Aufgabe der Kirche, ihre Komfortzone zu verlassen und proaktiv dorthin zu gehen, wo man sie sonst nicht erwartet hätte. Neben Raves können das auch Markthallen, Kneipen oder Discos sein. Die aus dem anglikanischen Raum stammende FreshX-Bewegung macht hier schon Vieles richtig: Ein Kirchenstand mit kostenlosem Kaffee auf dem Wochenmarkt oder ein Beratungsangebot im Skatepark.

Kritische Beobachter heben beim Blick auf solche Aktionen schnell die Augenbraue: Da würden ja kaum neue Gottesdienstbesucher generiert und die spirituell Interessierten bänden sich nicht dauerhaft an die Kirche. Doch diese Sichtweise verkennt das große Ganze. Der Glaube soll für die Menschen in all ihren Lebenszusammenhängen da sein, sie durch die Zusage der Gemeinschaft mit Gott stärken und durch das Leben begleiten. Um das heute umzusetzen, reicht nicht mehr ein Plakat im Kirchen-Schaukasten – und dauerhafte Bindung ist heute in keinem Lebensbereich mehr selbstverständlich. Also heißt es für die Kirche: Raus gehen – auch ins Risiko. Da muss es auch mal der Segen vor dem Rave sein.

Von Christoph Paul Hartmann

Der Autor

Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.