Jugendpfarrer: Themen aus der Bibel finden sich auch in Star Wars
Eine Gestalt in schwarzer Robe hält ein grünes Laserschwert in der Hand und macht sich zum Angriff bereit. Ihr kommt ein großgewachsener Mann im schwarzen Anzug und mit einem roten Laserschwert entgegen. Es ist Darth Vader, die wohl bekannteste Figur aus dem Star-Wars-Universum. Auch, wenn sich eine Szene wie diese mehrfach in den Filmen wiederfindet, handelt es sich hier um einen Kampf, der zu Beginn eines Gottesdienstes in der Jugendkirche der Burg Feuerstein bei Ebermannstadt stattgefunden hat. Die Idee, Themen der Star-Wars-Filme in einen Gottesdienst einzubinden, stammt von Jugendpfarrer und Domvikar Gerd Richard Neumeier. Im Interview mit katholisch.de erklärt er, wie der Gottesdienst umgesetzt wurde und was man für die Zukunft mitnehmen kann.
Frage: Herr Neumeier, wie passen Star Wars und ein katholischer Gottesdienst zusammen?
Neumeier: Zunächst möchte ich betonen, dass es keine Eucharistiefeier war, sondern ein Wortgottesdienst, den ich in meiner Rolle als Jugendpfarrer für die Jugend konzipiert habe. In den vergangenen Jahren haben uns Anfragen von Mitarbeitern in der Jugendpastoral erreicht, ob wir ihnen helfen können, einen Jugendgottesdienst zu konzipieren. Das hat den Hintergrund, dass sie festgestellt haben, dass immer weniger Firmlinge eine Verbindung zur Kirche und zum Glauben haben. Als die Jugendlichen in Studien gefragt wurden, was sie beschäftigt, kamen Themen wie die Zerstörung der Schöpfung, aber auch Angst vor Krieg, Terror und Gewalt und die Sehnsucht nach Frieden. Genau da setzt unser Schöpfungsgottesdienst und der Star-Wars-Gottesdienst an. In den Filmen ist das Motiv von Gut und Böse, Licht und Dunkel explizit vertreten. Diese Motive und Themen finden wir auch in der Bibel, weshalb Star Wars da eine perfekte Brücke zum Glauben und der Begegnung mit Gott bildet. Gleichzeitig bietet sich Star Wars an, da es viele Fans verschiedenen Alters hat. Der erste Film kam 1977 raus, ich selbst bin mit den Filmen aufgewachsen. Es sind also nicht nur die Kinder und Jugendlichen, die etwas mit den Figuren und Themen anfangen können – ihre Eltern sind mit denselben aufgewachsen und haben ebenfalls Interesse gezeigt, diesen Gottesdienst zu besuchen. Diese Brücke mit Motiven aus Star Wars und den Gottesdienst zu bauen macht es leichter, die Themen zu transportieren und so an die Lebensrealität vor allem der jungen Menschen ranzukommen.
Frage: Wie haben Sie dafür gesorgt, dass der Gottesdienst nicht zur Show wurde?
Neumeier: Uns war sehr wichtig, das theologisch sauber zu trennen. Der Gottesdienst begann mit mehr Bezug zu den Filmen als zur Liturgie. Wir haben zu Beginn also auf einer Leinwand den berühmten Schriftzug, der am Anfang der Filme läuft, und einen Einzug von zwei Sturmtrupplern mit Darth Vader, die nach dem Guten suchen, um es zu bekämpfen. Da kam der Jedi-Ritter Gabriel, es gab einen kurzen Wortaustausch und einen Lichtschwertkampf, in dem das Gute siegt. So haben wir das Thema des Gottesdienstes platziert und konnten so die Brücke zum liturgischen Teil bauen, der im Anschluss folgte. Also zum Beispiel ein Kyrie, die erste Lesung, der Psalm, ein Halleluja und das Evangelium. Zwischendurch haben wir noch ein Lied aus dem Film gespielt. Es knüpfte eben die Thematiken an, die sich sowohl in den Filmen als auch der Bibel finden, aber wir haben Aspekte wie den Kampf nicht mit der Liturgie vermischt. Stattdessen sollte der Gottesdienst die Besucher aktiv einbinden. Die Psalmabschnitte zum Beispiel wurden von verschiedenen Leuten aus dem Publikum gelesen.
Jugendpfarrer Neumeier während des Wortgottesdienstes.
Frage: Welche Bibelstellen haben Sie mit den Filmen verbunden?
Neumeier: Vor dem Hintergrund der Thematik des "Gut gegen Böse" ging es vor allem um die Botschaft Jesu. Seine Liebe, die wir in die Welt hineintragen sollen, und seinen Frieden, den er uns schenkt und den wir ebenfalls weitertragen sollen. Passend dazu hatten wir den Psalm 27 "Der Herr ist mein Licht und mein Heil" und das Evangelium der Versuchungen Jesu, in denen Jesus dem Bösen widerstand. Auch von der Osterzeit haben wir noch den Bezug, dass das Licht über die Dunkelheit siegt. Alles also Themen, die Mut machen und wo Gottes Beistand für unser Leben deutlich wird.
Frage: Wie fällt die Resonanz aus?
Neumeier: Natürlich gibt es kritische Stimmen. Vor allem aus Fernsehberichten ging die Konzeption nicht so richtig hervor. Aber ich sag auch immer, dass wir uns an das halten, was Papst Franziskus in "Christus vivit" nach der Jugendsynode gefordert hat. Da fordert er unter anderem eine kreative, missionarische Jugendpastoral, die neue Wege geht und junge Menschen dort anspricht, wo sie stehen und leben. Auch die Leitlinien zur Jugendpastoral der Deutschen Bischofskonferenz von 2021 ermutigen dazu. Diese kreative Seite haben wir mit dem Gottesdienst aufgegriffen. Doch man muss sagen, dass die überwiegende Resonanz positiv ist. Schon während des Friedensgrußes merkte man, wie die Besucher strahlten, weil ihnen mit diesem Friedensgruß etwas Gutes zugesprochen wurde. Einige haben sogar Star-Wars-Accessoires getragen und waren einfach gespannt auf das, was da kam. Außerdem war das Haus bis oben hin voll mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern. Und das, obwohl der Weg hoch zur Burg Feuerstein nicht ganz unbeschwerlich ist und es schon acht Uhr abends war.
Frage: Was hoffen Sie, dass die Besucher des Gottesdienstes mitgenommen haben?
Neumeier: Dass die Kirche und die Liturgie vielfältig sind. Wenn man das Wort Gottesdienst hört, assoziieren die meisten eine immer gleiche Messe, vor allem in Verbindung mit einem Priester. Aber es ist ja nur ein Sammelbegriff für die Vielfalt an liturgischen Feiern. Viele finden es unglaublich schön, in Gemeinschaft zu beten und eine Verbindung zur Heiligen Schrift und zu Christus selbst zu haben. Ich glaube, dass das Wort Gottes für sich spricht und es im Inneren der Leute Früchte trägt.
Themen aus der Bibel finden sich auch in Filmen wie Star Wars, so Neumeier.
Frage: Was haben Sie während der Vorbereitungen neu über Ihren Glauben entdeckt?
Neumeier: Mir ist aufgefallen, dass so viel Aktuelles und Mutmachendes in der Heiligen Schrift steht und die meisten Filme die schon in der Bibel besprochenen Thematiken von Gut und Böse, Licht und Dunkel aufgreifen. Natürlich finden sich diese Themen auch im realen Leben, egal ob im Kleinen oder Politischen. Und in der Hinsicht bin ich einfach froh und dankbar, meinen eigenen Glauben zu haben und ich in Zeiten von Krieg, Terror und Gewalt Halt finde in der lebendigen Beziehung zu Christus. Es ist meine Intention, auch anderen zu zeigen, dass unser Glaube Orientierung, Kraft und Halt schenken kann und eine Freundschaft mit Christus nichts kostet und so viel schenkt.
Frage: Was können Sie aus dem Gottesdienst für die Zukunft mitnehmen?
Neumeier: Wir dürfen als Kirche vor allem die Jugend nicht aus dem Blick verlieren und nicht ignorieren, dass immer mehr katholische Menschen zwar die Verbindung zur Kirche, aber nicht zum Glauben verlieren. Es gibt da bereits gute Angebote in den Pfarreien, aber eher für diejenigen, die schon stärker mit der Kirche und Gemeinde verbunden sind. Wir müssen auf kreative Art auf junge Menschen und die Gruppe der Fernstehende zugehen. Außerdem haben wir den Gottesdienst so gestaltet, dass er auch in Zukunft von Pfarreien gebucht oder eigenständig durchgeführt werden kann. Dadurch, dass der erste schon so gut ankam, glauben wir, dass wir da in eine gute und auch nachhaltige Richtung gehen, da nicht jede Pfarrei die Kostüme und Deko anschaffen muss. Ich hoffe, dass wir so viele Menschen und vor allem Jugendliche erreichen können.
