Er habe einen Tipp für die Kirche

Früherer ZDF-Chefredakteur kritisiert Papst-Aussage zu Segensfeier

Veröffentlicht am 25.04.2026 um 09:03 Uhr – Lesedauer: 

Augsburg ‐ Verbale Diskriminierung – das wirft der Ex-ZDF-Chefredakteur Peter Frey dem Papst vor. Leo XIV. hatte förmliche Segnungen homosexueller Paare in deutschen Bistümern gerügt. Frey verlangt vom Kirchenoberhaupt Mut.

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Die Kirche soll sich bei ihrem Einsatz für den Wert des Lebens nicht nur auf dessen Anfang und Ende konzentrieren – das fordert der frühere ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Dieses Engagement müsse über Positionierungen zu Abtreibung und Sterbehilfe hinaus auch andere Lebensphasen bedenken, sagte der Publizist am Freitag in Augsburg. Dabei gehe es etwa um Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, Klimagerechtigkeit und genossenschaftliches Bauen und Wohnen.

Frey, der fast 20 Jahre Mitglied im Laien-Dachverband Zentralkomitee der deutschen Katholiken war, betonte: "Politische Ideen im Dienst der Menschen in die Debatte einzubringen, gemeinsam mit Bündnispartnern aus allen Teilen der Gesellschaft, das wäre auch ein Weg, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen."

Frey äußerte sich zum Auftakt der Mitgliederversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Das höchste katholische Laiengremium im Freistaat tagt noch bis Samstag in Augsburg. Die Konferenz läuft zum Thema 75 Jahre Landeskomitee "Wie geht Kirche im säkularen Staat?".

Verweis auf Jesus

Der Publizist erklärte, die Kirche müsse Seelsorge bieten und zugleich politisch sein. Denn Jesus wäre ohne sein politisches Umfeld nicht zum Erlöser geworden. "Wenn er nur gebetet, getröstet und Wunder gewirkt hätte, wäre er vielleicht ein Wellness-Guru geworden, nicht aber als Gottessohn im Leid, im Krieg und im Unrecht an unserer Seite."

Wenn Prinzipielles zur Debatte stehe, etwa die Zusammenarbeit mit einer extremistischen Partei, solle die Kirche klar Position beziehen, so Frey. Christen müssten Stoppschilder hochhalten, wenn es um die Achtung von Prinzipien wie Menschenwürde, Minderheitenschutz und Bewahrung der Schöpfung gehe. Im Detail aber solle die Politik ein Primat genießen, mahnte Frey unter Verweis auf die Tempolimit-Diskussion.

Papst Leo XIV.
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani (Archibild)

Mehr Mut von Papst Leo XIV. - das fordert der ehemalige ZDF-Chefredakteur und Katholik Peter Frey

Im Hinblick auf Wähler von Populisten fügte der einstige ZDF-Mann an, Christen müssten ihnen die Chance geben, Sorgen zu artikulieren. "Vor allem dürfen wir sie nicht verachten für ihre Zurückgebliebenheit. Manchmal müssen wir sie an die Hand nehmen, weil sie Schutz brauchen."

Frey sprach auch die jüngsten Attacken von US-Präsident Donald Trump auf den Papst an. Leo XIV. habe schnell Unterstützung von einer ganzen Reihe amerikanischer Kardinäle bekommen, die sich im TV geäußert hätten. "Die amerikanischen Kardinäle treten im Fernsehen auf. Das würde ich mir auch in Deutschland öfter wünschen."

Kritik am Papst

Irritiert zeigte sich der Publizist über die jüngsten Äußerungen des Papstes zu Segensfeiern für nicht kirchlich verheiratete Paare, auch homosexuelle. Solchen Menschen den Segen zu verweigern, stehe für ihn nicht im Einklang mit der Botschaft von einem Gott, der alle liebe, wie er sie geschaffen habe.

"Ich verstehe, dass in einer Kirche der Ungleichzeitigkeiten bestimmte liberale Positionen nicht allen zumutbar sind, insbesondere im konservativen Afrika", ergänzte der Publizist. Der Papst solle die Kirche in eine Gegenwart regionaler und kultureller Unterschiede führen und dabei nach allen Seiten Mut zeigen.

Frey fügte hinzu: "Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in homosexuellen Partnerschaften leben, den Segen zu verweigern, sie mit anderen verbal zu diskriminieren, steht für mich nicht im Einklang mit der Botschaft von einem Gott, der alle so liebt, wie er sie geschaffen hat."

„Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in homosexuellen Partnerschaften leben, den Segen zu verweigern, sie mit anderen verbal zu diskriminieren, steht für mich nicht im Einklang mit der Botschaft von einem Gott, der alle so liebt, wie er sie geschaffen hat.“

—  Zitat: Peter Frey

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sandte der Versammlung ein Grußwort per Video. "Das Landeskomitee zeigt, dass wir synodale Kirche nicht erst jetzt sind", sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, des Zusammenschlusses der bayerischen Bischöfe. Er sei dankbar für dieses Gremium, das die Präsenz der Kirche stärke.

"Wir wirken zusammen für die Gegenwart des Glaubens in dieser Gesellschaft", ergänzte Marx. Das sei gerade heute bedeutsam, auch in Bezug auf den Schutz der Demokratie und die Verteidigung der Idee der einen Menschheitsfamilie.

Augsburgs Bischof Bertram Meier, von 2005 bis 2014 Geistlicher Beauftragter der Freisinger Bischofskonferenz für das Landeskomitee, warb für Vielfalt in der Kirche: "Katholischsein heißt nicht 'im Gleichschritt, marsch' und Katholischsein ist keine Monokultur, sondern wir sollten Vielfalt wagen und sie nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum sehen." In diesem Sinne brauche es das Landeskomitee auch künftig. Das Tischtuch zwischen Bischöfen und Landeskomitee dürfe nie zerschnitten werden. (KNA)