Verwechslung mit Ehe sei ausgeschlossen

Nach Papst-Äußerung: Bistümer und Laien verteidigen Segensfeiern

Veröffentlicht am 24.04.2026 um 16:00 Uhr – Lesedauer: 

Berlin/Speyer ‐ Auf dem Rückflug von seiner Afrikareise hat der Papst förmlichen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare eine Absage erteilt. In Deutschland fragen sich nun Katholiken, was die Äußerungen konkret bedeuten.

  • Teilen:

Nach den jüngsten Äußerungen von Papst Leo XIV. verteidigt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Segensfeiern für nicht kirchlich verheiratete Paare. Es gebe keinen Grund, eine entsprechende Handreichung zurückzunehmen, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.

Das Papier mit dem Titel "Segen gibt der Liebe Kraft" empfehle lediglich, "Paaren, die keine kirchlich-sakramentale Ehe eingehen wollen oder denen eine solche nicht offensteht, Segensfeiern zu ermöglichen", betonte Stetter-Karp. "Nicht mehr und nicht weniger. Eine Verwechslung mit dem Ehesakrament ist ausgeschlossen."

Papst Leo billigt Segnungsfeiern nicht

Die Segnungsfeiern stehen auch schwulen und lesbischen Paaren offen. Das Papier ist eine Frucht des Synodalen Wegs zur Zukunft der Kirche in Deutschland. Die Bischöfe entscheiden über dessen Umsetzung. Zuletzt hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine entsprechende Regelung verfügt.

Auf dem Rückflug von seiner Afrikareise hatte Papst Leo XIV. gesagt, Rom habe den deutschen Bischöfen klargemacht, dass man förmlichen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare nicht zustimme. Er fügte hinzu, wenn man über den Rahmen der von seinem Vorgänger Franziskus erlaubten allgemeinen Segnung hinausgehe, sorge das für mehr Uneinigkeit als für Einigkeit in der Kirche. Kirchenrechtliche Schritte drohte er allerdings nicht an. Vielmehr betonte Leo XIV., dass andere Themen für die Kirche wichtiger seien als Fragen der Sexualmoral.

Papst Leo XIV. spricht in einem Flugzeug in ein Mikrofon
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Auf dem Rückflug seiner Afrika-Reise erklärte Papst Leo XIV., der Vatikan habe den deutschen Bischöfen bereits klargemacht, "dass wir die förmlichen Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht billigen".

Die Präsidentin des ZdK sagte der KNA, es brauche weitere Kommunikation mit dem Vatikan. Der Reformprozess in Deutschland werde weitergehen. "Es ist bekannt, dass es Papst Leo XIV. darum geht, das Segen keinesfalls mit einem Ehesakrament verwechselt werden darf", so Stetter-Karp. Leo XIV. stehe damit in Kontinuität zu seinem Vorgänger Franziskus. "Das bestätigte er gerade auf Nachfrage von Journalisten beim Rückflug von seiner Afrikareise."

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien in Deutschland. Die Deutsche Bischofskonferenz werde den Vorgang derzeit nicht kommentieren, hieß es am Freitag auf KNA-Anfrage. Auch Kardinal Marx wollte sich nicht äußern.

Kategorisches Nein durch "Fiducia Supplicans" aufgehoben

Auch das Bistum Limburg will an Segensfeiern festhalten. "Seelsorgerinnen und Seelsorger werden ermutigt, diesen Wunsch verantwortungsvoll aufzugreifen und mit den Paaren Segensfeiern zu gestalten", sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Freitag der KNA. "Auch wenn es hierzu unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Weltkirche gibt, sehe ich diese Praxis im Bistum Limburg in einem verantwortbaren Rahmen. Sie dient den Menschen und gefährdet aus meiner Sicht nicht die Einheit der Kirche", so Bätzing. Er war bis vor wenigen Wochen Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zugleich leitete er den katholischen Reformprozess, Synodaler Weg, bei dem das Papier mit dem Titel "Segen gibt der Liebe Kraft" entstand.

Das Bistum Speyer reagierte ebenfalls gelassen auf die ablehnenden Worte des Papstes. Das Bistum sehe sich "in seiner Haltung, gleichgeschlechtlichen Paaren zu begegnen und ihnen auch eine Segnung zu ermöglichen", in Übereinstimmung mit dem 2023 veröffentlichten Vatikan-Dokument "Fiducia Supplicans", sagte eine Bistumssprecherin am Freitag auf Anfrage KNA.

Bischof Karl-Heinz Wiesemann vor dem Speyerer Dom – ein Archivbild
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Archivbild)

Noch vor "Fiducia Supplicans" schrieb er an die Seelsorgerinnen und Seelsorger seines Bistums und bat um Segensfeiern für sich liebende Paare: Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Das eigene Vorgehen im Bistum sieht man weiter im Einklang mit dem vatikanischen Segnungsdokument.

Am 18. Dezember 2023 hatte die römische Glaubenskongregation mit Zustimmung des damaligen Papstes Franziskus die Erklärung "Fiducia Supplicans – Über die pastorale Sinngebung von Segnungen" veröffentlicht. Darin werde, so die Bistumssprecherin, von dem zuvor geltenden "kategorischen Nein zu Segnungen von Paaren Abstand genommen, für die eine kirchlich-sakramentale Ehe nicht möglich ist". Dieses Vatikan-Dokument folge damit "dem pastoralen Ansatz von Papst Franziskus".

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hatte schon im November 2023 gesagt, er habe sich beim Reformdialog Synodaler Weg für eine Neubewertung von Homosexualität in der kirchlichen Lehre eingesetzt und für die Möglichkeit von Segensfeiern für Paare gestimmt, die sich lieben. Zugleich habe er die Seelsorgerinnen und Seelsorger seines Bistums "ermutigt, in pastoraler Sensibilität auf Paare zuzugehen, die nicht kirchlich heiraten können". Er begründete sein Vorgehen damals mit den Worten: "Mit all dem ging es mir – nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer langen Geschichte tiefgehender Verletzungen – darum, eine andere, aus dem Evangelium inspirierte pastorale Haltung zu finden."

"An dieser Einschätzung halten wir fest"

Das Bistum Rottenburg-Stuttgart betonte die Notwendigkeit von Gesprächen mit dem Vatikan. "Die Diözese nimmt die Äußerungen von Papst Leo XIV. ernst. Sie zeigen, dass es in dieser Frage zwischen Rom, der Deutschen Bischofskonferenz und den Ortskirchen weiterhin einen Dialog braucht", sagte eine Bistumssprecherin am Freitag in Rottenburg auf KNA-Anfrage.

"Zugleich bleibt für uns wichtig, Menschen seelsorglich zu begleiten, die um Gottes Segen bitten", betonte sie und fügte hinzu: "Unsere bisherigen Materialien und pastoralen Hilfen verstehen sich nicht als Gleichsetzung mit der sakramentalen Ehe, sondern als Unterstützung für eine verantwortliche seelsorgliche Praxis." Segnungen seien ein wesentlicher Bestandteil einer einfühlsamen Seelsorge, die die Lebensrealitäten von Paaren heute im Blick habe und wertschätze. "An dieser Einschätzung halten wir fest."

Kardinal Woelki lacht – ein Archivbild
Bild: ©KNA/TheoBarth (Archivbild)

Nimmt die Äußerungen des Papstes dankbar zur Kenntnis: der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Paaren, die auf eine Segnungsfeier hoffen, sage das Bistum: "Sie sind in unserer Kirche nicht vergessen, und wir bleiben für sie da." Das Bistum unterscheide aber "zwischen einer förmlichen Segensfeier und dem seelsorglichen Zuspruch des Segens". Eine Segensfeier im Sinne einer liturgischen Feier, die mit der sakramentalen Ehe verwechselt werden könnte, sei damit nicht gemeint. Die Bistumssprecherin verwies zudem auf die Erklärung "Fiducia Supplicans". Das Dokument eröffne "die Möglichkeit, Menschen in konkreten Lebenssituationen seelsorglich zu begleiten und ihnen den Segen Gottes zuzusprechen – in einer nicht ritualisierten Form und ohne Gleichsetzung mit der Ehe".

Das Erzbistum Köln erklärte, dass Kardinal Rainer Maria Woelki die Äußerungen des Papstes mit Dankbarkeit zur Kenntnis nehme. "Sie bekräftigen die Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens in der Weltkirche und sensibilisieren für die Gefahr der Trennung und Spaltung", hieß es. Für Woelki sei es wichtig festzuhalten, "dass es für uns im Erzbistum Köln selbstverständlich ist, alle Menschen zu segnen und ihnen die Nähe Gottes zuzusprechen". Der gesetzte Rahmen aus Rom ermögliche es, allen Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und "pastoral sensibel" zu handeln.

In Essen erklärte Generalvikar Klaus Pfeffer auf Facebook: "Für mich ist das eine sehr wichtige Botschaft: Die Welt um uns herum brennt geradezu angesichts der zahlreichen Kriege, der Zunahme autoritärer Regime, des Zerfalls vieler Demokratien, der Zunahme von Hass und Gewalt in so vielen Bereichen. Da gibt es für Christinnen und Christen unendlich viele Aufgaben, um Position zu beziehen und um für Verständigung, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten." (cbr/KNA)

24.04.2026, 18.40 Uhr: Ergänzt um Stellungnahmen der Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Köln sowie von Generalvikar Klaus Pfeffer.