Papst an Neupriester: Öffnet Türen der Kirche auch für Entfremdete
Papst Leo XIV. hat am Sonntag zehn Männer zu Priestern geweiht. Bei dem feierlichen Gottesdienst im Petersdom rief er sie auf, die Türen der Kirche für alle Menschen zu öffnen. "Seid kein Hindernis für diejenigen, die eintreten wollen", betonte der Papst. "Heute mehr denn je, besonders dort, wo die Zahlen eine Entfremdung zwischen den Menschen und der Kirche zu zeigen scheinen, haltet die Tür offen! Lasst sie eintreten und seid bereit, hinauszugehen", mahnte Leo XIV. "Ihr seid ein Kanal, kein Filter."
Viele Menschen hätten positive Erfahrungen mit der Kirche und Erinnerungen, die anziehen. "Manchmal jedoch gibt es auch etwas anderes, das noch nicht verheilt ist und zurückhält", gab der Papst zu bedenken. Gerade für sie sollten die Priester ein Spiegelbild der Geduld und Zärtlichkeit von Jesus Christus sein.
Keine Angst vor der Realität
Weiter rief er sie dazu auf, auch angesichts von Aggressionen mutig ihre Aufgabe zu erfüllen. "Die Realität darf uns keine Angst machen", so der Papst. "Heute führt das Bedürfnis nach Sicherheit dazu, dass die Gemüter aggressiv werden, dass sich Gemeinschaften abschotten und dass man nach Feinden und Sündenböcken sucht. Oft herrscht Angst um uns herum und vielleicht auch in uns selbst." Dagegen sollten die Priester Sicherheit in ihren Gemeinden und im Glauben suchen.
Viele Menschen fühlten sich heute verloren, so Leo XIV. Die Kirche wolle sie nicht vom Leben entfremden, sondern Schutz, Ruhe und Zuwendung bieten. Die Priester, die wie Christus gute Hirten sein sollten, rief er auf, "die Kultur, die Menschen, das Leben" zu entdecken. "Diejenigen, für die ihr Priester sein werdet – Laien und Familien, Jugendliche und ältere Menschen, Kinder und Kranke – leben auf Weiden, die ihr kennenlernen müsst."
Hilfsbereite Bürger und Friedensstifter
Zum Zölibat sagte er, die priesterliche Ehelosigkeit müsse "bewahrt und immer wieder erneuert werden, denn jede wahre Zuneigung reift und wird mit der Zeit fruchtbar", genau wie die Liebe unter Eheleuten. "Ihr seid zu einer besonderen, feinen, schwierigen Art zu lieben und, mehr noch, euch in Freiheit lieben zu lassen, berufen." Diese Art könne sie "nicht nur zu guten Priestern, sondern auch zu ehrlichen, hilfsbereiten Bürgern, zu Friedensstiftern und zu Förderern der sozialen Freundschaft machen", sagte Leo XIV.
Die zehn Neupriester werden alle im Bistum Rom arbeiten, dem der Papst als Bischof vorsteht. Es war die dritte Priesterweihe, die Leo XIV. seit seiner Wahl am 8. Mai 2025 vornahm. Mit mehr als 330 Pfarreien und etwa 2,5 Millionen Mitgliedern ist das Bistum Rom nach Mailand das zweitgrößte in Italien. (KNA)
