Wenn ein Papst und ein König zeigen, was Würde bedeutet
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Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet der Papst und ein König lesen der ältesten Demokratie der Welt und ihrem gewählten Präsidenten die Leviten. Papst Leo XIV. und König Charles stehen für Institutionen, die man nicht gerade als Musterbeispiele moderner Demokratien bezeichnen kann. Der eine wurde nur von einer kleinen Gruppe von Kirchenfürsten gewählt. Der andere hat sein Amt sogar nur durch Geburt bekommen. Welch ein Anachronismus, möchte man meinen. Und doch sind sie es, die in den letzten Wochen international die stärkste moralische Autorität ausgestrahlt haben.
US-Präsident Donald Trump hatte nach päpstlicher Kritik vor einigen Wochen Papst Leo XIV. vorgeworfen, dieser sei "schwach im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik". Er solle dankbar sein, denn ohne Trump wäre er nicht im Vatikan. Der Papst solle "seinen gesunden Menschenverstand einsetzen". Ein US-Präsident, der öffentlich das Oberhaupt der katholischen Kirche beschimpft. Unerhört. Leo ließ sich nicht provozieren. In seinem gewohnt unaufgeregten Ton sagte er zu Journalisten: "Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums." Er sei kein Politiker und wolle keine Debatte führen. Aber er werde auch nicht schweigen. "Die Botschaft des Evangeliums ist sehr klar: Selig sind die Friedensstifter."
Kein Angriff, keine Empörung. Ein klares moralisches Fundament, abgeleitet aus der Frohen Botschaft. Welch ein Gegensatz zum ständig eifernden und beleidigenden Spalter aus dem Weißen Haus.
Zwei Wochen später besuchte der britische König Charles III. Trump. In Wortwahl, Habitus und Inhalt hielt er vor dem US-Kongress eine Gegenrede zu seinem Gastgeber und dessen verstörender Art der internationalen Politik. Charles beschwor die NATO, forderte unerschütterliche Unterstützung der Ukraine und warnte vor dem Klimawandel. Demokraten und Republikaner applaudierten gemeinsam. Und Trump nannte die Rede sogar "fantastic". Merkte er gar nicht, wie sehr Charles ihm und seinen Gefolgsleuten ins Gewissen geredet hat?
Trump ist mit deutlicher Mehrheit gewählt. So ist das in einer Demokratie. Doch Mehrheiten alleine reichen nicht. Eine Demokratie braucht auch ein moralisches Fundament, braucht Werte wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden. Ihre Führer brauchen Würde und Anstand. Papst Leo XIV. und König Charles III. erinnern uns in diesen Tagen an diese Werte. Weil manche demokratisch gewählten Anführer sie vergessen haben.
Der Autor
Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
