Vatikan veröffentlicht Absage an deutsche Bischöfe zu Segensfeiern

In der Debatte um förmliche Segensfeiern für homosexuelle Paare will der Vatikan offenbar für klare Verhältnisse sorgen. Am Montag stellte das Glaubensdikasterium einen bisher nicht veröffentlichten Brief vom 18. November 2024 ins Netz. Darin hatte der Präfekt des Dikasteriums, Kardinal Víctor Fernández, den deutschen Bischöfen erläutert, warum der Vatikan deren Vorstoß für förmliche Segnungsfeiern für homosexuelle Paare ablehnt. Der Brief ist an den für Liturgiefragen zuständigen Trierer Bischof Stephan Ackermann gerichtet. In Deutschland hatte die Zeitschrift "Communio" bereits daraus zitiert.
Damit nimmt die Debatte eine neue Wendung zwischen Rom und denjenigen deutschen Bischöfen, die eine feierliche Segnung homosexueller und anderer Paare befürworten, die nicht kirchlich heiraten dürfen. Dazu gehören auch Paare, die nach einer Scheidung zivil erneut heiraten. Zuletzt hatte am 23. April Papst Leo XIV. auf die entsprechende Frage einer Journalistin geantwortet, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen mitgeteilt, dass man solche offiziellen Segnungsfeiern ablehne.
Daraufhin hatten einige Bischöfe, unter ihnen der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing (Limburg), erklärt, sie wollten dennoch daran festhalten. Derzeit gibt es in der katholischen Kirche in Deutschland bei diesem Thema eine Art Flickenteppich: Einige Bischöfe haben feierliche Segnungen offiziell eingeführt, andere dulden sie stillschweigend, wieder andere genehmigen sie nicht.
Was stört den Vatikan an den Segensfeiern?
Der entscheidende Knackpunkt in der Debatte ist, dass die Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) eine Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" verabschiedet hat, in der offizielle Segensfeiern vorgesehen sind für homosexuelle Paare und Paare, die nach einer Scheidung wieder zivil verheiratet sind. Der Vatikan dagegen hatte zwar im Dezember 2023 das bahnbrechende Schreiben "Fiducia Supplicans" veröffentlicht. Darin hatte Fernández das strikte Nein zur Segnung homosexueller Paare aufgeweicht und Seelsorgern die Möglichkeit eingeräumt, Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu segnen.
Allerdings hatte er – auch nach Protesten vor allem aus afrikanischen Ländern – immer wieder betont, dass es sich maximal um eine beiläufige und eher spontane Segnung handeln dürfe. Es dürfe aber keine offiziellen Feiern in einem gottesdienstlichen Rahmen geben, die den Anschein einer kirchlichen Trauung vermitteln könnten. Diese Argumente hat der Präfekt des Glaubensdikasteriums auch in dem jetzt nachlesbaren Schreiben an Bischof Ackermann ausführlich dargelegt. (KNA)