Standpunkt

Es braucht ein Umdenken bei Leitung in der Kirche

Veröffentlicht am 06.05.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Brüwer – Lesedauer: 

Bonn ‐ Bei einer Diakonenweihe warnte Bischof Bertram Meier jüngst vor Machtmissbrauch. Es brauche ein Umdenken beim Leitungsverständnis in der Kirche, meint Christoph Brüwer. Sonst drohten auch Berufungen verloren zu gehen.

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Der Mangel an Priestern und Berufungen generell wird schon in absehbarer Zeit dafür sorgen, dass nahezu alle Geweihten künftig Leitungsaufgaben wahrnehmen müssen. "Der Weg ist also vorgezeichnet vom Diakon zum Dienstvorgesetzten", sagte der Augsburger Bischof Bertram Meier bei der Weihe von vier Diakonen am Wochenende. Dem Dienst werde damit buchstäblich etwas "vorgesetzt": "Machtmissbrauch scheint fast vorprogrammiert", warnte der Bischof.

Macht ist in der Kirche nahezu ausschließlich an die Weihe geknüpft. Kritik und Kontrolle sind damit nur schwer möglich. Ein Punkt, auf den nicht zuletzt der Synodale Weg der Kirche in Deutschland hingewiesen hat, etwa im Grundtext "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche".

Umgekehrt schreckt die bevorstehende Übernahme von Leitungs- und Verwaltungsaufgaben auch junge Priesteranwärter zurück: "Im Gespräch mit vielen Seminaristen höre ich heraus, dass man sich eigentlich nicht in dieser Rolle sieht und auch kein Manager werden möchte", sagte jüngst etwa der Vorsitzende der Deutschen Seminarsprecherkonferenz, Jan Lierz, im katholisch.de-Interview. Kern ihrer Berufung sei der seelsorgliche Einsatz, die Verkündigung des Evangeliums, das Spenden der Sakramente.

Damit dafür auch künftig ausreichend Zeit bleibt, ist das Aufteilen von Leitungsaufgaben unerlässlich. Schon heute gibt es Experimente mit Leitungsmodellen auf unterschiedlichen Ebenen in der Kirche in Deutschland. Doch handelt es sich hierbei eher um kirchenrechtliche Schlupflöcher als um gleichberechtigte Leitungsformen. So stellte der Vatikan 2020 zuletzt fest, dass Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen sind.

Es braucht hier also dringend ein Umdenken in der Kirche – und ein Anerkennen, dass das Festhalten vom Geistlichen als Alleinentscheider an der Spitze Risiken birgt und längst nicht überall der Realität entspricht. Eine synodale Arbeitsbeschreibung kann am Ende sogar dafür sorgen, dass Bischöfe, Priester und Diakone ihr Amt künftig so ausüben können, wie sie von Gott dazu gerufen wurden.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.