Nach neuen verbalen Attacken

Kurienkardinal: Trump-Angriffe auf Papst Leo "wahnhaft"

Veröffentlicht am 06.05.2026 um 12:30 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ US-Präsident Donald Trump greift erneut den Papst an und wirft ihm vor, Menschen in Gefahr zu bringen. Nun widerspricht Kardinal Marcello Semeraro dem US-Präsidenten deutlich – und kritisiert seine Regierung scharf.

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Kurienkardinal Marcello Semeraro weist den jüngsten Verbalangriff von US-Präsident Donald Trump auf den Papst zurück. "Es kommt mir wie ein Wahn vor", sagte Semeraro, Präfekt des Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, der italienischen Zeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Zugleich hoffe er, dass sich US-Außenminister Marco Rubio, der am Donnerstag von Papst Leo XIV. empfangen wird, von Trumps Angriffen distanzieren werde. 

Trump warf dem Papst erneut vor, mit seinen Positionen viele Katholiken und Menschen weltweit zu gefährden sowie den Besitz iranischer Atomwaffen zu billigen. Die jüngste Verbalattacke Trumps reiht sich in eine Serie von Angriffen auf das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken ein. Leo XIV. reagierte darauf am Dienstagabend mit den Worten: "Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, soll er das mit der Wahrheit tun." Semeraro erklärte diesbezüglich, er fordere jeden heraus, nicht nur im Lehramt von Papst Leo, sondern auch in dem seiner Vorgänger das zu finden, was Trump behaupte. 

"Es erscheint mir wie ein Wahn"

Über den US-Präsidenten und dessen Vizepräsidenten J.D. Vance sagte der Kurienkardinal, ihre Aussagen hätten einen "wahnhaften Charakter". Der Papst steige nicht in Debatten ein, sondern erfülle lediglich seine Aufgabe, das Evangelium zu verkünden. "Das, was er sagt, anders zu interpretieren, bedeutet, die Realität nicht wahrzunehmen. Ich bin kein Psychologe, aber es erscheint mir wie ein Wahn", so Semeraro weiter.  

Was er vom Treffen zwischen Rubio und dem Papst erwarte, erklärte Semeraro mit Verweis auf die erste Enzyklika Pauls VI., Ecclesiam suam (dt. "Seine Kirche"): Die Kirche mache sich zum Dialog und sie "streitet nicht, um Recht zu behalten, sondern sie führt Dialog. Und wenn jetzt die Möglichkeit eines Dialogs besteht, dann soll dieser Dialog willkommen sein". Zugleich betonte der Kardinal: "Aber in einem offenen Dialog sagt man nicht, dass der andere aus dem Verkehr gezogen werden müsse; man verwendet eine möglichst korrekte Sprache. Was erleben wir derzeit denn – Szenen des Dialogs oder Szenen mit Versprechen von Zerstörung und der Ausschaltung all jener, die nicht so denken wie ich?" (mtr)