Rücktritts-Attacke auf Kardinal endet mit Rüge für Priester
Mit einem Brief in scharfem Ton forderte ein polnischer Priester den Krakauer Erzbischof Kardinal Grzegorz Ryś (Foto oben) zum Rücktritt auf. Die Offenheit des Kardinals gegenüber queeren Katholiken, Migranten und Laien-Kommunionhelfern sei für den Geistlichen nicht akzeptabel. Ryś bezeichnete er darin als "Kollaborateur von Regenbogenkatholiken". Wie polnische Medien am Donnerstag berichteten, distanzierte sich das ostpolnische Bistum Drohiczyn nun von den Äußerungen ihres Diözesanpriesters. Der Geistliche habe mit seinem Brief gegen die Grundsätze des Dekrets der Polnischen Bischofskonferenz zum Auftreten von Klerikern und Ordensleuten in den Medien verstoßen. Bei einem Gespräch mit dem Bischof von Drohiczyn wurde er deshalb gerügt. Zugleich untersagte ihm der Bischof, künftig ähnliche Inhalte zu veröffentlichen.
Die Polnische Bischofskonferenz hatte 2023 Vorschriften für Medienauftritte und die Nutzung sozialer Medien durch Geistliche und Laien erlassen. Ziel der Regelungen sei es, die Botschaft des Evangeliums in den sozialen Kommunikationsmitteln ordnungsgemäß weiterzugeben. Kleriker, Ordensleute und Laien in kirchlichen Ämtern seien verpflichtet, in Medien und sozialen Netzwerken im Einklang mit der Kirchenlehre, umsichtig und nicht polarisierend aufzutreten.
Bei dem Geistlichen handelt es sich um Beniamin Sęktas. Berichten zufolge ist der Kleriker nicht nur in der Seelsorge seines Bistums Drohiczyn tätig, sondern widmet sich auch der Literatur. Er veröffentlicht Gedichte und hat bereits einen Gedichtband herausgegeben. Der 2020 zum Priester geweihte Sęktas soll in den vergangenen Jahren zudem journalistisch gearbeitet haben. Seine Artikel erscheinen auf konservativen Internetportalen und enthalten oft kritische Positionen gegenüber einigen polnischen Bischöfen. Kritisiert hatte er zudem das von Papst Franziskus 2023 genehmigte Dokument "Fiducia supplicans", dass die Segnungen Homosexueller außerhalb der Liturgie erlaubt. Diese Praxis bezeichnete der Geistliche mehrfach als "schädlich". (mtr)
