Bischof Neymeyr befremdet über katholische Trump- und AfD-Wähler

Katholische Wähler von US-Präsident Trump oder der AfD stoßen beim Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr auf Unverständnis. "Ich will nicht auf einen starken Mann oder eine starke Frau vertrauen müssen, die alles richten soll. Die Welt wird zurzeit von starken Männern regiert, die nur ihre Interessen sehen", sagte er am Donnerstag laut Manuskript bei der Männerwallfahrt des Bistums Erfurt zur Wallfahrtskirche Klüschen Hagis im Eichsfeld. Er vertraue nicht auf eine Ideologie, weder von links noch von rechts.
Neymeyr sagte, es befremde ihn, dass so viele US-Katholiken Donald Trump gewählt haben oder dass die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche Wladimir Putin unterstützt. Und: "Ich kann nicht verstehen, dass mehr als 30 Prozent der Eichsfelder 2024 eine Partei gewählt haben, die ein völkisch-nationalistisches Weltbild verkauft, ohne noch groß zu verstecken, aus welcher Geschichte es kommt; und die den Menschen einredet: Alles ist schlecht." Das Eichsfeld ist die katholische Hochburg in Thüringen. Ansonsten sind Christen im Freistaat eine Minderheit.
Alles ist schlecht? – Undankbar!
Der Bischof mahnt: "Wir dürfen uns nicht einreden lassen, alles sei schlecht. Das ist Undankbarkeit." Die Menschen lebten in nie gekanntem Wohlstand. Natürlich gebe es Probleme, etwa mit Blick auf vernachlässigte Infrastruktur und ländliche Räume, den Umgang mit straffällig gewordenen Migranten und hohen Unterrichtsausfall. "Aber diese Probleme sind lösbar. Wir klagen auf hohem Niveau."
Neymeyr hob hervor: "Gott ist für mich die Quelle meiner Hoffnung – so wie es im Leitwort der diesjährigen Männerwallfahrt heißt: In der Hoffnung leben, auch wenn die Welt wankt." Gott traue er zu, die Dinge zum Guten zu führen, nicht nur im persönlichen Leben, sondern auch in der Welt. An der Männerwallfahrt des Bistums, die seit 1957 immer an Christi Himmelfahrt im Klüschen Hagis stattfindet, nehmen alljährlich mehrere tausend Menschen teil. (KNA)