AfD und Kultur – und die Kommunikation, die nicht funktioniert

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Ein kurzer Ausschnitt aus dem Wahlprogramm der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:
"Die AfD-Sachsen-Anhalt wird diese Identitätsstörung durch eine neue, patriotische Kulturpolitik heilen. Die Kulturpolitik muss den Deutschen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben. Wir werden durch gezielte Maßnahmen und Bezugnahmen auf die guten Seiten der deutschen Geschichte eine unverkrampfte und auf gesunde Weise selbstbewusste deutsche Identität fördern. Dies ist die entscheidende Voraussetzung für eine patriotische Wende auf allen Gebieten, auch und insbesondere dafür, dass wir die infolge der ungezügelten Masseneinwanderung der letzten Jahrzehnte entstandenen Integrationsprobleme meistern (...)"
"Patriotische Kulturpolitik", "deutsche Identität" werden im weiteren Text konkretisiert: "linke" oder grüne Bildungsarbeit – auch die kirchliche – wird finanziell ausgetrocknet; Theater und Museen werden national frisiert; Denkmäler für gefallene Soldaten sollen ausgebaut werden, weil diese angeblich Deutschland verteidigt haben – kein Wort von der deutschen Aggression in den beiden Weltkriegen; Bauhaus-Gebäude sollen zerstört werden zugunsten historistischer Bauten; usw. Weil "Kultur" ja Länderhoheit ist, wird eine AfD-Landesregierung in diesen Feldern schnell zuschlagen können. Was dabei "deutsch" meint, bleibt übrigens reichlich unklar; "internationalistisch" ist das Schimpfwort.
Die AfD legt hier die Axt an die Fundamente unseres Zusammenlebens. Dass man die Kirchensteuer abschaffen will, ist – vor allem für die armen Bistümer im Osten – schlimm genug. Das hier geht noch viel tiefer. Dieses Programm ist nicht christlich, denn zum Christsein gehört wesentlich Gastfreundschaft, kulturelle Offenheit, internationale Solidarität, Einsatz für Arme und Vertriebene, Bewahrung der Schöpfung… Die AfD rettet nicht, wie sie behauptet, das "christliche Abendland", sondern sie zerstört es.
Warum verstehen die Menschen das nicht? Warum wählen sie die AfD? Wahrnehmungen sind verzerrt. Aber auch die Kommunikation funktioniert nicht: die der demokratischen Parteien, die der Kirchen, die von uns Christen.
Der Autor
Pater Stefan Kiechle SJ ist seit 2018 Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zuvor leitete er sieben Jahre die Deutsche Provinz des Jesuitenordens.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.