Eichstätter Finanzprozess: Ex-Kirchenmitarbeiter gesteht
Im Strafprozess zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt hat ein Angeklagter dem Verständigungsvorschlag des Gerichts zugestimmt. Er legte dafür am Donnerstag im Landgericht München II das geforderte Teilgeständnis ab. Der frühere leitende Mitarbeiter der Finanzkammer des Bistums räumte ein, Bestechungsgeld angenommen und dieses nicht versteuert zu haben.
Sein mitangeklagter damaliger Geschäftspartner ließ sich erneut zu dem Deal nicht ein. Nach den Worten des Vorsitzenden Richters könnte dazu am 9. Juni, dem nächsten Verhandlungstag, die letzte Gelegenheit sein. Bis zu diesem Termin fühle sich seine Kammer an den Deal gebunden.
Bewährungsstrafen angeboten
Dieser besteht im Kern aus einer für zwei Jahre ausgesetzten Bewährungsstrafe. Sollte es in dieser Zeit zu einem Verstoß gegen Auflagen kommen, droht Haft. Für beide Angeklagten stehen jeweils ein Jahr und vier bis acht Monate Gefängnis im Raum. Diese müssen im Gegenzug jeweils unterschiedlich ausgeprägte Teilgeständnisse ablegen.
Die Männer sorgten maßgeblich dafür, dass das Bistum Eichstätt zwischen 2014 und 2016 fast 60 Millionen US-Dollar aus seinem Vermögen in riskante Darlehen steckte. Mit dem Geld sollten vorwiegend für Gewerbetreibende interessante Grundstücke in Texas und Florida erschlossen, bebaut und gewinnbringend weiterverkauft werden.
Das Teilgeständnis des Ex-Kirchenmitarbeiters wurde von dessen Anwalt verlesen. Demnach war seinem Mandanten bewusst, dass ihm der Mitangeklagte Zahlungen angeboten habe, damit dessen Finanzprodukte bei der Anlage von Bistumsvermögen bevorzugt würden.
Ex-Finanzdirektor des Bistums Eichstätt: "Wir haben nicht gezockt"
Im Prozess zum Eichstätter Finanzskandal wird der damalige Abteilungsleiter in der Bistumsverwaltung vernommen. Er ist ein Schlüsselzeuge. Doch seine Aussage liefert kaum Anhaltspunkte für die angeklagten Vorwürfe
Auf Nachfrage des Richters gab der Ex-Kirchenmitarbeiter an, Geldgier sei für ihn kein Motiv gewesen. Er habe auch nicht das Gefühl gehabt, vom Bistum zu schlecht bezahlt worden zu sein. Er sei einfach mit dem Mitangeklagten schon lange freundschaftlich verbunden und habe die von ihm vermittelten Projektfinanzierungen in den USA als einzigartiges und erfolgversprechendes Investment betrachtet.
Zur Frage, warum er diese Zusatzeinnahmen dem Fiskus verschwiegen habe, sagte der 60-Jährige, er habe damals gedacht, dass die Steuerfragen in den USA erledigt worden seien. Er habe aber auch gesehen, dass damit "mindestens ein arbeitsrechtliches Problem" verbunden sei.
Steuerschuld wird abgestottert
Der Theologe und Ex-Mönch hatte die Einnahmen auch gegenüber seinem kirchlichen Arbeitgeber nicht offengelegt. Seine Steuerschuld in Höhe von fast 300.000 Euro stottert er aber inzwischen in Raten ab. Vorhandenes Vermögen hat das Gericht beschlagnahmt.
Der Angeklagte verdient heute seinen Lebensunterhalt als Dienstleister für eine Anwaltskanzlei und eine Rechtsschutzversicherung. Die monatlichen Bruttoeinkünfte betragen nach seinen Worten 7.000 Euro. Für den Finanzmarkt sei er "verbrannt".
Mit der katholischen Kirche fühle er sich weiterhin verbunden, auch wenn er inzwischen aus der Körperschaft ausgetreten sei. Seit zwei Jahren sei er in dritter Ehe mit einer Konzertpianistin verheiratet, er wohne mit ihr zur Miete in Unterfranken. Mit seinen beiden noch minderjährigen Töchtern aus zweiter Ehe und deren Mutter habe er einen guten Umgang. (KNA)
