Mexikanerin übernimmt ab November

Eine neue Präfektin im Vatikan: Die Medienchefin des Papstes

Veröffentlicht am 03.06.2026 um 09:40 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Im Zuge der Kurienreform wurde das Dikasterium für Kommunikation errichtet. Damals setzte Franziskus einen Laien an dessen Spitze. Nach fast acht Jahren nun der Personalwechsel – mit Signalwirkung und offenen Fragen.

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Das vatikanische Kommunikationsdikasterium gehört zu den größten und sichtbarsten Einrichtungen der römischen Kurie. Täglich werden von dort Nachrichten, Fotos, Videos, Podcasts und Live-Übertragungen über Papst, Vatikan und Weltkirche in alle Kontinente verbreitet. Unter ihrem Dach sind heute die verschiedenen Kommunikationskanäle des Heiligen Stuhls gebündelt – von Vatican News und Radio Vatikan über das Presseamt bis hin zur Vatikanzeitung Osservatore Romano, dem Vatikanverlag und der Druckerei. Mit jährlichen Ausgaben von knapp 40 Millionen Euro ist das neben dem diplomatischen Dienst die teuerste Abteilung des Vatikans.

Mit dem 1. November erhält das Kommunikationsdikasterium nun eine neue Leitung. Papst Leo XIV. hat die mexikanische Journalistin und Präsidentin von "EWTN News", Maria Montserrat Alvarado, zur Präfektin ernannt. Sie wird damit nach der italienischen Ordensfrau Simona Brambilla, die Anfang 2025 von Papst Franziskus zur Präfektin des Dikasteriums für die weltweiten Ordensangelegenheiten ernannt wurde, die zweite Frau an der Spitze eines vatikanischen Dikasteriums. Leo XIV. traf die Mexikanerin bereits im vergangenen Jahr im September zu Gesprächen im Vatikan.

Doch einen Schritt zurück: Was die Medienabteilung des Papstes angeht, so ist die heutige Struktur im Zuge der von Papst Franziskus (2013–2025) angestoßenen Reform der Römischen Kurie mit seiner Konstitution "Praedicate Evangelium" entstanden. Damit hatte der Argentinier eine neue Ordnung für seinen Leitungs- und Verwaltungsapparat erlassen. Schon 2015 wurden die zuvor weitgehend eigenständigen vatikanischen Medien schrittweise in eine Abteilung zusammengeführt. Die Bezeichnung als "Dikasterium für Kommunikation" entsprach der neuen Terminologie für die zentralen Dikasterien innerhalb der römischen Kurie.

Nicht frei von Kritik

Diese nahezu neu geschaffene Medienzentrale steuerte seit 2018 der italienische Journalist Paolo Ruffini. Mit seiner Ernennung durch den ehemaligen argentinischen Pontifex wurde erstmals ein Laie, also ein Nicht-Geweihter, Präfekt einer Kurienabteilung. Ruffini, Jurist und langjähriger Journalist, folgte auf den Geistlichen Dario Edoardo Vigano, der nach einer Kontroverse um die Veröffentlichung eines Briefes von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) zurückgetreten war. Zuvor hatte Ruffini unter anderem für die Tageszeitungen "Il Mattino" und "Il Messaggero", den öffentlich-rechtlichen Rundfunk "Rai" sowie den katholischen Fernsehsender "TV2000" gearbeitet.

Während seiner Amtszeit blieb das Dikasterium für Kommunikation aber nicht frei von Kritik. Besonders kontrovers wurde der Umgang mit Werken des slowenischen Geistlichen und Mosaikkünstlers Marko Rupnik diskutiert, gegen den schwerwiegende Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. Noch 2024 verteidigte Ruffini die weitere Verwendung von Rupniks Kunstwerken auf den Internetportalen der Vatikan-Medien mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren gegen den früheren Jesuiten.

Paolo Ruffini, Präfekt des vatikanischen Mediendikasteriums.
Bild: ©Romano Siciliani/Romano Siciliani/KNA

Paolo Ruffini steht seit 2018 an der Spitze des vatikanischen Kommunikationsdikasteriums.

Erst 2025 entfernte die Medienabteilung mit der Wahl Leos XIV. zum Papst nach längerer Debatte verbliebene Rupnik-Abbildungen. Zudem wurde die Abteilung wiederholt wegen handwerklicher Fehler auf ihren digitalen Kanälen kritisiert. Nach der Wahl Leos XIV. hatten insbesondere konservative katholische Blogs und Portale von Pannen berichtet, darunter auch die zeitweise fehlerhafte Wiedergabe des Papstnamens.

Sender nicht unumstritten

Nun also der Wechsel: Auf den langjährigen Kommunikationschef Ruffini folgt die in Mexiko-Stadt geborene Alvarado. Die Politikwissenschaftlerin arbeitete von 2009 bis 2023 für den Becket Fund for Religious Liberty, einer US-Organisation zur Verteidigung der Religionsfreiheit. Seit 2023 leitet sie die Nachrichtensparte des katholischen Mediennetzwerks EWTN. Zu ihrem Verantwortungsbereich gehören internationale Medienplattformen, die Inhalte in sieben Sprachen über Fernsehen, Printmedien, Radio, digitale Medien und soziale Netzwerke produziere. Dazu auch die mehrsprachige Nachrichtenagentur "CNA" sowie die Zeitung "National Catholic Register".

EWTN wurde 1981 von der Ordensfrau Mutter Angelica in den USA gegründet und entwickelte sich nach eigenen Angaben zum weltweit größten katholischen Mediennetzwerk mit einer Reichweite von mehr als 200 Millionen Haushalten. Das Unternehmen betreibt Fernseh-, Radio- und Onlineangebote in mehreren Sprachen und ist seit Jahren auch im deutschsprachigen Raum präsent – mit kirchenpolitisch klar konservativem Profil.

Doch während des Pontifikats von Papst Franziskus war EWTN nicht unumstritten. Der Sender bot wiederholt prominenten Kritikern des damaligen argentinischen Kirchenoberhaupts eine Plattform, darunter den Kardinälen Raymond Leo Burke und Gerhard Ludwig Müller sowie dem inzwischen exkommunizierten Erzbischof und Papst-Botschafter Carlo Maria Viganò. Auch der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon bekam dort eine Bühne.

Franziskus' Unmut

Medienberichten zufolge äußerte Franziskus damals mehrfach seinen Unmut über die Berichterstattung des Senders. Das Jesuitenmagazin "America" etwa berichtete im Jahr 2021, der Papst habe EWTN-Mitarbeiter aufgefordert, ihn nicht länger schlecht zu machen. Bei einem Treffen im selben Jahr mit slowakischen Jesuiten soll er einem "großen katholischen Sender" – scheinbar war von EWTN die Rede – sogar als "Werk des Teufels" bezeichnet haben.

Bild: ©Lola Gomez/CNS photo/KNA

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatte 2022 in einer Rede während eines Empfangs des Senders in der Nähe von Rom aufgefordert, dass ein weltweites Nachrichtenportal wie EWTN, Verbindungen und Dialog schaffen und Konflikte schlichten sollte.

Auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatte 2022 in einer Rede während eines Empfangs des Senders in der Nähe von Rom aufgefordert, dass ein weltweites Nachrichtenportal wie EWTN, Verbindungen und Dialog schaffen und Konflikte schlichten sollte. Wörtlich Parolin damals: "Medien dürfen nicht darauf abzielen, Hass zu verbreiten, sondern müssen vielmehr eine nicht feindselige Kommunikation fördern, gerade, wenn sie ihre katholische Identität herausstellen."

Vor diesem Hintergrund ist die Ernennung Alvarados zur neuen Präfektin der Kommunikationsabteilung auch kirchenpolitisch bemerkenswert. Mit ihr holt Leo XIV. eine Leitungsperson aus einem Medienunternehmen an die Spitze des Dikasteriums, das während des Pontifikats von Franziskus nicht selten kritisch über den Papst und den Vatikan berichtete. Die Personalentscheidung könnte darauf hindeuten, dass Leo XIV. unterschiedliche Positionen innerhalb der Kirche stärker berücksichtigen und zusammenführen möchte. Ob die Rechnung aufgehen wird, bleibt abzuwarten.

Von Mario Trifunovic