Neuer Papst-Botschafter in Berlin im Amt

Das sind die Aufgaben eines Apostolischen Nuntius

Das sind die Aufgaben eines Apostolischen Nuntius
Bild: Deutsche Bischofskonferenz/Maximilian von Lachner

Bereits Mitte Juni kam er in Berlin an – doch erst jetzt, nach der Übergabe seines Beglaubigungsschreibens an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Donnerstag, hat Erzbischof Hubertus van Megen offiziell seine Amtsgeschäfte als neuer Apostolischer Nuntius in Deutschland aufgenommen. Damit hat die Nuntiatur im Ortsteil Kreuzberg gut drei Monate nach dem altersbedingten Rücktritt von Erzbischof Nicola Eterovic wieder einen Hausherren. Als Botschafter des Heiligen Stuhls und wichtigster Vertreter von Papst Leo XIV. in Deutschland ist van Megen ab sofort qua Amt ein wichtiger Faktor in der deutschen Ortskirche und das zentrale Bindeglied zum Vatikan und zur Weltkirche sein.

Welche Befugnisse hat ein Nuntius?

Doch was genau werden van Megens Aufgaben als Apostolischer Nuntius sein? Welche Befugnisse hat er gegenüber der deutschen Ortskirche und den Bischöfen? Und was sind seine Pflichten gegenüber dem Papst und dem Vatikan? Auskunft darüber gibt der Codex Iuris Canonici (CIC), das kirchliche Gesetzbuch. Darin – genauer im Kapitel "Gesandte des Papstes" mit den Canones 362 bis 367 –  sind detailliert die Rechte und Pflichten der päpstlichen Gesandten aufgelistet.

Bild: © Henning Klingen / Kathpress (Archivbild)

Im Codex Iuris Canonici (CIC), dem Kodex des kanonischen Rechtes, sind detailliert die Rechte und Pflichten der Nuntien aufgelistet.

Zunächst wird im CIC erläutert, dass der jeweilige Papst "das angeborene und unabhängige Recht" hat, Gesandte zu ernennen und diese in die "Teilkirchen in den verschiedenen Nationen oder Regionen wie auch zugleich zu den Staaten und öffentlichen Autoritäten zu entsenden" sowie sie zu versetzen oder abzuberufen – "allerdings unter Wahrung der Normen des internationalen Rechts, soweit es die Entsendung und Abberufung von Gesandten bei den Staaten betrifft" (c. 362). Diese Formulierung verdeutlicht, dass Nuntien nicht einfach nur Kirchenvertreter in einem anderen Staat, sondern offiziell akkreditierte Botschafter sind, deren Berufung und Abberufung bestimmten diplomatischen Spielregeln unterliegt.

Derzeit unterhält der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen zu 184 Staaten, in denen in der Regel auch Apostolische Nuntien residieren. Deutschland pflegt seit 1920 offizielle Verbindungen zum Heiligen Stuhl; erster Nuntius war Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. (1939–1958). Direkter Vorgänger von van Megen war der aus Kroatien stammende Eterovic, der den Heiligen Stuhl rund 13 Jahre lang in Deutschland vertrat.

"Bande der Einheit" stärken und gestalten

Die im CIC aufgelisteten Aufgaben eines Nuntius betreffen im Wesentlichen zwei Sphären: die kirchliche (c. 364) einerseits und die staatliche (c. 365) andererseits. Mit Blick auf die kirchlichen Aufgaben heißt es zu Beginn beinahe pathetisch: "Hauptaufgabe eines päpstlichen Gesandten ist es, die Bande der Einheit, welche zwischen dem Apostolischen Stuhl und der Teilkirche bestehen, ständig zu stärken und wirksamer zu gestalten." Was das konkret bedeutet, wird danach aufgelistet. Unter anderem soll ein Nuntius den Heiligen Stuhl über die Lage in der Ortskirche "und über alles, was das Leben der Kirche und das Seelenheil betrifft" informieren. Außerdem soll er den Bischöfen der Ortskirche mit Rat und Tat zur Seite stehen, enge Beziehungen mit der Bischofskonferenz pflegen und die Ökumene sowie den Kontakt zu anderen Religionsgemeinschaften fördern.

Eine wichtige Rolle kommt dem Nuntius zudem bei der Ernennung neuer Bischöfe zu. Hierzu heißt es im kirchlichen Gesetzbuch, dass der Gesandte dem Heiligen Stuhl Namen von Kandidaten übermitteln oder vorschlagen und den Informationsprozess über die Kandidaten gemäß den vom Heiligen Stuhl erlassenen Normen durchführen soll. Als kirchenrechtliche Besonderheit kommen in Deutschland die vier geltenden Konkordate hinzu, die das Prozedere der Bischofswahl jeweils im Detail unterschiedlich regeln.

Bild: © picture alliance / Rolf Kremming (Archivbild)

Der Eingang zur Apostolischen Nuntiatur in Berlin, der neuen Wirkungsstätte von Erzbischof Hubertus van Megen.

Mit Blick auf die staatliche Sphäre hat der Nuntius vor allem zwei Aufgaben: Er soll einerseits das Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und dem jeweiligen Staat fördern und pflegen – etwa durch regelmäßige Kontakte mit den obersten Repräsentanten des Staats – und andererseits Fragen behandeln, die die Beziehungen zwischen Kirche und Staat betreffen. Dies kann die Beschäftigung mit Konkordaten und ähnlichen Verträgen beinhalten, wie sie die Kirche bis heute regelmäßig mit Staaten abschließt. In vielen Staaten der Welt – darunter auch in Deutschland – ist der Apostolische Nuntius zudem Doyen des Diplomatischen Corps. Als "primus inter pares" (Erster unter Gleichen) aller in einem Staat akkreditierten Diplomaten kommen ihm damit ein zeremonielles Vorrecht sowie die Aufgabe zu, bei Konflikten innerhalb des Diplomatischen Corps zu vermitteln.

Wie wird Erzbischof van Megen seine Rolle interpretieren?

Wie es sich für Diplomaten gehört, sind auch die Nuntien in der Regel sehr verschwiegen. Von ihrer Kommunikation mit dem Vatikan oder den Bischöfen der Ortskirche dringt nur selten etwas nach draußen. In Deutschland erregt der Nuntius meist lediglich zu zwei Terminen größere öffentliche Aufmerksamkeit – zu den Vollversammlungen der Bischofskonferenz im Frühjahr und im Herbst, an denen er traditionell als Gast teilnimmt. Bei dieser Gelegenheit wendet er sich stets mit einem Grußwort an die versammelten Bischöfe. Dass es sich dabei nicht bloß um Sonntagsreden handelt, zeigte sich vor allem in der Ära Eterovic. Ein ums andere Mal redete dieser den Bischöfen dabei streng ins Gewissen, indem er die Bischöfe etwa mit Blick auf den im Vatikan umstrittenen Synodalen Weg unmissverständlich dazu aufrief, die Einheit der Kirche zu wahren und den Weisungen des Papstes zu folgen.

Wie Hubertus van Megen seine Rolle als Nuntius gerade gegenüber den Bischöfen interpretieren wird, bleibt einstweilen abzuwarten. Dass er sich als Vertreter des Papstes und seiner Positionen einerseits und Vermittler zwischen Rom und der Ortskirche andererseits mitunter in einem Spannungsfeld bewegt, hat er im vergangenen Sommer – damals noch als Nuntius in Kenia – aber bereits selbst beschrieben: "Dass es dann auch eine Spannung gibt zwischen dem, was der Papst sagt und was in einer Lokalkirche geschieht, ist manchmal auch schwierig", so der Erzbischof in einem Interview mit "Vatican News". Und weiter: "Aber dazu ist man dann auch Diplomat, um da zwischendurch zu manövrieren und ein Brückenbauer zu sein zwischen diesen zwei Realitäten – der Realität des Vatikans und der Universalkirche und der Realität der lokalen Kirche."

Steffen Zimmermann