Gebetskreis von WM-Spielern sorgte für Aufsehen

Islamischer Theologe fordert interreligiöses Gebet nach Abpfiff

Veröffentlicht am 18.06.2026 um 14:05 Uhr – Lesedauer: 

Wien/Münster ‐ Nach dem Abpfiff geht es oft um mehr als Fußball. Spieler wollen Werte wie Frieden und Dankbarkeit zeigen. Welchen nächsten Schritt sich der Theologe Mouhanad Khorchide jetzt wünscht.

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Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide wünscht sich als "nächste, mutige Geste" ein interreligiöses Gebet nach dem Abpfiff. In einem Kreis, in dem Christen und Muslime gemeinsam beten, müssten die Fußballer nicht alle dieselben Worte sprechen, führt der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Uni Münster in einem Meinungsbeitrag in der aktuellen Ausgabe der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche" aus. "Gemeinsam vor dem einen Gott zu stehen, dem Gott Abrahams, wäre ein Bild, das weit über den Platz hinausstrahlen würde", betont Khorchide. So könnte Religion zeigen, wozu sie eigentlich da sei: "Menschen zusammenzuführen, nicht voneinander zu trennen."

Beim Anblick der gemeinsam betenden Fußballer gegnerischer Mannschaften nach dem ersten Deutschlandspiel der WM sei ihm das Herz aufgegangen, so der Theologe. Und weiter: "Hier zeigte sich, was Glaube im besten Sinn vermag: über Mannschaftsfarben, Nationen und Niederlagen hinweg an etwas Größeres zu erinnern, das alle umfängt."

Fußballer: Mit Gebet Werte vermitteln

Derweil verkündete Deutschlands Fußballnationalspieler Jonathan Tah (30), er wolle auch in der Zukunft nach Fußballspielen mit seinem Teamkollegen Felix Nmecha und anderen Profis beten. Im Interview mit Magenta TV sagte der Bayern-Profi, er sehe das gemeinsame Gebet als ein schönes Zeichen dafür, dass es um mehr gehe als Fußball. "Es geht um Liebe, es geht um Nächstenliebe, es geht um Frieden, Dankbarkeit. Das sind die Werte, die wir nach außen vermitteln wollen."

Auf Initiative von Nmecha hatten der 25-Jährige, Tah und Gegenspieler nach dem 7:1 beim WM-Auftakt des DFB-Teams gegen Curaçao einen Gebetskreis auf dem Platz gebildet. Tah sagte dazu, es habe auch schon nach dem Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft gegen die USA am 6. Juni ein gemeinsames Gebet gegeben. DFB-Spieler Antonio Rüdiger verteidigte das gemeinsame Gebet. "Ich sehe nichts Falsches daran", sagte er. "Wir leben in einem Land, wir reden von Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit. Also sehe ich kein Problem darin."

Oster: "Sehr schöne Geste"

Nmecha hatte zum Gebet nach dem Spiel gegen Curaçao in der ARD erklärt: "Wir sind im Spiel Gegner. Nach dem Spiel sind wir alle Christen und wir sind Brüder, und dann haben wir einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht." Öffentliche religiöse Bekenntnisse von Fußballstars sind in anderen Ländern durchaus üblich. Nmechas Social-Media-Posts hatten allerdings in der Vergangenheit mehrfach auch Kritik ausgelöst. Kritiker warfen ihm vor, er habe Inhalte geteilt und gelikt, die als homophob und transphob gewertet werden könnten.

Der deutsche Sportbischof Stefan Oster lobte das gemeinsame Gebet und sprach von einer "bemerkenswerten und sehr schönen Geste". Dass Spieler gegnerischer Mannschaften nach dem Spiel gemeinsam so einen Kreis bildeten, mache deutlich: "Uns verbindet mehr, als uns trennt. Wir haben gemeinsam Freude am Fußball." (KNA)