30. Jahrestag der Seligsprechung

Postulator: Das ist der Stand bei der Lichtenberg-Heiligsprechung

Veröffentlicht am 23.06.2026 um 09:05 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Berlin ‐ Vor 30 Jahren wurde Bernhard Lichtenberg seliggesprochen. Im Interview spricht Diözesan-Postulator Gotthard Klein über die Bedeutung des NS-Gegners für das Erzbistum Berlin und den Stand des Heiligsprechungsverfahrens.

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Am 23. Juni 1996 sprach Papst Johannes Paul II. (1978–2005) den Berliner Dompropst und NS-Gegner Bernhard Lichtenberg im Olympiastadion der deutschen Haupstadt selig, seit 2012 wird der Prozess für dessen Heiligsprechung vorbereitet. Zum 30. Jahrestag der Seligsprechung spricht der im Erzbistum Berlin mit der Causa Lichtenberg betraute Diözesan-Postulator Gotthard Klein im katholisch.de-Interview über die bleibende Bedeutung des Geistlichen für die Erzdiözese, sein Wirken und dessen Relevanz in der heutigen Zeit sowie den aktuellen Stand des Heiligsprechungsverfahrens.

Frage: Herr Klein, an diesem Dienstag jährt sich die Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg zum 30. Mal. Welche Bedeutung haben Lichtenberg und seine Seligsprechung heute noch für das Erzbistum Berlin?

Klein: Die Bedeutung Bernhard Lichtenbergs und seiner Seligsprechung für das Erzbistum Berlin ist nicht hoch genug einzuschätzen. Lichtenberg ist der erste Seliggesprochene aus dem Erzbistum. Zudem war er der erste deutsche Weltpriester, der als Märtyrer unter Hitlers Terror in das Gedächtnis der Kirche eingeschrieben wurde. Der emeritierte Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nannte ihn eine "bärenstarke Lichtgestalt" in den dunkelsten Tagen Berlins und Berlins Weihbischof Matthias Heinrich sprach von einem "Märtyrer der Menschenrechte".

Frage: Wie würden Sie Lichtenbergs Wirken aus heutiger Sicht beschreiben?

Klein: Als leidenschaftlicher Priester war Lichtenberg unermüdlich und unerschrocken in Seelsorge und Caritas tätig. Als Kaplan, Kirchenbauer, Pfarrer und schließlich Dompropst gehört er zur Pioniergeneration des Berliner Bistums. Im Einsatz für seine Mitmenschen erlitt er 1943 das Martyrium. Das ist bis heute nicht vergessen. Das Erzbistum begeht ja nicht nur den Gedenktag seiner Seligsprechung. Es veranstaltet jedes Jahr an seinem Todestag am 5. November eine eigene Wallfahrt. Neun Tage lang wird dann an seinem Grab eine Novene um seine Fürsprache und um seine Heiligsprechung gebetet. An den Teilnehmerzahlen läßt sich jeweils seine aktuelle Bedeutung für das Erzbistum ablesen.

Bild: ©KNA (Archivbild)

Papst Johannes Paul II. sprach Bernhard Lichtenberg am 23. Juni 1996 im Berliner Olympiastadion selig.

Frage: Lichtenberg wird vor allem als mutiger Gegner des Nationalsozialismus erinnert. Welcher Aspekt seines Lebens und Wirkens ist aus Ihrer Sicht für Kirche und Gesellschaft heute besonders aktuell?

Klein: Besonders aktuell ist seine klare Haltung als "Verteidiger der Menschlichkeit". So bezeichnete ihn auch die Gedenkbriefmarke des Bundesfinanzministeriums im vergangenen Jahr. Konkret zeigte sich das vor allem in seinem Einsatz für den Lebensschutz. Lichtenberg engagierte sich bereits in den Weimarer Jahren für das Lebensrecht Ungeborener. Und während des Nationalsozialismus protestierte er gegen die Euthanasie-Morde an Kranken und Behinderten. Auch heute kann er uns ein Wegweiser bei der politischen Gewissensbildung sein.

Frage: 2012 wurde das Heiligsprechungsverfahren für Lichtenberg eröffnet, bei dem Sie der zuständige Postulator sind. Wie ist der aktuelle Stand des Verfahrens?

Klein: Derzeit sammeln wir weitere Mitteilungen über Gnadenerweise und Hilfen, die der Fürsprache des Seligen Bernhard Lichtenberg zugeschrieben werden. Ideal wäre für das Verfahren der Nachweis einer Wunderheilung. Das ist der aktuelle Stand des Verfahrens.

Frage: Haben Sie eine Vorstellung, wann das Verfahren abgeschlossen werden kann?

Klein: Wenn wir, wie gesagt, eine wunderbare Gebetserhörung nachweisen können. Wann das so weit ist, weiß Gott allein und lässt sich natürlich nicht vorhersagen.

Von Steffen Zimmermann