Ablehnung zentraler Lehraussagen der Kirche

Piusbrüder legen "Glaubenserklärung" als "Dialogangebot" vor

Veröffentlicht am 15.05.2026 um 09:45 Uhr – Von Felix Neumann – Lesedauer: 

Menzingen ‐ Der Konflikt zwischen der Piusbruderschaft und Rom verschärft sich. Nun erklären sie dem Papst ihren Glauben – was als Dialogangebot formuliert ist, ist eine Absage an die Kirche seit dem Zweiten Vatikanum.

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Es sieht aus, als seien die Piusbrüder auf Dialog aus – auf den ersten Blick. Tatsächlich ist das, was die Gemeinschaft nun veröffentlicht hat, nichts anderes als die Bestätigung, dass sie weiterhin alles ablehnen, was das Zweite Vatikanum (1962–1965) aus ihrer Sicht an unzulässigen Neuerungen in die Kirche gebracht hat.

In ihrer "katholischen Glaubenserklärung" an Papst Leo XIV. erklären sie nämlich vor allem eins: Ihren Glauben, den sie für den Glauben der Kirche halten. Das am Donnerstag veröffentlichte Dokument will mit ihrer Erklärung dem Papst "das unverzichtbare Minimum, das erforderlich ist, um in Gemeinschaft mit der Kirche zu stehen, um uns wahrhaft katholisch und folglich Eure Söhne nennen zu können" vorlegen. Die Erklärung stellt sich in mehreren Punkten gegen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und im Lehramt der nachkonzilaren Päpste vertretene Lehraussagen der Kirche.

Die durch den Generaloberen der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani (Foto oben), unterzeichnete Erklärung, geht nur indirekt auf die förmliche Warnung des Glaubenspräfekten Víctor Manuel Fernández ein, die der Vatikan am Mittwoch veröffentlicht hat. Férnandez bekräftigte die Position Roms, dass die von den Piusbrüdern für Juli angekündigten Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat einen schismatischen Akt darstellen. Die Warnung folgte, nachdem die Piusbruderschaft nach einem Treffen Pagliaranis mit Fernández erklärt hatte, dass sie in einem Dialog mit dem Vatikan zu den Konditionen des Vatikans keinen Sinn sähen.

Dissens bei Religionsfreiheit, Menschenrechten und vielem mehr

In der Einleitung zur "katholischen Glaubenserklärung" betont die Gemeinschaft dagegen, dass sie seit 50 Jahren versuche, dem Heiligen Stuhl ihre Gewissenskonflikte "angesichts der Irrtümer" darzulegen, die sie wahrnehmen: "Leider blieben alle geführten Gespräche ergebnislos, und alle geäußerten Bedenken erhielten letztlich keine zufriedenstellende Antwort." Die Piusbruderschaft bedauert, dass "die einzige vom Heiligen Stuhl ernsthaft in Erwägung gezogene Lösung offenbar in kanonischen Sanktionen" bestehe. Sie bedauere, dass das kanonische Recht nicht verwendet werde, um im Glauben zu stärken, "sondern von ihm zu entfernen".

Die "Glaubenserklärung" besteht zum einen aus unstreitigen Lehraussagen der Kirche wie dem Bekenntnis zur Menschwerdung und zum Erlösungshandeln Christi. Zugleich bekräftigt die Piusbruderschaft aber auch ihre Positionen, in denen sie dem Lehramt seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht folgt. An mehreren Stellen wird betont, dass durch das Kreuzesopfer Christi der Alte Bund mit dem Volk Israel aufgehoben worden sei. Das Zweite Vatikanische Konzil spricht dagegen in seiner Erklärung "Nostra Aetate" (1965) nicht davon, dass der Alte Bund aufgehoben sei, und würdigt das Band, "wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist".

Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Glaubensdikasteriums (links), und Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. (rechtsaußen)
Bild: ©Pressebild Dikasterium für die Glaubenslehre

Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Glaubensdikasteriums, und Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X., nach ihrem Gespräch im Februar 2026. Das Gespräch konnte keine Einigung erzielen.

Ebenfalls gegen "Nostra Aetate" richten sich Ausführungen zur absoluten Heilsnotwendigkeit des katholischen Glaubens; die Konzilserklärung hatte betont, dass die Kirche nichts in anderen Religionen ablehnt, "was in diesen Religionen wahr und heilig ist". Nichtchristliche Religionen lassen demnach "nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet".

Die Erklärung betont weiter, dass Maria "unmittelbar und innig dem gesamten Erlösungswerk beigesellt" sei. Wer diese Verbindung leugne, verfälsche den Erlösungsbegriff. Damit weisen sie die Erklärung des Glaubensdikasteriums zur Marienverehrung aus dem vergangenen November zurück.

Der in den Zehn Geboten und in der Bergpredigt "vollendete Sittenkodex" sei allein geeignet, das Seelenheil zu erlangen. Andere Moralkodizes, "beispielsweise einer, der auf der Achtung der Schöpfung oder auf den Rechten der menschlichen Person beruht", seien nicht dazu geeignet. Damit wenden sich die Piusbrüder gegen die Achtung der Menschenrechte, wie sie in der Konzilserklärung zur Religionsfreiheit, "Dignitatis humanae" (1965), und in der Enzyklika "Pacem in terris" (1963) von Johannes XXIII. vertreten wird, und gegen das Lehramt von Papst Franziskus, der unter anderem in seiner Enzyklika "Laudato si" (2015) die Schöpfungsverantwortung betonte.

Gegen Öffnungen bei Segen und Kommunionempfang

Schließlich betont die Erklärung der Piusbruderschaft eine strikte Disziplin im Kommunionempfang und distanziert sich von jeder Form von Segnungen von Paaren in Lebensweisen, die nicht der Lehre der Kirche entsprechen. Solche Verbindungen dürften "weder formell noch informell" gesegnet werden. Damit greift die Erklärung vorsichtige Öffnungen beim Kommunionempfang durch Papst Franziskus und die Segenserklärung "Fiducia supplicans" (2023) auf. Weiter sei der "Laizismus der Institutionen und Nationen eine implizite Leugnung der Gottheit sowie der universellen Königsherrschaft unseres Herrn". Damit wendet sich die Piusbruderschaft gegen die Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" (1965), die eine "Autonomie der irdischen Wirklichkeiten" betonte.

Der Generalobere der Piusbruderschaft hatte Anfang Februar angekündigt, dass die Piusbruderschaft neue Bischöfe weihen will, um ihren Fortbestand zu sichern. Nur mit Bischöfen kann sie neue Diakone und Priester weihen. Von den vier 1988 durch Lefebvre geweihten Bischöfen leben noch zwei. Beide gehen auf das Ende ihres siebten Lebensjahrzehnts zu. Die Weihe von Bischöfen ohne Erlaubnis des Papstes ist eine kanonische Straftat, die mit der Tatstrafe der Exkommunikation für die Spender und Empfänger der Weihen belegt ist.

Nach der Ankündigung der Weihen hatte der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, den Generaloberen der Piusbruderschaft empfangen, um zu einer gemeinsamen Position zu kommen. Das Dialogangebot des Vatikans wurde allerdings kurz darauf durch die Piusbrüder ausgeschlagen. In seiner Begründung schrieb Pagliarani an den Präfekten: "Wir beide wissen im Voraus, dass wir uns auf lehrmäßiger Ebene nicht einigen können, insbesondere bezüglich der grundlegenden Orientierungen, die seit dem II. Vatikanischen Konzil eingeschlagen wurden." Dieser Dissens sei durch die lehrmäßigen und pastoralen Entwicklungen im Laufe der jüngsten Pontifikate noch vertieft worden. Mit der jetzt veröffentlichten "Glaubenserklärung" dürften die Gräben nur noch vertieft worden sein.

Von Felix Neumann