Umstände könnten "tiefe Freude" nicht schmälern

Piusbruderschaft rechtfertigt sich für unerlaubte Bischofsweihen

Veröffentlicht am 01.07.2026 um 18:53 Uhr – Lesedauer: 

Écône ‐ Trotz mehrfacher Warnungen aus Rom, zuletzt von Papst Leo XIV. persönlich, wurden in der Piusbruderschaft vier neue Bischöfe geweiht. Man bedauere die Umstände – die Freude trübe das aber nicht, heißt es aus Écône.

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Die Piusbruderschaft hat sich für ihre unerlaubten Bischofsweihen gerechtfertigt. "Die Priesterbruderschaft bedauert aufrichtig, dass diese Weihen aufgrund der außergewöhnlichen Umstände ohne die Erlaubnis des Heiligen Vaters erteilt werden mussten", heißt in einer Erklärung, die die traditionalistische Gemeinschaft am Mittwochnachmittag im Anschluss an die Weihen veröffentlichte. Für bedauerlich hält sie es auch, dass dem Generaloberen Davide Pagliarani im Vorfeld kein persönliches Treffen mit Papst Leo XIV. gewährt worden sei, "um ihm in kindlicher Verbundenheit die schwerwiegenden Gründe darzulegen, welche diese Zeremonie notwendig machten".

Gleichzeitig betonte die Piusbruderschaft, dass diese Umstände "die tiefe Freude, welche von diesen Bischofsweihen ausgeht", nicht schmälern könnten. "Da das Geschenk dieser vier neuen Bischöfe die notwendigen Mittel zur Bewahrung des heiligen Erbes der Tradition garantiert, stellt es wahrlich eine sehr große Gnade für die Bruderschaft selbst und für die ganze Kirche dar."

Tatstrafe Exkommunikation

In einer mehrstündigen liturgischen Feier wurden am Mittwoch im Schweizer Écône vier neue Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. geweiht. Weihespender waren die Bischöfe Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay; die neuen Bischöfe sind Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier. Die Weihen ohne päpstliches Mandat sind ein schismatischer Akt und ziehen die Exkommunikation als Tatstrafe, das heißt mit Begehen der Tat, für die Spender und Empfänger der Weihe nach sich.

Auf diese Konsequenzen hatte der Präfekt des vatikanischen Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, die Piusbruderschaft Mitte Mai förmlich hingewiesen. Damit kündigte der Vatikan an, bei den anstehenden Weihen wie bei den ersten Bischofsweihen der Piusbruderschaft im Jahr 1988 vorzugehen. Damals hatte der Vatikan im Anschluss die automatisch eingetretene Exkommunikation des Weihespenders und Piusbruderschaft-Gründers Marcel Lefebvre (1905–1991) und der vier von ihm Geweihten bestätigt. Die Feststellung der Exkommunikationen nach den nun erfolgten Bischofsweihen wird in den kommenden Tagen erwartet.

Alle Dialogversuche des Vatikans vor der Weihe waren gescheitert. Das Angebot von Kardinal Fernández, in einen Dialog über theologische Streitfragen sowie über einen künftigen kirchenrechtlichen Status einzutreten, hatte die Piusbruderschaft abgelehnt. Noch am Dienstag hatte sich Papst Leo XIV. erstmals persönlich in einem Schreiben an den Generaloberen Pagliarani gewandt und an die Piusbruderschaft appelliert, von ihrem Vorhaben abzusehen. Dabei verwies er auf die Folgen der unerlaubten Bischofsweihen. Der Generalobere antwortete umgehend, sah aber nicht von den Weihen ab, sondern bat den Papst, "sich die für diese Unterscheidung notwendige Zeit zu nehmen". (mal)