So lief die Vorstellung des neuen Eichstätter Bischofs Würtz ab

Johanna Schneider hat klare Erwartungen. Der neue Bischof? "Sollte mittleren Alters sein, nicht schon bald 80", sagt die Seniorin, selbst 83. "Ich wünsche mir, dass er gerade auf die jungen Leute zugeht. Und der neue Bischof soll wieder so freundlich sein wie der alte."
Schneider sitzt an diesem Dienstag gegen 11.30 Uhr im Eichstätter Dom. In einer halben Stunde soll hier bekanntgegeben werden, wer den Bischofsstuhl in Bayerns kleinstem Bistum bekommt. Gut ein Jahr war dieser Sitz verwaist, nachdem Gregor Maria Hanke im Juni 2025 zurückgetreten war.
Nach einer halben Stunde wird aus Schneiders Wünschen erste Gewissheit: Christian Würtz stellt sich als künftiger Bischof vor. Der bisherige Freiburger Weihbischof wird mit 55 Jahren der jüngste unter den 27 deutschen Diözesanbischöfen sein.
"Mut machen, aufbrechen!"
Von den rund 700 im Dom versammelten Menschen erntet der Bischof in spe schon nach wenigen Momenten der Ansprache Beifall. Würtz zitiert das Motto der aktuellen Willibaldswoche zu Ehren des Bistumspatrons: "Mut machen, aufbrechen!" Er fügt an: "Mut haben Sie eben bewiesen, als Sie so freundlich applaudiert haben, als mein Name genannt wurde. Denn ich vermute mal, dass die allermeisten von Ihnen mit meinem Namen noch nichts verbinden können."
Die Gläubigen hätten ihm dadurch Mut gemacht, dass er von Freiburg aus gut zu ihnen aufbrechen könne. "Dafür danke ich Ihnen sehr." Das Publikum klatscht, aus vielen Gesichtern scheint Frohmut und Rührung.
Beim Heraustreten aus dem Eichstätter Dom zeigt sich der ernannte Eichstätter Bischof Christian Würtz selig: So viele Menschen, staunt er, so viele Medienvertreter.
Der Geistliche spricht langsam und klar, manches wiederholt er; bestimmte Botschaften sollen ankommen. Vor allem diese: Der Neue sieht sich nicht als Einzelkämpfer und blickt mit Zuversicht nach vorne.
Das wird deutlich, als Würtz seiner Zuhörerschaft drei ihm wichtige Bibelstellen vorstellt. Einmal sind das jene Worte, die Gott als Immanuel, "als Gott mit uns", bezeichnen. Mit uns, nicht mit einem Einzigen. Es sei gut, "dass ich Mitglaubende habe, die mich stützen", sagt Würtz.
"Gott, der euch beruft, ist treu", benennt der künftige Bischof die zweite Stelle. Dazu formuliert er eine Forderung: "Freilich sollte die Treue keine Einbahnstraße sein. Sondern sie fordert mich immer wieder heraus, ihm gegenüber treu zu sein, nach seinem Willen zu suchen, und ihm auch in Liebe zu folgen."
Heikles Thema: Abbau statt Aufbau?
Die dritte Stelle ist die Vaterunser-Zeile "Dein Reich komme", Würtz' Bischofswahlspruch. "Er soll nun auch der Antrieb und die Richtung für mein Wirken in der Diözese Eichstätt sein. Dass ich mit Ihnen am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken darf." Dieses Reich von Gerechtigkeit, Liebe und Frieden wachse nicht von allein. "Es braucht unser aller Mitarbeit!"
Und dann spricht der Kirchenmann noch Heikles an: "Es ist mir durchaus bewusst, dass wir heute an vielen Stellen den Eindruck haben, wir sind eher am Abbau als am Aufbau." Würtz redet die ganze Zeit souverän. Auch jetzt vermittelt er Gelassenheit. Sie mag im folgenden Satz begründet sein: "Ich vertraue, dass Gott sein Reich nach wie vor Wirklichkeit werden lassen möchte, denn er ist der Gott mit uns, der treue Gott, der uns alle dazu in der Taufe berufen hat."
Würtz bekräftigt: "Damit ich meinen neuen Platz auf der Baustelle des Reiches Gottes finde und ausfülle, bin ich auf Ihre Mithilfe angewiesen." Konkrete Baustellen nennt Würtz nicht; es gäbe da ja etwa einen Finanzskandal und das Hickhack um die Jugendstellen.
Redete dem ernannten Eichstätter Bischof Christian Würtz ins Gewissen: Nuntius Hubertus van Megen.
Das erste Jahr werde ein Jahr des Schauens, fügt Würtz hinzu. "Im gegenseitigen Hören und Schauen, im gemeinsamen Miteinander-auf-dem-Weg-Sein, werden wir vorankommen." Das "werden" betont er deutlich.
Voran geht Christian Würtz dann aus seiner baldigen Bischofskirche hinaus auf den Domplatz. Der Himmel ist bedeckt. Das Strahlen, das die Sonne nicht zeigt, übernehmen die Menschen, sie bestürmen ihren neuen Bischof geradezu. Eine halbe Stunde lang schüttelt er Hände, hört Glückwünsche, lässt sich fotografieren. Immer wieder lacht er dabei von Herzen.
Nicht nur Johanna Schneider und all die anderen Gläubigen scheinen zufrieden mit der Bischofswahl des Papstes. Auch Würtz selbst zeigt sich geradezu selig: So viele Menschen, staunt er, so viele Medienvertreter.
Der Nuntius redete ins Gewissen
Wie mag das erst zur Amtseinführung werden? Deren Termin ist jedoch noch unklar. Nach den bayerischen Sommerferien, sagt Würtz bei einem Pressegespräch nach seiner Vorstellung. Also nicht vor Mitte September.
Dann verrät der Geistliche noch, dass er nicht sofort zugesagt habe, als das neue Amt an ihn herangetragen wurde. "Da musste ich eine Nacht drüber schlafen." Wieso er schließlich eingewilligt hat? "Der Nuntius" – der Botschafter des Papstes – "hat mir so ins Gewissen geredet, dass das eine schöne Aufgabe sei, dass das eine wichtige Aufgabe sei, dass das auch dem Willen des Papstes entspreche, und dann hab ich Ja gesagt."
Und noch etwas gesteht der Geistliche, nämlich nie zuvor in Eichstätt gewesen zu sein. Aber: "Sehr schönes Städtchen." Hinterher schiebt er, wieder lächelnd: "Ich hoffe, ich erlebe den Dom regelmäßig so voll wie heute."