Seit Juli zwölf Euro Eintritt

Ex-Dombaumeisterin: Gemischte Gefühle zum Eintritt für Kölner Dom

Veröffentlicht am 11.07.2026 um 09:00 Uhr – Lesedauer: 

Frankfurt/Köln ‐ Der Dom werde mehr zum Museum: Die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sieht die neue Eintrittsgebühr für den Kölner Dom skeptisch. Einen Tipp für Sparfüchse hat sie auch.

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"Kommerzfreie Räume" wünscht sich die frühere Kölner Dombaumeisterin und heutige Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins, Barbara Schock-Werner. "Dass man für die Besichtigung einer Kirche bezahlen soll, finde ich grundsätzlich nicht gut", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Geld sei allerdings nötig, "um diese großartige Kathedrale zu erhalten".

Seit dem 1. Juli kostet es zwölf Euro Eintritt, den Kölner Dom zu besuchen. Ein eingeschränkter Bereich ist für Gebete oder das Anzünden von Kerzen kostenfrei; den ganzen Dom können nur zahlende Gäste sehen.

Verlieren Kölner die Bindung an den Dom?

Die bisherigen Erfahrungen zeigten, "dass vor allem ausländische Touristen kein Problem mit der Besichtigungsgebühr haben", fügte Schock-Werner hinzu. "Sie sind das aus vielen Ländern gewohnt." Auch habe der Eintritt positiv bewirkt, dass es keinen "Jahrmarkttrubel" mehr gebe, "den wir manchmal vor allem um die Mittagszeit hatten". In ihre Erleichterung darüber mische sich jedoch Wehmut: "Denn durch die Gebühr ist der Dom tatsächlich so etwas wie ein Museum geworden."

Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Archivbild)

Barbara Schock-Werner, ehemalige Dombaumeisterin am Kölner Dom, am 26. April 2019 in Köln.

Sie kenne viele Menschen, "die morgens vor oder abends nach der Arbeit einmal durch den Dom gingen, um sich daran zu erinnern, dass es höhere Dinge gibt als den ganzen Alltagskram. Das ist jetzt weggefallen." Sie bedaure den Verlust solcher persönlicher Routinen sehr. Als gebürtige Stuttgarterin habe sie "diese intensive Beziehung so gut wie aller Kölner zu diesem Bauwerk" stets fasziniert – nun fürchte sie, dass diese Identifikation nachlassen könnte.

Geheimtipp: Eine Messe im Dom besuchen

Den "fantastischen Raum" des Doms könne man aus dem kostenfreien Bereich nicht erleben, sagte die Expertin. "Aber es gibt den ultimativen Geheimtipp: Wer an einer der großen heiligen Messen teilnimmt, der kann eine gute Stunde im Hauptschiff sitzen und die Kirche erleben, wofür sie ja gebaut ist, nämlich den Menschen ein Abbild des Himmels zu sein."

Den Kölner Dom besuchen jährlich rund sechs Millionen Menschen. Damit gehört das Weltkulturerbe zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher dürfte mit dem neuen Eintrittsgeld jedoch zurückgehen. Eintrittsgelder sind für Kirchen in Deutschland bisher ungewöhnlich. Im Ausland wird dagegen häufiger eine Zugangsgebühr erhoben, etwa in Spanien. (KNA)