Drei lebende Purpurträger dabei

Das sind die fünf ältesten deutschen Kardinäle aller Zeiten

Ein Kardinalsbirett liegt im Schatten auf einer Kirchenbank
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Platz 1: Kardinal Paul Augustin Mayer (1911–2010)

Den Spitzenplatz unter den ältesten deutschen Kardinälen aller Zeiten belegt der ehemalige Kurienkardinal Paul Augustin Mayer mit 98 Jahren und 11 Monaten. 1911 im bayerischen Wallfahrtsort Altötting geboren, fand Mayer als junger Mann seinen Weg in den Benediktinerorden. 1930 trat er in das Kloster Metten ein und wurde 1935 zum Priester geweiht. Als Dogmatikprofessor war er später an den Vorbereitungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) beteiligt und arbeite dort an Dokumenten zu Schulen und Priesterseminaren mit. Das von ihm betreute Dekret zur Priesterausbildung "Optatam totius" fand als einziges Konzilsdokument schon in der ersten Lesung die Zustimmung der Konzilsväter.

Nach dem Konzil wurde Mayer zunächst Abt in Metten, bevor er 1971 von Papst Paul VI. (1963–1978) nach Rom berufen wurde und dort eine Kurienlaufbahn einschlug. In Rom wurde er zunächst Sekretär der Ordenskongregation und zum Erzbischof geweiht, 1984 wechselte er dann als Pro-Präfekt in die Sakramentenkongregation. 1985 nahm Papst Johannes Paul II. (1978–2005) den Benediktiner in das Kardinalskollegium auf, kurz darauf wurde Mayer Präfekt der Sakramentenkongregation. Das Amt übte er drei Jahre lang aus, bis der Papst ihm eine neue Aufgabe auftrug: Als Präsident der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei" sollte er sich um die Integrierung romtreuer Traditionalisten bemühen. 1991 reichte er seinen altersbedingten Amtsverzicht ein.

2010 starb Mayer schließlich – und kehrte posthum heim nach Bayern: Seine letzte Ruhestätte fand der Benediktiner in der Abtei Metten. Auf der Liste der ältesten internationalen Kardinäle aller Zeiten rangiert er gegenwärtig auf Rang neun.

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In den Top 15 der ältesten Kardinäle aller Zeiten ist Kardinal Friedrich Wetter schon. Auch für den Spitzenplatz in der deutschen Rangliste der ältesten Kardinäle fehlt nicht mehr viel.

Platz 2: Kardinal Friedrich Wetter (geb. 1928)

Rund ein halbes Jahr ist Kardinal Friedrich Wetter vom Spitzenplatz in dieser Rangliste entfernt. 1928 im pfälzischen Landau geboren, studierte Wetter gleich nach dem Abitur 1948 Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Dort empfing er 1953 seine Priesterweihe und wurde er 1956 promoviert.

Nach kurzen Seelsorgestationen schlug er zunächst eine akademische Laufbahn ein, bevor er von Papst Paul VI. 1968 zum Bischof von Speyer ernannt wurde. Als Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom berufen wurde, wurde Wetter ab 1982 dessen Nachfolger als Erzbischof von München und Freising. Drei Jahre später nahm Papst Johannes Paul II. Wetter ins Kardinalskollegium auf.

Beim Papstbesuch in Bayern 2006 konnte Wetter seinen Vorgänger Ratzinger – inzwischen zu Papst Benedikt XVI. gewählt – in München begrüßen. Benedikt XVI. war es auch, der Wetters Rücktrittsgesuch 2007 annahm, nachdem das altersbedingte Gesuch 2003 von Johannes Paul II. noch abgelehnt worden war. Anschließend wurde es bald ruhig um den Kardinal. Nach den Vorwürfen im Münchener Missbrauchsgutachten übernahm der ehemalige Erzbischof persönliche Verantwortung und entschuldigte sich für seine "falsche Entscheidung", Pfarrer H. weiter in der Seelsorge einzusetzen.

Inzwischen lebt Wetter in einer Altenhilfeeinrichtung in Berg am Laim bei München. Als der Würzburger Bischof Franz Jung Wetter im vergangenen November dort besuchte, sei der damals 97-Jährige "noch immer erstaunlich agil und vor allem geistig hellwach" gewesen. Gute Voraussetzungen also, um weiter in der Liste zu klettern.

Kardinal Walter Brandmüller
Bild: © KNA/Francesco Pistilli (Archivbild)

Der älteste lebende Kurienkardinal aus Deutschland ist Kardinal Walter Brandmüller.

Platz 3: Kardinal Walter Brandmüller (geb. 5. Januar 1929)

Aus Franken in die Ewige Stadt: Kardinal Walter Brandmüller ist mit über 97 Jahren aktuell der älteste lebende Kurienkardinal. 1929 wurde er als Kind eines katholischen Vaters und einer evangelischen Mutter in Ansbach geboren. Schon kurz nach seinem Theologiestudium und seiner Priesterweihe 1953 schlug Brandmüller dann bald eine akademische Laufbahn ein. 1963 wurde er in München promoviert, 1967 habilitiert. Zwei Jahre später wurde er zunächst in Dillingen Professor, 1970 ging er dann nach Augsburg. Bis zu seiner Emeritierung 1997 war er dort Ordinarius für Neuere und Mittelalterliche Kirchengeschichte. Sein Spezialgebiet: die Konzilien des späten Mittelalters.

Anschließend führte Brandmüllers Weg nach Rom: Ab 1998 war er Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, von 1998 bis 2006 Präsident der Internationalen Kommission für vergleichende Kirchengeschichte. 2010 nahm Papst Benedikt XVI. Brandmüller in das Kardinalskollegium auf. Zuvor wurde er in Rom zum Bischof geweiht. Zu diesem Zeitpunkt war der Kirchenhistoriker schon 81 Jahre alt. Beim Konklave 2013 war er damit nicht mehr wahlberechtigt.

Möglich wurde dieses Konklave erst durch den Rücktritt Benedikts – ein Schritt, den Brandmüller scharf kritisierte. Auch dessen Nachfolger auf dem Stuhl Petri, Papst Franziskus, blieb von der Kritik Brandmüllers nicht verschont: An zwei "Dubia-Anfragen", mit denen konservative Kardinäle versuchten, den Öffnungskurs des Kirchenoberhaupts zu unterbinden, war Brandmüller als Unterzeichner beteiligt.

Kardinal Walter Kasper legt bei einem Gottesdienst zur Bischofsweihe von Klaus Krämer die Hände auf dessen Kopf
Bild: © KNA/Nico Kurth

Auch in seinem Ruhestand ist Kardinal Walter Kasper noch umtriebig. Bei der Bischofsweihe seines Nachnachfolgers, Bischof Klaus Krämer, wirkte Kasper etwa als Mitkonsekrator.

Platz 4: Kardinal Walter Kasper (geb. 5. März 1933)

Auch Platz vier auf dieser Liste gehört einem Kirchenmann aus Süddeutschland: Walter Kasper wurde 1933 in Heidenheim an der Brenz im Osten Baden-Württembergs geboren und studierte nach seinem Abitur Theologie und Philosophie in Tübingen und München. Nach seinem Abschluss wurde er 1957 zum Priester geweiht. 1961 promovierte Kasper, 1964 habilitierte er sich und erhielt kurz darauf einen Ruf als Professor für Dogmatik nach Münster – mit gerade einmal 31 Jahren. 1970 wechselte er nach Tübingen.

Erste Romkontakte sammelte er 1985 als theologischer Sekretär der außerordentlichen Bischofssynode. Außerdem wurde er in die internationale Päpstliche Theologenkommission berufen. Es sollten nicht die letzten Romaufenthalte bleiben. Zuvor wurde Kasper 1989 aber von Papst Johannes Paul II. zum neuen Bischof von Rottenburg-Stuttgart ernannt. In der Bischofskonferenz war Kasper für die Weltkirche zuständig und wurde stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission.

Zehn Jahre blieb Kasper in Rottenburg – bis Papst Johannes Paul II. ihn 1999 zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen berief. Zwei Jahre später erfolgte die Beförderung zum Präsidenten des Ökumene-Rates – und die Aufnahme in das Kardinalskollegium.

2010 nahm Papst Benedikt XVI. das altersbedingte Rücktrittsgesuch seines Landmannes an. Im Ruhestand befindet Kardinal Kasper sich seitdem aber nicht: Der Kurienkardinal veröffentlichte zahlreiche theologische Bücher. Zuletzt zeigte Kasper sich offen für Reformthemen. "Die Öffnung des Ständigen Diakonats für Frauen hat nach meiner persönlichen Meinung gute theologische Argumente für sich und wäre pastoral ein sinnvoller Schritt", schrieb Kasper in seiner Autobiografie im vergangenen Jahr.

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Seine Amtszeit war geprägt vom Zweiten Weltkrieg und dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Kardinal Josef Frings.

Platz 5: Kardinal Josef Frings (1887–1978)

Ein "Leutpriester" wollte er sein: Auf Platz fünf folgt ein Kölner Kardinal, der zeitlebens nah bei den Menschen war – und dessen Name es sogar zum geflügelten Wort gebracht hat. 1887 als Sohn einer gebildeten und wohlhabenden Fabrikantenfamilie im rheinischen Neuss geboren, begann Josef Frings nach seinem Abitur 1905 das Theologiestudium. Die Priesterweihe empfing er 1910 im Kölner Dom. Nach seiner Kaplanszeit promovierte er 1916 in Freiburg.

Sein Weg führte Frings dann wieder zurück in die Seelsorge – bis Papst Pius XII. (1939–1958) ihn 1942 zum Kölner Erzbischof ernannte. Dass der damalige Regens Frings gewählt wurde, kann man im Nachhinein durchaus als Überraschung betrachten, denn Frings' Name stand zunächst nicht auf der Dreierliste, die das Domkapitel nach Rom geschickt hatte. Als Wahlspruch wählte Frings das Motto aus dem Hebräer-Brief: "Für die Menschen bestellt."

Frings erlebte als Erzbischof das Ende des Zweiten Weltkriegs sowie das Bombardement und die Zerstörung Kölns. Auch in dieser Zeit wurde er zu einer volksnahen und hochgeschätzten Figur. Er half beim Beseitigen der Trümmer und als die Menschen im strengen Winter 1946 Gefahr liefen zu erfrieren, erteilte er ihnen in seiner legendären Silvesterpredigt die Billigung zum Kohlestehlen. Dieses "Fringsen" ging als geflügeltes Wort in den deutschen Sprachgebrauch ein.

Schon zuvor wurde Frings gemeinsam mit dem Berliner Bischof Konrad Graf von Preysing und dem Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen von Papst Pius XII. ins Kardinalskollegium aufgenommen – nach einer abenteuerlichen Reise nach Rom. Nicht nur die Nachkriegsjahre prägten die Amtszeit Frings', sondern auch das Zweite Vatikanische Konzil. Sein theologischer Assistent für die Kirchenversammlung war dabei ein gewisser Joseph Ratzinger. Beim Konzil war Frings sogar Mitglied des zehnköpfigen Konzilspräsidiums.

Sein Amt als Erzbischof legte Frings 1969 aus Altersgründen nieder. Seine Sehkraft ließ zu diesem Zeitpunkt bereits immer mehr nach. Am 17. Dezember 1978 starb der Kardinal schließlich mit 91 Jahren. Heute erinnern zahlreiche Straßen, Gebäude und Denkmäler im Rheinland an den beliebten Seelsorger.

… und Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.?

Ein Name scheint auf dieser Liste zu fehlen: Mit 95 Jahren und 8 Monaten würde Kardinal Joseph Ratzinger eigentlich der vierte Platz in dieser Liste zustehen. Mit seiner Wahl zu Papst Benedikt XVI. 2005 hat der 1927 geborene Ratzinger allerdings nach kirchlichem Verständnis seine Kardinalswürde abgegeben. Daran ändert auch der historische Amtsverzicht 2013 nichts.

Christoph Brüwer