An der Quelle der politischen Macht

Robert Barron: Ein Bischof zwischen Papst und Trump

Bischof Robert Barron spricht bei einem Kongress
Bild: KNA/Bob Roller/OSV News

Wenn es um die Nähe zum US-Präsidenten Donald Trump und seiner Regierung geht, fiel im amerikanischen Episkopat lange Zeit vor allem ein Name: Timothy Dolan. Der inzwischen emeritierte New Yorker Erzbischof und Kardinal sprach bei beiden Amtseinführungen Trumps und galt als einer der wenigen katholischen Bischöfe mit direktem Zugang zum Präsidenten. Kürzlich warb Dolan allerdings öffentlich für die Aufnahme von Migranten. Mittlerweile scheint ihn ohnehin einer überholt zu haben: der Bischof von Winona-Rochester im US-Bundesstaat Minnesota, Robert Barron. Der 65-Jährige genießt weit über die Grenzen seiner Diözese hinaus Bekanntheit. Mit seiner Medienorganisation "Word on Fire" erreicht er Millionen Menschen über YouTube, Facebook und andere soziale Netzwerke und gilt als einer der einflussreichsten katholischen Medienmacher.

Derzeit steht Barron jedoch aufgrund einer anderen Tatsache im Fokus der Öffentlichkeit. Kürzlich veröffentlichte der Bischof ein gut einstündiges Videogespräch mit US-Vizepräsident JD Vance, sprach mit dem konservativen Portal "The Free Press" über sein Verhältnis zur Trump-Regierung und über den Papst und geriet schließlich wegen juristischer Drohungen seiner Medienorganisation gegen den Vatikanexperten und Blogger Christopher Hale in die Schlagzeilen. Diese Entwicklungen verstärken den Eindruck eines Bischofs, der enge Kontakte zu führenden Vertretern der Trump-Regierung sucht und pflegt wie kaum ein anderer amerikanischer Oberhirte. Zugleich gerät er – auch deswegen – immer häufiger mit Kritikern innerhalb des Katholizismus aneinander.

Lob für Trumps Katholiken

Im Interview mit "The Free Press" erklärte Barron beispielsweise, er sei "beeindruckt von der Zahl der Katholiken in der Trump-Regierung" – und zwar auf allen Ebenen. "Ich habe sie als sehr gut, sehr nachdenklich und sehr interessiert an meiner Sicht der Dinge erlebt", sagte er der Journalistin Madeleine Kearns. Als Beispiele nannte Barron unter anderem Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio sowie den Grenz- und Einwanderungsbeauftragten Tom Homan. Sie seien politische Führungspersönlichkeiten, die sich "der Umsetzung der ganzen Fülle der katholischen Soziallehre verschrieben" hätten.

Wie Barron diese Nähe versteht, zeigte sich auch im Gespräch mit JD Vance. Der Vizepräsident spielte die wiederholte Kritik aus dem Vatikan und von den amerikanischen Bischöfen an der Politik der Trump-Regierung herunter. Dass Papst Leo XIV. gelegentlich Kritik äußere, sei "eigentlich in Ordnung". Aufgabe der Kirche sei die moralische Orientierung, Politiker müssten diese in konkrete Entscheidungen übersetzen. Das eigentliche Problem seien die Medien, die jede kritische Äußerung des Papstes sofort als Angriff auf Donald Trump deuteten, so ein Fazit des US-Vizepräsidenten. Zugleich lobte Vance Leos Vorgänger Franziskus (2013–2025) als einen Papst, der Debatten ausgelöst habe wie kaum ein anderer. Kritischer äußerte er sich über die vatikanische Diplomatie. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Außenminister Erzbischof Paul Gallagher blieben häufig auf einer sehr allgemeinen Ebene. Vom neuen Papst Leo XIV. erhoffe er sich einen direkteren Austausch – ein solcher scheint sich inzwischen tatsächlich ergeben zu haben. Das aber passte Vance letztlich auch nicht. Schließlich war er derjenige, der die Friedensbotschaft des Papstes und dessen Interpretation des "gerechten Krieges" kritisierte und schließlich Vorsicht des Pontifex bei theologischen Fragen forderte. Skurril nannten Beobachter diese Art der Kommunikation gegenüber dem Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken.

US-Vizepräsident JD Vance im Gespräch mit Papst Leo XIV.
Bild: © KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

US-Vizepräsident JD Vance im Gespräch mit Papst Leo XIV.

Doch wie sieht die von Barron gelobte "ganze Fülle der katholischen Soziallehre" in der Trump-Regierung tatsächlich aus? Besonders deutlich wird die Spannung am Beispiel des bereits erwähnten und von Trump als "Grenz-Zar" titulierten Homan. Er gehörte zu den schärfsten Kritikern von Papst Franziskus und geriet später auch mit der US-Bischofskonferenz wegen der Migrationspolitik der Trump-Regierung aneinander. Dennoch zählt Barron ihn zu den katholischen Politikern, die sich der "ganzen Fülle der katholischen Soziallehre" verpflichtet hätten. In Erinnerung bleibt, wie Homan Franziskus' Kritik an den Massenabschiebungen mit den Worten zurückwies, er solle sich um die katholische Kirche kümmern, denn diese befinde sich in "einem Schlamassel". Sich selbst beschrieb er so: "Ich bin ein lebenslanger Katholik. Ich wurde katholisch geboren. Ich habe die katholische Lehre kennengelernt." Franziskus warf er dabei Heuchelei vor. Denn auch der Vatikan habe eine Mauer.

Trump als Messias

Schließlich folgte ein politisch aufgeladenes Osterfest, das der italienische Theologe und Kirchenhistoriker Massimo Faggioli als eine "blasphemische Parodie der Karwoche" bezeichnete: Mehrere Prediger deuteten dort Trumps politischen Werdegang in einer Weise, die auffällig an zentrale Motive der Bibel erinnerte. Trump habe einen Preis gezahlt, sei verraten und falsch beschuldigt worden, sagte etwa eine Predigerin – wie Christus. Doch dieser habe über den Tod gesiegt, wie auch Trump schließlich gesiegt habe. Dieser wurde dann als von Gott "erhoben" beschrieben, als Führungsfigur "für eine Zeit wie diese". Überstandene Attentatsversuche galten den Geistlichen als Zeichen göttlicher Bewahrung. Auffällig war in diesem Zusammenhang, dass unter den katholischen Teilnehmern auch Bischof Barron vertreten war.

Zeitgleich übte Barron Kritik an der von Franziskus geprägten und von Papst Leo XIV. weitergeführten Formulierung von einer "Wirtschaft, die tötet". Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani veranlassten ihn zudem zu scharfer Kritik in den sozialen Medien, wo er von einer "extremen Linksverschiebung" in der Politik sprach. Ein Bischof, der die beiden Päpste kritisiert, um Trump und seine Administration in Schutz zu nehmen?

Streit um den "Trumpismus"

Die Debatte über Barrons Verhältnis zum Trumpismus ist nicht neu. Bereits 2024 geriet seine Medienorganisation "Word on Fire" mit der traditionsreichen katholischen Zeitschrift "Commonweal" aneinander. Auslöser war ein Beitrag Faggiolis, der Überschneidungen zwischen Teilen des konservativen amerikanischen Katholizismus und dem Trumpismus beschrieb. Dabei verwies er auch auf Barrons Medienimperium "Word on Fire", das aus seiner Sicht Teil eines neuen konservativen katholischen Kulturestablishments sei.

Theologe Faggioli und Bischof Barron
Bild: © Wenceslao Cruz/Word on Fire/Montage:katholisch.de

Der Theologe Massimo Faggioli und Bischof Robert Barron von "Word on Fire"

Barrons Organisation reagierte damals ungewöhnlich scharf. Zunächst verlangte sie Änderungen an dem Artikel, später wandte sie sich auch gegen eine erläuternde Anmerkung der Redaktion. Zweimal kündigten Barrons Anwälte rechtliche Schritte gegen "Commonweal" an. Die Redaktion sprach daraufhin von einem Versuch, kritische Berichterstattung einzuschüchtern. Auch innerhalb katholischer Medien in den USA stieß das Vorgehen auf Kritik. Mehrere Kommentatoren warfen Barron vor, den innerkirchlichen Dialog zu beschädigen – ausgerechnet zu einer Zeit, in der er selbst öffentlich für eine bessere Debattenkultur unter Katholiken warb.

Neue juristische Drohungen

Nun scheint sich dieses Muster zu wiederholen: Am Wochenende machte der Vatikanexperte Christopher Hale öffentlich, dass eine Washingtoner Anwaltskanzlei im Auftrag von "Word on Fire" die Korrektur eines Blogbeitrags verlangt habe. Hale hatte geschrieben, Barrons YouTube-Aufrufe seien nach angeblicher "MAGA-Konversion" deutlich zurückgegangen. Die Anwälte widersprachen dieser Darstellung. Interne Zahlen würden zeigen, dass sich die Zuschauerzahlen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt hätten. Sollte Hale seine Aussagen nicht korrigieren, müsse er mit rechtlichen Schritten rechnen.

Hale reagierte umgehend mit Kritik am Oberhirten. Barron interessiere sich mittlerweile mehr für die Verteidigung seiner Statistiken als für die Verteidigung von Papst und Kirche gegenüber der Trump-Regierung, schrieb der Blogger. Barron selbst weist seit Jahren jede Nähe zum Trumpismus zurück. Der Bischof sucht zwar immer wieder den Dialog mit Vertretern unterschiedlichster gesellschaftlicher Milieus und betont, sein Auftrag bestehe in der Evangelisierung und nicht in parteipolitischer Unterstützung. Gleichzeitig ist aber kaum ein anderer amerikanischer Bischof so eng mit den konservativen Medien- und Politiknetzwerken verbunden wie der Gründer von "Word on Fire".

Dass Barron heute regelmäßig mit führenden Politikern der Trump-Regierung spricht und zugleich erneut mit juristischen Schritten gegen Kritiker vorgeht, dürfte die Debatte über seine politische Rolle innerhalb der katholischen Kirche in den USA eher weiter befeuern. Ein Ende, so scheint es, ist vorerst offenbar nicht in Sicht.

Mario Trifunovic