Abschlussdokumente zur Weltsynode veröffentlicht

Neue Wege in der Priesterausbildung – sozialer und digitaler

Veröffentlicht am 20.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Fabian Brand – Lesedauer: 

Bamberg ‐ Die verschiedenen Studiengruppen der Weltsynode legen Ergebnisse vor: Wie angehende Priester ihre Blase verlassen sollen und welche Rolle digitale Mission spielt, erläutern die Abschlussberichte.

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Zehn Arbeitsgruppen wurden noch unter Papst Franziskus beauftragt, um über heikle Themen zu beraten, die von der Weltsynode ausgeklammert wurden. Der Hintergrund war, dass der Papst meinte, besonders strittige Themen sollten nicht auf der Weltsynode selbst behandelt werden. Damit handelte sich Franziskus damals Kritik ein. Sein Nachfolger, Leo XIV., ließ die Gruppen ihre Arbeit fortführen. Seit Anfang März wurden drei Abschlussberichte der Studiengruppen veröffentlicht – darunter die Dokumente zur Priesterausbildung und zur Evangelisierung im digitalen Raum.

Die Studiengruppe Nummer Vier setzte sich mit einer Revision der "Ratio Fundamentalis" auseinander, also jener Ordnung, welche die Priesterausbildung von römischer Seite aus regelt. Gleich zu Beginn des Abschlussberichts hebt die Studiengruppe hervor, dass eine Neufassung der "Ratio Fundamentalis" nicht angestrebt werde. Das hat vor allem damit zu tun, dass die "Ratio" erst 2016 neu erarbeitet wurde und bereits wesentliche Dimensionen von Synodalität integriert hat. Außerdem seien die einzelnen Diözesen gerade dabei, ihre eigene "Ratio Nationalis" an die "Ratio Fundamentalis" anzupassen, was vielerorts noch nicht geschehen sei. Dennoch sei es wichtig, so der Bericht, in besonderer Weise die "realtionale Identität des geweihten Amtes" weiter zu vertiefen und so zur einer Priesterausbildung zu gelangen, die vollumfänglich vom Gedanken der Synodalität durchdrungen ist.

In einer ekklesiologischen Präambel verweist der Abschlussbericht zunächst auf die beiden Kirchenkonstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils, "Gaudium et spes" und "Lumen Gentium". Innerhalb der Vorgaben, die diese beiden Dokumente für die Kirche entwickeln, gilt es, das priesterliche Amt in einer missionarischen und synodalen Kirche zu konturieren. Im Blick auf das Abschlussdokument der Weltsynode könne man von einer relationalen Ekklesiologie sprechen, deren Basis die Synodalität ist. Die Beziehung zwischen Menschen untereinander, die Beziehung zu Christus, aber auch die Beziehung innerhalb von örtlichen Gemeinschaften seien Basis dieses neuen Verständnisses von Kirche. Dieser Auftrag zur Synodalität, zum Hören auf das Gotteswort und zu einer möglichst großen Mitbeteiligung aller aus dem Gottesvolk soll schließlich auch die Ausbildung der Priester prägen.

Ausbildung nicht nur im Priesterseminar

Während die Ausbildung im Priesterseminar ein gültiges Modell bleiben soll, wird auch eine Ausbildung vorgeschlagen, die stärker mit dem späteren Leben der Priesterkandidaten übereinstimmt. Daher sei in der Ausbildungsordnung zu berücksichtigen, dass das Priesterseminar nicht der einzig legitime Ort zur Ausbildung sein könne. Hervorgehoben wird außerdem, dass eine Trennung der Priesteramtskandidaten vom Gottesvolk nicht sinnvoll sei. Daher solle es in der Ausbildung immer wieder Phasen geben, in denen die Kandidaten das menschliche Leben wirklich erfahren und eine stabile Einbindung in das Leben der christlichen Gemeinschaft möglich wird.

Als weitere konkrete Punkte werden unter anderem angemahnt: Es muss eine möglichst ausreichende Zahl an Kandidaten geben, um eine gute Gemeinschaft zu erfahren; neben Priestern sollen auch Frauen und Männer aus dem Gottesvolk in die Ausbildung einbezogen werden; besonders Frauen sollen auf allen Ebenen der Ausbildung Mitverantwortung tragen.

Am Ende des Dokuments bietet ein Anhang einige Best-Practice-Beispiele, mit denen die Studiengruppe verdeutlicht, wie einzelne Aspekte dieser synodalen Priesterausbildung bereits umgesetzt werden. Hier wird zum Beispiel auf eine Diözese in Italien verwiesen, in der die Kandidaten zeitweise in Kleingruppen in Wohnungen in Pfarreien leben und nur zu den Vorlesungen ins Priesterseminar kommen. Oder auf ein Seminar in Nigeria, welches auf Reinigungspersonal und Hausmeister verzichtet; die Arbeiten werden stattdessen von den Seminaristen wahrgenommen. Auch lernen die Kandidaten neben ihrer wissenschaftlichen Ausbildung konkrete handwerkliche Tätigkeiten.

Während der Familiensynode im Vatikan nimmt ein Bischof ein Foto mit seinem Smartphone auf.
Bild: ©dpa/Claudio Peri (Symbolbild)

Klares Ergebnis der Studiengruppe: Kirche muss auch im digitalen Raum stattfinden.

Im Gesamt betrachtet schlägt die Studiengruppe ein Aufbrechen der Binnenperspektive vor, in der sich die Priesterausbildung oftmals vollzogen hat. Damit greift die Studiengruppe einen wichtigen Gedanken auf, der schon im Dokument "Presbyterorum ordinis" des Zweiten Vatikanischen Konzils deutlich wurde: Dass sich die Sendung der Priester eben nicht im Innen der Kirche, sondern draußen, bei den Menschen und im Gottesvolk konkretisiert. Das relationale Verständnis des Priesteramtes, welches schon "Presbyterorum ordinis" vorlegte, sollte sich gemäß dem Abschlussbericht der Studiengruppe bereits während der Ausbildung durchsetzen.

Eine andere Studiengruppe setzte sich mit dem Thema der Mission im digitalen Raum auseinander. Bereits im ersten Kapitel des Abschlussberichts hebt die Studiengruppe die hohe Bedeutung des digitalen Raums hervor: Der digitale Raum sei ebenso zu würdigen wie die reale Welt, in der Menschen leben und ihr Leben gestalten. Daher sei der digitale Raum auch ein legitimer Ort der Evangelisierung, weil sich Menschen dort versammeln, Beziehungen knüpfen und nach Informationen suchen. Die Kirche ist daher genötigt, den digitalen Raum als integralen Bestandteil ihrer Sendung zu akzeptieren.

Da es der Auftrag der Kirche ist, hinauszugehen und den Menschen das Evangelium zu verkünden, darf der digitale Raum bei diesem Grundauftrag von Kirche nicht außer Acht gelassen werden. Vielmehr würdigt die Studiengruppe den digitalen Raum als einen Ort der geistlichen Begegnung und als Chance, Gemeinschaft auch über die räumliche Distanz hinweg zu fördern. Gleichzeitig werden neben den Risiken der digitalen Räume auch die Notwendigkeit von Schutz und Prävention hervorgehoben. Explizit weist der Abschlussbericht jedoch darauf hin, dass "die digitale Mission keine bloße Strategie ist, sondern eine Weise, heute Kirche zu sein". Indem die Kirche im digitalen Raum ihren ureigenen Auftrag erfüllt, konkretisiert sie sich als Kirche und findet so zu ihrer eigenen Identität.

Digitale Verkündigung braucht auch Ausbildung

Um den synodalen Charakter der Kirche zu fördern, ist es entscheidend, sich auch mit dem digitalen Raum auseinanderzusetzen. Dabei ist der digitale Raum kein wirkliches Neuland für die Kirche mehr, denn es gibt bereits zahlreiche Gläubige, die sich in der digitalen Evangelisierung engagieren und im digitalen Raum von ihrem Glauben sprechen. Betont hebt das Dokument hervor, dass für diese Art der Evangeliumsverkündigung auch eine entsprechende Ausbildung nötig sei. Gerade eine Begleitung durch die Bischöfe und Seelsorger sei vonnöten. Dazu gehöre auch das Lernen neuer Formen der Ausdrucksvermittlung wie Storytelling oder den Aufbau von Communities im digitalen Raum. Ausdrücklich warnt die Studiengruppe vor "selbsternannten katholischen Influencern", die ohne kirchlichen Auftrag handeln und die Aufmerksamkeit vor allem auf sich selbst lenken.

Abschließend bringt das Dokument mehrere Vorschläge für künftige konkrete Schritte: Neben der Einrichtung einer Stelle für die Mission im digitalen Umfeld auf vatikanischer Ebene schlägt die Studiengruppe eine Prüfung möglicher kirchenrechtlicher Anpassungen hinsichtlich des digitalen Raumes vor. Auf diözesaner Ebene werden die Bischöfe angehalten, die digitale pastoral vor Ort zu fördern, Finanzierung und Ressourcen bereitzustellen sowie Personal für die Arbeit im digitalen Raum auszubilden.

Auch das Abschlussdokument, welches sich mit dem digitalen Raum auseinandersetzt, markiert ein Aufbrechen der Binnenperspektive: Kirche ereignet sich nicht nur an den altbekannten Orten, sondern die Kirche ist auch genötigt, neue Räume zu entdecken und sich auf unbekanntes Terrain vorzuwagen. Letztlich ist die Nachdrücklichkeit interessant, welche die Studiengruppe im Blick auf den digitalen Raum hervorhebt: Diesen zu entdecken und dort das Evangelium zu verkünden ist eine genuine und ureigene Aufgabe der Kirche. Dabei es geht es nicht um eine optionale Möglichkeit, sondern darum, dass die Kirche ihre eigene Sendung verwirklicht.

Von Fabian Brand