Verzicht allein bringt nicht die Veränderung

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.
Verzicht muss nicht Selbstoptimierung sein. In der Fastenzeit kann er auch ein Versuch sein, bewusster zu leben. Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir, wenn ich auf etwas verzichte? Und woran merke ich vielleicht, dass manches in meinem Alltag längst selbstverständlich geworden ist?
Heute, nach rund zwei Dritteln der Fastenzeit, lässt sich oft schon etwas erkennen: Worauf kann ich gut verzichten? Was ist mir tatsächlich wichtig? Manches verliert an Bedeutung, anderes wird überraschend wertvoll. Viele Menschen verzichten in diesen Wochen auf Süßigkeiten, Alkohol oder soziale Medien. Das kann helfen, Gewohnheiten zu durchbrechen und genauer hinzuschauen. Doch die Fastenzeit kann mehr sein als eine kleine Verzichtsübung für sieben Wochen.
Denn Verzicht allein verändert noch nichts, weder uns noch die Welt. Die christliche Tradition spricht in der Fastenzeit von Umkehr. Das klingt altmodisch, meint aber etwas Radikales: Innehalten und ehrlich fragen, was eigentlich nicht mehr stimmt – im eigenen Leben, in unserer Gesellschaft und auch in der Kirche.
Vielleicht bedeutet Fasten dann, nicht nur auf Schokolade zu verzichten, sondern beispielsweise auf Gleichgültigkeit. Vielleicht geht es darum, auf bequeme Ausreden zu verzichten, wenn es um Ungerechtigkeit geht.
Auch für die Kirche kann die Fastenzeit eine Einladung sein. Sie steht seit Jahren unter Druck, verliert Vertrauen und Mitglieder. In einer solchen Situation reicht es nicht, einfach weiterzumachen wie bisher. Fasten könnte heißen, Ballast loszulassen: Gewohnheiten, die niemandem mehr helfen, Strukturen, die Menschen ausschließen, oder auch die Angst vor notwendigen Veränderungen.
Die vierzig Tage bis Ostern erinnern daran, dass Veränderung möglich ist. Sie beginnt mit Ehrlichkeit und mit dem Mut, Dinge anders zu machen. Dann wäre Fasten nicht nur eine Tradition, sondern eine Chance.
Die Autorin
Friederike Frücht leitet die Abteilung Kommunikation der kfd und ist Chefredakteurin der Mitgliederzeitschrift Junia.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.