Theologe Dahlke: Trump nutzt Religion für politische Zwecke
Der Eichstätter Dogmatiker Benjamin Dahlke sieht eine neue Qualität der politischen Instrumentalisierung von Religion in den USA. "Die jüngste Veranstaltung im Weißen Haus macht die enge Verbindung zwischen der Republikanischen Partei und konservativen Christen – also Evangelikalen und Katholiken – deutlich", sagte Dahlke am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Religion werde zunehmend unverblümt politisch funktionalisiert, so der Theologe. Insgesamt sei eine Verschiebung zu erkennen: Zwar habe es in den USA immer eine Form von Zivilreligion gegeben, doch die aktuelle Entwicklung gehe darüber hinaus. "Dass es derart starke Bezüge auf das Christentum gibt, ist schon etwas Neues", so Dahlke.
Gezielte politische Verzweckung
Religion werde durch die Trump-Regierung nicht nur begleitend eingesetzt, sondern gezielt politisch aufgeladen. Das sei "äußerst heikel". Christliche Motive und Sprache sollten die Anhängerschaft mobilisieren, so der Theologe.
Eine wichtige Figur in diesem Gefüge ist nach Dahlkes Einschätzung US-Bischof Robert Barron. Seine Nähe zur Regierung stehe exemplarisch für ein strategisches Bündnis: Es sei "vollkommen verständlich", dass konservative Bischöfe die Kooperation mit der Trump-Regierung suchten, da sich Interessen überschneiden. Während die Regierung auf religiöse Wählerstimmen angewiesen sei, versuche der konservative Katholizismus, eigene Positionen politisch durchzusetzen. In der Abtreibungsfrage sei das "durchaus gelungen", so Dahlke. Auch bei Gender-Themen gebe es klare Schnittmengen.
Wähleransprache
Zugleich erkennt Dahlke ein kalkuliertes politisches Vorgehen. Trump nehme den religiösen Aufschwung unter jungen Menschen bewusst wahr und nutze ihn. Entscheidend sei für ihn, neue Wählerschichten zu erreichen – insbesondere junge Menschen. Deshalb habe Trump gezielt auf den reichweitenstarken Aktivisten Charlie Kirk gesetzt.
Benjamin Dahlke ist seit 2021 Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und war Gastprofessor an der University of Notre Dame, USA. Zuvor lehrte der Paderborner Diözesanpriester an der Theologischen Fakultät Paderborn. Zu seinen Schwerpunkten gehört die Kirche in den USA. 2024 erschien sein Buch "Katholische Theologie in den USA".
Gleichzeitig zeige sich im Auftreten des Präsidenten am Mittwoch auch eine Unsicherheit mit Blick auf kommende Wahlen, so der USA-Kenner weiter. Die Betonung von Themen wie Transgender in seiner Rede bei der Osterveranstaltung sei Teil seiner Mobilisierungsstrategie: "Es geht gegen die Wokeness und Identitätspolitik", so Dahlke. Unterstützt werde diese Linie durch ein religiös geprägtes Umfeld, in dem Akteure wie der Prediger Franklin Graham Trump öffentlich überhöhen.
Ein "Easter Lunch" im Weißen Haus sorgt kurz vor Ostern für breite Diskussionen. Bei der Veranstaltung am Mittwoch wurde Donald Trump in religiösen Kategorien überhöht und mit Motiven der christlichen Heilsgeschichte in Verbindung gebracht. Prediger deuteten seinen politischen Werdegang als Erlösungsgeschichte und stellten Parallelen zu Jesus Christus her. Religiöse Motive wurden dabei auch genutzt, um politische und außenpolitische Themen wie den Konflikt mit dem Iran zu rahmen. (KNA)
