Wenn der Ostermontag zwei "Rebellen" verbindet

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Ein Ostermontag, der zwei "Rebellen" verbindet: Hans Küng und Papst Franziskus. An diesem Ostermontag, dem 6. April, jährte sich Küngs Todestag zum fünften Mal – ausgerechnet an jenem Feiertag, an dem Franziskus im vergangenen Jahr (21. April) starb. Wer hier nur nebeneinanderstellt, verpasst den Punkt: Beide stehen für eine Kirche, die sich bewegen muss – oder an sich selbst erstarrt.
Küng, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Theologen, nahm am Zweiten Vatikanischen Konzil teil, geriet jedoch wegen seiner Kritik an der päpstlichen Unfehlbarkeit in Konflikt mit Rom. 1979 entzog ihm der Vatikan die Lehrerlaubnis. Eine offizielle Rehabilitierung blieb aus – und war für Küng zuletzt zweitrangig. Den handgeschriebenen Antwortbrief des lateinamerikanischen Papstes aus 2016 deutete er dennoch als "quasi informelle" Rehabilitierung.
Entscheidender war ihm wie auch Franziskus neben der neuen Denkfreiheit die Reform der Kirche. Beide verband die Überzeugung, dass es vorangehen muss. Franziskus griff mit seiner Betonung der Synodalität einen Gedanken auf, für den Küng bereits in den 1960er Jahren stand: mehr Beteiligung, mehr Dialog, mehr Verantwortung für alle Gläubigen.
Mit Laiinnen und Laien mit Stimmrecht in der von ihm angestoßenen Weltsynode setzte Franziskus ein Zeichen gegen ein rein hierarchisches Kirchenverständnis – sehr zum Leidwesen mancher Kardinäle. Küng hatte genau das schon in den 1960ern im Blick, wofür er damals ins Visier des Vatikans geriet: eine Kirche, die Autorität nicht nur "von oben" ableitet, sondern aus dem gemeinsamen Ringen um Wahrheit gewinnt.
Unterschiede bleiben jedoch. Küng stellte Grundsatzfragen, Franziskus reformierte im System. Doch beide einte die Einsicht: Kirche muss sich verändern, um glaubwürdig zu bleiben. Ihr "rebellischer" Impuls war von daher kein Störfall, sondern Verantwortung. Den einen geht das zu langsam, den anderen zu weit. Die Spannung bleibt – auch unter Papst Leo XIV. Ob sein Balanceakt trägt und wie er mit den "heißen Eisen" umgeht, wird sich zeigen.
Der Autor
Mario Trifunovic ist Redakteur bei katholisch.de.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.