Wenn Laien-Engagement auf der Klerus-Goldwaage nicht ins Gewicht fällt

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Zur Chrisammesse vor Ostern kommen die Pfarrer (oder ihre Vertreter) aus den Gemeinden eines Bistums in den Dom, um die heiligen Öle für Taufe, Firmung und Krankensalbung abzuholen. Selten hat der Bischof so viele seiner Geistlichen vor sich. Mancher nutzt das für eine Art Fahnen-Appell. Tenor: Warum wir Priester so besonders sind.
In diesem Jahr ließen Worte aufhorchen, wonach "noch so viele aktive Frauen und Männer keinen Priester abgeben", Wortgottesfeiern am Sonntag zum Verlust "unserer katholischen Identität" führen. Angebliche Versuche, sich unabhängig vom Priester zu machen, seien "nicht mehr katholisch", weswegen die Priester selbst dem "von Anfang an entgegenwirken" sollten.
Am Abend, als diese Zitate kursierten, erreichte mich der bestürzte Anruf einer Freundin. Seit Jahr und Tag gestaltet sie mit den Gläubigen ihrer Gemeinde sonntags den Gottesdienst, für den längst kein Priester mehr zu bekommen ist, weil keiner mehr da ist. Sie und ungezählte andere bekommen nun von höchster Stelle bescheinigt, dass ihr Wirken unkatholisch sei – und dass sie auf der Klerus-Goldwaage nicht ins Gewicht fallen. Das ist nicht nur demotivierend. Es ist vor allem die Zementierung eines priesterzentrierten Kirchenbilds und zugleich Ausdruck der Angst vor Bedeutungsverlust.
Die Unersetzbarkeit des Weiheamts hochzuhalten, folgt der Marktlogik der Verknappung: Je seltener eine Ware, desto teurer wird sie. Angesichts des grassierenden Mangels an Priestern steigt der Marktwert eines jeden ins Unermessliche.
Bezeichnend, dass dabei genau jenes Gut aus dem Blick gerät, das doch nach bischöflichem Bekunden und kirchlicher Lehre das wichtigste von allen ist: die Eucharistie. Wer vom geweihten Amt her denkt, der lässt Eucharistiefeiern lieber ausfallen, wenn die geweihten Männer mit der Wandlungskompetenz fehlen. Wer von der Eucharistie und den Gemeinden her dächte, die "ohne das Brot des Lebens verhungern", der würde Männer und Frauen in ausreichender Zahl mit eben dieser Kompetenz für den Lebensunterhalt der Kirche ausstatten, zurüsten – ordinieren.
Dafür bräuchte es gar nicht viel, nur einen Perspektivwechsel, der ernst nimmt, dass die Eucharistie – wie es das Zweite Vatikanische Konzil lehrt – "Quelle und Höhepunkt" des gesamten christlichen Lebens ist. Ist das wirklich zu viel verlangt?
Der Autor
Joachim Frank ist "DuMont"-Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP).
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.