Standpunkt

Trumps religiöse Selbstüberhöhung und Leos richtige Antwort

Veröffentlicht am 16.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Stefan Orth – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Selbstüberhöhung von Donald Trump spitzt sich zu und stößt auch unter US-Katholiken auf wachsenden Widerspruch. Der Präsident verkenne, wie stark er auch den Katholiken sein Amt zu verdanken habe, so Stefan Orth.

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Es fehlen einem die Worte, buchstäblich. Das war mit Blick auf Donald Trump zwar schon öfter so. In den vergangenen Wochen hat sich das angesichts der religiösen Überhöhung seiner Selbstinszenierung aber noch gesteigert. Als ob seine impulsive Art, Weltpolitik zu betreiben, nicht schon verheerend genug wäre. Schon in diesem Zusammenhang irritieren seine Allmachtsphantasien immer wieder und verheißen mit Blick auf eine nachhaltige Beilegung von Konflikten nichts Gutes. Jetzt kommt die Stilisierung als Heilsbringer hinzu. Kein Wunder, dass da auch das Oberhaupt der katholischen Kirche in die Schusslinie kommt und vom US-Präsidenten heftigst kritisiert wird, weil er nicht auf seiner Linie ist. Ein Papst von Trumps Gnaden, wie dieser überzeugt ist, weil ohne ihn der US-Amerikaner Robert Francis Prevost sonst nie Leo XIV. geworden wäre?

Angesichts von Donald Trump werden Empörungsgesten, die so nahe liegen, nicht helfen. Auch die Faschismusvergleiche mögen analytisch hier und da etwas für sich haben, werden die Situation aber nicht beruhigen. Umso interessanter ist da, dass durch die Entwicklungen der vergangenen Monate sich offenbar die Polarisierung der Flügel im US-amerikanischen Katholizismus abschwächt. Sowohl mit Blick auf die Migrationspolitik als auch in Fragen von Krieg und Frieden hält es die Mehrheit der Katholiken eben mehr mit dem Papst und nicht mit dem Präsidenten. Es ist Trump, der verkennt, wie stark er den Katholiken und ihrem Wahlverhalten zu verdanken hat, dass er erneut dieses Amt innehat.

Auch Leo XIV. hat gleich am Tag nach den Angriffen auf ihn die richtige Antwort auf die Allmachtsphantasien gefunden. Er hat sie nicht einfach ignoriert, sondern ist ihnen selbstbewusst und wie gewohnt besonnen begegnet: Er werde sich mit dem beharrlichen Verweis auf das Evangelium als Richtschnur weiterhin auch zu Fragen der Weltgestaltung äußern – ob gelegen oder ungelegen. Der Papst macht hier den Punkt.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist Chefredakteur der "Herder Korrespondenz".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.