Was die Welt an Papst Leo XIV. hat
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Es brennt in diesen Tagen so heiß wie nie seit dem 19. Jahrhundert zwischen der US-Regierung und dem Papst. US-Machthaber Donald Trump poltert, hämt und beleidigt in der bei ihm üblichen Weise. Doch Papst Leo XIV. bleibt ruhig. Sein Nein zur Kraftmeierei des Kriegspräsidenten Trump und dessen Krieg gegen den Iran und seine Verbündeten, den der US-Präsident und die Regierung Israels begonnen haben, ist klar und entschieden. Leo handelt dabei in der Linie seiner Vorgänger.
Papst Pius XII. (1939–1958) missbilligte in der Sprache seiner Zeit Hitlers Angriffskriege. Papst Paul VI. (1963–1978) trat Jahrzehnte später entschieden gegen den Vietnamkrieg ein. Papst Johannes Paul II. (1978–2005) tat dasselbe gegen den ebenfalls von den USA gestarteten Irak-Krieg. Und jetzt Leo. Mit seiner ruhig durchreflektierten Position wird er zum führenden Kriegskritiker und Friedens-Fürsprecher des großen Teils der Menschheit, insbesondere derjenigen Millionen Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden, deren Angehörige das Leben verlieren und die als Arme, Benachteiligte und Ohnmächtige keine Stimme in den Entscheidungszentren der politischen Macht besitzen. Dieser Papst aus Nord- und Südamerika erzielt Wirkung, weit über die katholische Kirche hinaus. Den 250. Geburtstag der USA wird er nicht in den USA verbringen, sondern auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa im Mittelmeer, deren Menschen schon sein Vorgänger, Papst Franziskus, besucht hat.
Der Vatikan, ein nicht demokratisch verfasster Mini-Staat mit weltweiten diplomatischen Beziehungen, ist kein kurios kleiner und fügsamer Verbündeter des Westens. Bis in manche konservativen Entscheiderkreise in den Vereinigten Staaten hat sich dies offenbar noch nicht herumgesprochen. Erstmals wurde diese Position öffentlich während der Kampfzeit um die Entkolonialisierung Afrikas. Da stellte sich Rom gegen katholisch geprägte Kolonialherrschaften und unterstützte Befreiungsbewegungen.
Papst Leo legt – falls er das für nötig hält – im aktuellen Streit um Krieg oder Frieden nach. Er tut das im Einklang mit der Lehre seiner Kirche und der großen Religionen der Erde. Man nimmt ihm ab, dass er keine Furcht vor dem regierenden Grobian in Washington hat. Während Trump im Internet herumschreit, in unüberbietbar geschmackloser Weise tagelang bildlich den Messias mimt und sich, wie schon öfter, verzockt.
Der Autor
Thomas Seiterich ist Ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift "Publik-Forum".Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
