69 Medienschaffende begleiteten Kirchenoberhaupt

Mit Leo durch Afrika: Wie Journalisten eine Papstreise erleben

Veröffentlicht am 24.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Severina Bartonitschek (KNA) – Lesedauer: 

Malabo ‐ Auslandsreisen des Papstes sind nicht nur für das Kirchenoberhaupt selbst eine Herausforderung. Abenteuerlich ist das auch für die mitreisenden Journalisten. Die Afrikareise Leos XIV. hatte es besonders in sich.

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Wenn ein Papst reist, reist er nicht allein. Neben seiner Vatikandelegation aus Priestern, Bischöfen, Kardinälen und Sicherheitsmännern begleitet ihn stets ein Tross internationaler Journalisten aus Wort-, Ton- und Bildmedien. Bei der Reise Leos XIV. durch vier afrikanische Länder waren 69 Medienmenschen dabei. Für viele ist es nicht der erste Auslandstrip mit einem Kirchenoberhaupt. Doch die jüngste Reise war selbst für hartgesottene Berichterstatter eine Herausforderung – der Krankenstand hoch.

Das hat vor allem mit der Art des Reisens zu tun: Lediglich an einem der elf Tage geht die erste Busfahrt des Tages nicht zu einem Flughafen. Rekord ist Tag zehn mit insgesamt drei Flügen durch Äquatorialguinea. Dort hält sich Leo XIV. etwas kürzer auf als sonst, jeweils zweieinhalb Tage in Algerien, Kamerun und Angola.

Der Tagesablauf gestaltet sich stets ähnlich, mit einem Frühstück weit vor Sonnenaufgang. Frische Früchte sind in diesen Ländern tabu, zu riskant für den ohnehin schon von der Malariaprophylaxe angeschlagenen Magen. Mit etwas Glück und Wohlwollen des Hotelpersonals kommen italienische Kaffeeliebhaber zumeist aber an den geliebten Morgenespresso.

Fast durchgehend Warten

In der Hotellobby folgt dann der erste von vielen Appellen des Tages: Das Personal der vatikanischen Presseabteilung prüft die Anwesenheit der für die Papstveranstaltungen angemeldeten Journalisten. Wer den verpasst, muss im Hotel bleiben. Dann heißt es Warten – wie fast durchgehend auf diesem Trip.

Die Journalisten warten auf Busse, Flugzeuge, wieder Busse, wieder Flugzeuge und zu guter Letzt: Busse, die sie irgendwann am Abend wieder zurück in das vom Vatikan gebuchte Hotel bringen. Sie warten auf die Ankunft des Papstes und mitunter auf den Abflug des Papstes, denn nicht immer sitzen sie in derselben Maschine.

Sie warten beim Einchecken ins Hotel ebenso wie beim Auschecken. Sie warten auf das WLAN-Passwort im Pressezentrum oder auf eine funktionierende Steckdose. Sie warten auf das Ein- oder auch das Ausschalten einer Klimaanlage. Sie hoffen auf Trinkwasser, Toiletten mit Klopapier und Seife oder auf eine funktionierende SIM-Karte für die jeweiligen Länder – die ist essenziell, um Berichte, Fotos und Videos von der Reise an ihre jeweilige Redaktion zu schicken.

Papst Leo XIV. posiert mit der Flugbesatzung für ein Foto
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Innerhalb Afrikas nutze der Tross auch inländische Fluglinien. Hier posiert Papst Leo XIV. mit einer Flugbesatzung.

Zwischen all dem Warten und Hoffen öffnet sich immer wieder ein überschaubares Zeitfenster, um nicht nur den Papst zu beobachten, sondern auch, um mit Menschen vor Ort über ihre Situation zu sprechen. Und die ist in den meisten Fällen kaum vergleichbar mit den Heimatländern der mitgereisten Journalisten. Wenn ein Papst reist, will er nicht nur die Katholiken vor Ort stärken. Ebenso setzt er darauf, dass der Medientross die Geschichten dieser Menschen erzählt und über die Lage in den jeweiligen Ländern berichtet.

Produziert werden die Storys hauptsächlich unterwegs. In Pressezelten, die wie in Kamerun bei über 30 Grad Außentemperatur gerne einmal auf 16 Grad heruntergekühlt werden. Oder in Orten ohne Klimaanlage, an denen nur ein Handventilator den überhitzten Laptop für die wenigen verbleibenden Zeilen abkühlen kann. Ein beliebter Schreibort sind die kleinen Busse, die mit ruckelnder Gangschaltung über afrikanische Gehwege und Straßen rasen. Aus diesen Gefährten können mitreisende Journalisten besonders viele Anekdoten berichten.

Kleinbusse bleiben liegen

In Yaoundé etwa verabschiedeten sich zwei der Kleinbusse von der Kolonne und standen über eine halbe Stunde lang von allen Offiziellen verlassen an irgendeiner Straße in Kameruns Hauptstadt. Glück im Unglück: Der Fahrer war ein Fan der US-amerikanischen Sängerin Whitney Houston – was zu einer denkwürdigen Gesangseinlage von über einem Dutzend Medienleuten zu "I wanna dance with somebody" führte.

Weniger unterhaltsam war eine Bustour vom Flughafen in Angolas Hauptstadt Luanda, die direkt zum Hotel und Pressezentrum der Vatikan-Delegation führen sollte. Stattdessen steuerten drei der sechs Busse in Richtung des Ortes, an dem Papst Leo XIV. am Tag darauf eine Messe feiern sollte. Die Fahrer zeigten sich zunächst wenig einsichtig, was ihren ursprünglichen Auftrag anging. Schließlich ging die Fahrt mit schmorender Kupplung zurück vom einen an das andere Ende der Stadt.

Doch vor dem Happy End stand erst die Polizei, die offenbar nichts von den Gästen aus Rom wusste. Schließlich versagte nach vielen Kilometern des Schmorens auch die Kupplung ihren Dienst – komplett. Ein mit anderen Journalisten besetzter Bus nahm die gestrandeten Kollegen schließlich auf. Die folgenden Anfahrten am Berg zogen eine weitere Kupplung in ärgste Mitleidenschaft.

Papst Leo im Präsidentenpalast in Malabo in Äquatorialguinea
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Auf seiner Afrikareise stets an seiner Seite: 69 Journalistinnen und Journalisten reisten mit dem Kirchenoberhaupt durch Afrika.

Zahlungsprobleme mit ausländischen Kreditkarten, ein Karten fressender Geldautomat und Zimmer, die selbst mit dem Masterkey des Hotels nicht zu öffnen waren, schonten die Nerven der übermüdeten und zunehmend kränkelnden Journalisten nicht.

Die vielen Flüge, Schlafmangel, häufige Wechsel von klimatisierter Kälte in schwüle Hitze sowie die vielen Menschenkontakte forderten ihren Tribut. Wessen Magen noch nicht rumorte, der hatte sich eine ordentliche Erkältung eingefangen. Aus jeder Ecke hustete und schniefte es. Mancher Journalist war gar von beiden Krankheitsbildern betroffen.

Doch gemeinsames Leiden sorgt, wie so oft in menschlichen Extremsituationen, für noch stärkeren Zusammenhalt. 69 Menschen, die gemeinsam auf dem afrikanischen Kontinent reisen, besitzen zusammen vermutlich mehr Medikamente als die lokale Apotheke. Kollegen teilten großzügig die Behandlungsmittel für unterschiedliche Wehwechen. Und wo doch einmal ein Medikament fehlte, sprang die mitreisende ITA-Crew mit ihrer ebenfalls umfangreichen Reiseapotheke ein.

Glückwünsche vom Papst persönlich

Über all die mehr als 16.000 Kilometer begleitete die italienische Fluggesellschaft die päpstliche Reisegruppe. Während die Inlandsflüge zumeist örtliche staatliche Linien übernahmen, ging es von Land zu Land mit dem Flugzeug, das jedes Heimweh zu besiegen wusste.

Nicht nur die gewohnte italienische Spitzenküche brachte so manchen Magen wieder auf Vordermann, auch die landestypische Gastfreundlichkeit der Crew so manch angeschlagenes Gemüt wieder ins Gleichgewicht. Der Airbus wurde zum zweiten Zuhause der Journalisten.

Und die teilten mitnichten nur schwierige Momente, die rückblickend zu unterhaltsamen Anekdoten werden. Sie teilen auch die vielen besonderen Begegnungen, Geschichten und Abenteuer, die sie in den vier Ländern gemeinsam erlebten. Dazu gehörten auch (runde) Geburtstage mit lauten Ständchen, Torte und Glückwünschen von Papst Leo XIV. persönlich. War er doch der Leiter dieser nicht ganz gewöhnlichen Reisegruppe.

Von Severina Bartonitschek (KNA)