Standpunkt

Eine von Papst Leos "Hausaufgaben" nach dem ersten Amtsjahr

Veröffentlicht am 08.05.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Behutsam hat Leo XIV. sein erstes Jahr im Papstamt gestaltet. Doch gewisse Themen drängen, wie die Berichte der Weltsynoden-Studiengruppen zeigen. Matthias Altmann erhofft sich nun klare Signale vom Kirchenoberhaupt.

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"Pontifikale Behutsamkeit" – mit diesem Begriff hat der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff kürzlich das erste Amtsjahr von Papst Leo XIV. beschrieben. Immer deutlicher zeigt sich, was Beobachter und Weggefährten schon kurz nach seiner Wahl vor genau 365 Tagen sagten: Leo ist weder die Kopie seines disruptiven Vorgängers Franziskus noch dessen Gegenfolie. Er will die innerkirchlichen Fliehkräfte in beide Richtungen, die unter Franziskus immer deutlicher zutage traten, einfangen und wieder mehr Einheit stiften. Leo hörte bislang viel zu, sendete Signale in verschiedene Richtungen, traf erste, nicht ganz so tiefgreifende Entscheidungen und äußerte sich politisch klar, wenn es angebracht war. Auf der Weltbühne ist der Ton deutlich gesetzt. Wie geht es nun weiter?

Dass auch ohne deutsche Brille Weichenstellungen bei vielen innerkirchlichen Angelegenheiten drängen, bekommen Leo und alle Gläubigen aktuell in wechselndem Abstand auf den Schreibtisch gelegt: die Abschlussberichte der 15 Studiengruppen zu verschiedenen Themen der Weltsynode. Aktuell sind sieben davon schon veröffentlicht. Gerade das Dokument der Studiengruppe zur Teilhabe von Frauen an kirchlicher Leitung machte deutlich, wie entscheidend dieses Thema für die Zukunft der Kirche ist. In dieser Woche kamen zwei weitere wichtige Themen hinzu: die Beteiligung von Laien bei Bischofswahlen und ein geforderter Paradigmenwechsel bei der innerkirchlichen Debatte um kontroverse Fragen wie Homosexualität.

All die Erkenntnisse aus diesen Papieren sollen in den weiteren synodalen Prozess, der 2028 mit einer großen Kirchenversammlung einen weiteren vorläufigen Meilenstein bekommen wird, integriert werden. Allzu schnelle Entscheidungen sind daher ohnehin nicht zu erwarten, wenn man möglichst die ganze Kirche mitnehmen will. Dennoch hat Papst Leo – der sich bereits grundsätzlich hinter mehr synodale Entscheidungsfindung in der Kirche gestellt hat – die Chance, alles Notwendige weiterhin in verlässliche Bahnen zu lenken. Das ist sicher eine seiner großen "Hausaufgaben" nach dem ersten Amtsjahr.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.