Auflösungserscheinungen bei traditionalistischem Orden

Transalpine Redemptoristen: Drei Ordensleute fliehen von Klosterinsel

Veröffentlicht am 21.05.2026 um 09:45 Uhr – Von Felix Neumann – Lesedauer: 

Papa Stronsay ‐ Der Schisma-Kurs der "Transalpinen Redemptoristen" scheint einigen Mitbrüdern zu viel geworden zu sein: Jetzt wurde bekannt, dass sich drei von ihnen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Klosterinsel abgesetzt haben.

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Nicht alle der traditionalistischen "Transalpinen Redemptoristen" scheinen zufrieden mit dem Schisma-Kurs ihres Ordens zu sein. Kurz nach der Veröffentlichung eines zweiten schismatischen Manifests sind drei Männer der Gemeinschaft von der Klosterinsel Papa Stronsay geflohen, berichten schottische Medien: Zwei Priester und ein Subdiakon hätten das Kloster in den schottischen Orkneys mit dem letzten Boot am Abend verlassen.

Die Oberen des Ordens zeigen sich empört – vor allem, weil die drei Ordensleute anscheinend mit dem Bischof von Aberdeen, Hugh Gilbert, unter einer Decke stecken. Gilbert ist zuständig für die Aufsicht über den Orden, der in seiner Diözese als Gemeinschaft diözesanen Rechts errichtet ist. Bei ihren Ordensoberen haben sich die drei nicht abgemeldet. Nur mit dem Bischof wurde die Flucht besprochen. "Obwohl sie die Erlaubnis des Bischofs hatten, bedeutet das praktisch, dass der Bischof gegen uns arbeitet", klagt Pater Anthony Mary aus der Führungsriege der Gemeinschaft.

Laut dem Gründer der "Transalpinen Redemptoristen", Pater Michael Mary, haben die drei Ordensleute die Klosterinsel aufgrund "theologischer Differenzen" verlassen. Den Berichten zufolge seien die drei Anfang Mai von der Klosterinsel verschwunden, wenige Tage nach dem Verschwinden des jungen Ordensmanns Bruder Ignatius. Die mittlerweile identifizierte Leiche des 24-jährigen Neuseeländers wurde nach dem Verschwinden der drei Ordensleute aus dem Meer vor der Insel Stronsay geborgen. Nach wie vor ist unklar, unter welchen Umständen Bruder Ignatius gestorben ist: War es eine tragisch gescheiterte Flucht? Oder gibt es dunklere Hintergründe? Die Polizei untersucht den Tod jedenfalls nicht als mögliche Straftat. Sie geht von natürlichen Umständen aus.

Flucht in die Arme des Bischofs

Die Planung der Flucht blieb nicht lange geheim: Die drei Ordensbrüder sollen ohne Erlaubnis einen Laptop im Kloster verwendet haben, um Bischof Gilbert zu kontaktieren. Der Fluchtplan sei den anderen Ordensleuten schnell aufgefallen, weil die Kommunikation auf dem Laptop entdeckt worden sei. "Sie wollten heimlich verschwinden, aber genau an dem Tag, an dem sie gehen wollten, kam die Sache ans Licht", sagte Pater Anthony Mary, der sich enttäuscht von seinen Mitbrüdern zeigt: "Sie sind mit dem Boot am Abend abgereist, und seitdem haben wir nichts mehr von ihnen gehört – kein Wort, keine Erklärung, gar nichts. Es ist, als hätten wir für sie nie existiert." Ob die verbliebenen Ordensleute ihre drei Brüder an der Flucht hindern wollten, ist nicht bekannt.

Die "Transalpinen Redemptoristen" mit dem Bischof von Aberdeen, Hugh Gilbert.
Bild: ©Transalpine Redemptoristen (Archivbild)

Da war die Welt für die Transalpinen Redemptoristen noch in Ordnung: Ein Gruppenbild der Gemeinschaft mit ihrem Bischof Hugh Gilbert, bevor es zu den schismatischen Manifesten kam.

Ebenso ist den nun wohl ehemaligen Mitbrüdern unbekannt, wie es den dreien jetzt geht. Die Männer sollen alle Kontakte zu ihrem Orden abgebrochen haben und sich nun an einem unbekannten Ort in Obhut des Diözesanbischofs aufhalten. Kontaktversuche des Ordens mit dem Bischof und den drei Geflohenen blieben erfolglos. Öffentlich äußern will sich Bischof Gilbert zu der Sache auch nicht.

Die Flucht erfolgte wenige Tage nach der Veröffentlichung des Manifests, mit dem sich der Rest der Gemeinschaft von der katholischen Kirche und ihrer Lehre seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil distanziert hatte. In dem Text teilen die Ordensleute mit, dass sie alle Päpste seit Paul VI. (1963–1978) nicht als rechtgläubig anerkennen. Dem Orden zufolge hat der Bischof von Aberdeen ein kirchenrechtliches Verfahren wegen des Verdachts eines Schismas eingeleitet.

Konflikt in Neuseeland

Bereits im vergangenen Oktober hatte sich der traditionalistische Orden von der "modernistischen Kirche" losgesagt. Dazu hatte das Generalkapitel einen offenen Brief veröffentlicht, in dem zentrale Aussagen des Lehramts von Papst Franziskus (2013–2025) zurückgewiesen wurden. Der Orden mit Niederlassungen in Schottland und Neuseeland befindet sich seit Monaten in einem Konflikt mit dem Bischof des neuseeländischen Christchurch, Michael Gielen.

Gielen hatte den Orden im vergangenen Jahr nach einer Apostolischen Visitation angewiesen, seine Diözese zu verlassen. Hintergrund der Visitation waren Medienberichte über unerlaubte Exorzismen, in deren Verlauf Menschen traumatisiert worden seien, darunter Minderjährige. Die Ordensleute widersprachen den Vorwürfen. Beim Vatikan eingelegte Rechtsmittel gegen die Ausweisung scheiterten im Sommer. In ihrem offenen Brief kündigten die Ordensleute außerdem an, dass sie weiterhin in Christchurch tätig sein wollen.

Die "Transalpinen Redemptoristen" wurden 1988 gegründet und waren zunächst eng mit der Piusbruderschaft verbunden. Nachdem Papst Benedikt XVI. 2007 die Feier der vorkonziliaren Liturgie als "außerordentliche Form des römischen Ritus" wesentlich erleichtert hatte, kehrte der Orden 2008 in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurück. 2012 wurde er als Ordensgemeinschaft diözesanen Rechts in der schottischen Diözese Aberdeen anerkannt, wo er sein Haupthaus hat. In Neuseeland ist die Gemeinschaft seit 2017 vertreten.

Von Felix Neumann