Bischof: Kanonisches Verfahren gegen Transalpine Redemptoristen läuft
Der für den traditionalistischen Orden der "Transalpinen Redemptoristen" zuständige Bischof von Aberdeen, Hugh Gilbert (Foto oben, Mitte), hat sich erstmals offiziell zu dem Fall geäußert. Am Donnerstag teilte die Diözese mit, dass bereits seit einigen Monaten ein kirchenrechtlicher Prozess laufe. Die Mitteilung erfolge "angesichts verschiedener besorgniserregender Äußerungen und mutmaßlicher Handlungen der Söhne des Allerheiligsten Erlösers", heißt es in der Erklärung.
"Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, wird die Diözese ihre Schlussfolgerungen bekannt geben. Die Angelegenheit wurde zudem an die zuständigen Stellen in Rom weitergeleitet", heißt es in der Erklärung. Da die Angelegenheit noch vor Gericht anhängig sei, sei eine ausführlichere Stellungnahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angebracht. Zuvor hatte bereits der Gründer der "Transalpinen Redemptoristen", Pater Michael Mary, in einem Interview mitgeteilt, dass gegen ihn wegen Schismas ermittelt wird. Auch im kanonischen Recht gilt die Unschuldsvermutung.
Glaubensdikasterium ist zuständiges Gericht
Schisma und Häresie sind im kirchlichen Recht Straftaten gegen den Glauben, die die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich ziehen. Bereits mit dem Begehen der Tat tritt die Strafe also ein. Der Täter ist dann verpflichtet, die Folgen der Strafe, unter anderem das Verbot, Sakramente zu empfangen, selbst umzusetzen. Damit eine Tatstrafe Wirkung im Außenverhältnis hat, muss sie in einem kirchlichen Prozess festgestellt werden. Die "Transalpinen Redemptoristen" sind ein Orden diözesanen Rechts, unterstehen also der Aufsicht des Bischofs von Aberdeen. Er ist verpflichtet, bei einem hinreichend plausiblen Tatverdacht eine Voruntersuchung einzuleiten, in der geprüft wird, ob die Eröffnung eines Verfahrens trägt. Zuständig für Verfahren bei Straftaten gegen den Glauben wie Schisma und Häresie ist in erster Instanz der Diözesanbischof, in zweiter Instanz das römische Glaubensdikasterium als Gerichtsbehörde.
Der Fall des auf der schottischen Insel Papa Stronsay angesiedelten traditionalistischen Ordens eskaliert seit Monaten. Im vergangenen Oktober hatte sich der traditionalistische Orden von der "modernistischen Kirche" losgesagt. Dazu hatte das Generalkapitel einen offenen Brief veröffentlicht, in dem zentrale Aussagen des Lehramts von Papst Franziskus (2013–2025) zurückgewiesen wurden. Im Mai dieses Jahres legte der Orden mit einem Manifest nach, in dem sie erklären, die Päpste seit Paul VI. (1963–1978) nicht mehr anzuerkennen.
Auflösungserscheinungen nach Schisma-Manifest
Mit dem Kurs des Ordens scheinen nicht alle Mitglieder einverstanden zu sein. In dieser Woche wurde bekannt, dass drei Ordensleute sich im Zusammenhang mit dem Manifest von der Klosterinsel abgesetzt haben. Medien zufolge wurden sie dabei durch den Bischof von Aberdeen unterstützt. Ob der Tod eines jungen Ordensmanns im Meer ebenfalls im Kontext eines Fluchtversuchs steht, ist unbekannt. Die Polizei geht nicht von einer Fremdeinwirkung aus. Der 24-jährige Neuseeländer wurde Mitte Mai von seinen Mitbrüdern auf der Klosterinsel beigesetzt, wie der Orden am Freitag mitteilte.
Die "Transalpinen Redemptoristen" wurden 1988 gegründet und waren zunächst eng mit der Piusbruderschaft verbunden. Nachdem Papst Benedikt XVI. 2007 die Feier der vorkonziliaren Liturgie als "außerordentliche Form des römischen Ritus" wesentlich erleichtert hatte, kehrte der Orden 2008 in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurück. 2012 wurde er als Ordensgemeinschaft diözesanen Rechts in der schottischen Diözese Aberdeen unter dem neuen Namen "Söhne des Allerheiligsten Erlösers" anerkannt, wo er sein Haupthaus hat. In Neuseeland ist die Gemeinschaft seit 2017 vertreten. (fxn)
