Keine Erlaubnis zur Messfeier

Bischof: Messbesuch bei Piusbrüdern erfüllt Sonntagspflicht nicht

Veröffentlicht am 12.03.2026 um 11:40 Uhr – Lesedauer: 

Portsmouth ‐ Eigentlich gilt Bischof Philip Egan als offen gegenüber einem Dialog mit der Piusbruderschaft. Nun zieht er eine klare Linie: Die Messen der Gemeinschaft ersetzen den Besuch legitimer Gottesdienste nicht, betont er.

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Der Bischof von Portsmouth warnt davor, dass Messen der Piusbruderschaft die Sonntagspflicht nicht erfüllen. Gegenüber dem britischen "Catholic Herald" stellte Bischof Philip Egan fest, dass die Priester der Gemeinschaft keine Erlaubnis haben, der Eucharistie vorzustehen. "Da sich die Priesterbruderschaft St. Pius X. derzeit in einer irregulären oder beeinträchtigten Situation gegenüber der römisch-katholischen Kirche befindet, verfügen ihre Priester nicht über die ausdrückliche Befugnis des Ordinarius, die Messe zu feiern." Egan hatte sich in der Vergangenheit offen für einen Dialog mit der Piusbruderschaft gezeigt und der Gemeinschaft unter anderem heilige Öle aus der Chrisammesse als Zeichen guten Willens geschickt.

Katholiken sind verpflichtet, an Sonntagen und gebotenen Feiertagen an der Messfeier teilzunehmen. Das Kirchenrecht legt dazu fest, dass die Pflicht erfüllt, wer "an einer Messe teilnimmt, wo immer sie in katholischem Ritus am Feiertag selbst oder am Vorabend gefeiert wird" (c. 1248 § 1 CIC). Egan erläuterte, dass "katholischer Ritus" sich in diesen Vorgaben nicht lediglich auf die Form der Messe bezieht. Vielmehr schließe diese Formulierung ein, in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu stehen. Ohnehin bestehe keine Notwendigkeit, Messen der Piusbruderschaft zu besuchen: "Die Sonntagspflicht kann mit den zahlreichen katholischen Messen, die erreichbar sind, erfüllt werden", betonte der Bischof.

Warnung von Papst Johannes Paul II.

In traditionalistischen Kreisen werden mehrere Äußerungen verschiedener Sekretäre der früher für den Umgang mit traditionalistischen Gemeinschaften errichteten Kommission "Ecclesia Dei" angeführt, die die Möglichkeit belegen sollen, mit Messen der Piusbruderschaft die Sonntagspflicht zu erfüllen. In diesen nicht offiziell veröffentlichten Schreiben wird stets betont, dass die Priester der Piusbruderschaft suspendiert sind, also ihren priesterlichen Dienst trotz gültiger Weihe grundsätzlich nicht ausüben dürfen. In Einzelfällen hatte die Kommission eine Erfüllung der Sonntagspflicht für möglich gehalten. Im Allgemeinen betonte sie jedoch – besonders in einer Antwort aus dem Jahr 2012 – dass die Sonntagspflicht nicht erfüllt wird, wenn man eine Messe besucht, die von Priestern gefeiert wird, die nicht in voller Gemeinschaft mit der Kirche stehen. Diese Antwort bezog sich auf eine Messfeier im Umfeld der Piusbruderschaft, jedoch nicht auf eine Messe der Piusbruderschaft selbst. Die Teilnahme an einer solchen Messe sei aber keine Sünde, wenn damit nicht die Sonntagspflicht ersetzt werden soll.

Nach den illegalen Priesterweihen durch den Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, warnte Papst Johannes Paul II. (1978–2005) die der Piusbruderschaft nahestehenden Gläubigen, sich dem Schisma Lefebvres anzuschließen und dessen Bewegung weiter zu unterstützen: "Alle müssen wissen, dass die formale Zustimmung zu einem Schisma eine schwere Beleidigung Gottes ist und die Exkommunikation mit sich bringt, wie im Kirchenrecht festgesetzt ist."

Im Februar hatte die Piusbruderschaft angekündigt, neue Bischöfe zu weihen. Eine Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag zieht die Exkommunikation nach sich. Nach einem Treffen mit dem Glaubenspräfekten Víctor Manuel Fernández, bei dem die Rahmenbedingungen für einen Dialog erörtert wurden, haben die Piusbrüder das Angebot zurückgewiesen und angekündigt, an den für Juli angesetzten Weihen festzuhalten. Auch unter Bischöfen, die traditionalistischen Formen nahestehen, überwiegen die negativen Reaktionen auf die Ankündigung. (fxn)