Hoping: Piusbruderschaft muss vor Einigung Antijudaismus aufgeben

Die Piusbruderschaft kann nach Auffassung des Freiburger Dogmatikers Helmut Hoping nur dann zurück in die Gemeinschaft mit der Kirche kommen, wenn sie ihre Positionen zum Judentum ändert. Auch eine abgestufte Zustimmung zu den von der Gemeinschaft abgelehnten Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) könne nicht bedeuten, sie von der Zustimmung ganz zu dispensieren, schreibt der emeritierte Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft in der aktuellen "Herder-Korrespondenz" (April-Ausgabe). "Eine der Voraussetzungen für eine Versöhnung mit der katholischen Kirche wäre, dass sich die Piusbruderschaft vom dunklen Erbe des christlichen Antijudaismus befreit", so Hoping.
Bei den verschiedenen Dokumenten des Zweiten Vatikanums handle es sich um unterschiedliche Textgattungen. Nicht alles, was das Konzil lehre, betreffe das Depositum fidei, das Glaubensgut. Allerdings finde sich auch vieles, was die Piusbruderschaft ablehne, in den Dokumenten mit der höchsten Lehrautorität, so etwa der Ökumenismus in der Kirchenkonstitution "Lumen Gentium" (1964) und das Prinzip der Religionsfreiheit in der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" (1965).
Vorkonziliare Liturgie kein Hindernis für Einheit
Auch bei den ihrer Bedeutung nach weniger zentralen Textsorten wie den Erklärungen sei eine Zustimmung nicht optional. Dies gelte insbesondere für die Erklärung "Nostra Aetate" (1965) über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen. Sie untersagt es, "von den Juden zu sagen, sie seien von Gott verflucht oder verworfen". "Die Piusbruderschaft vertritt dagegen bis heute einen Supersessionismus, wonach die Kirche an die Stelle des Volkes des Alten Bundes getreten sei (Replacement Theology), was in diametralem Gegensatz zu 'Nostra Aetate' steht", erläutert Hoping. Außerdem werde bei den Piusbrüdern der in der Lehre der Kirche überwundene Vorwurf des Gottesmords an die Juden erhoben.
Kein Problem sieht der Liturgiewissenschaftler in der Feier der Liturgie in ihrer vorkonziliaren Form: "Die Koexistenz zwischen alter und neuer Liturgie bedroht nicht die Einheit der Kirche, solange das Zweite Vatikanum als gemeinsames lehrmäßiges Fundament anerkannt wird." Neuere religionssoziologische Forschungen hätten gezeigt, dass die Mehrheit der Anhänger der alten Liturgie nicht in Opposition zum Zweiten Vatikanischen Konzil stünden. Papst Franziskus hatte für seine Einschränkung der Feier der Liturgie nach dem Messbuch von 1962 die Begründung angeführt, dass in den Worten und Haltungen vieler Anhänger der vorkonziliaren Liturgie deutlich werde, "dass zwischen der Entscheidung, nach den vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gültigen liturgischen Büchern zu zelebrieren, und der Ablehnung der Kirche und ihrer Einrichtungen im Namen dessen, was sie für die 'wahre Kirche' halten, eine enge Beziehung besteht".
Dialogversuche gescheitert
Der Generalobere der Piusbruderschaft, Pater Davide Pagliarani, hatte Anfang Februar angekündigt, dass die Piusbruderschaft neue Bischöfe weihen will, um ihren Fortbestand zu sichern. Nur mit Bischöfen kann sie neue Diakone und Priester weihen. Die Weihe von Bischöfen ohne Erlaubnis des Papstes ist eine kanonische Straftat, die mit der Tatstrafe der Exkommunikation für die Spender und Empfänger der Weihen belegt ist. Nach der Ankündigung der Weihen hatte der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, den Generaloberen der Piusbruderschaft empfangen, um zu einer gemeinsamen Position zu kommen. Das Dialogangebot des Vatikans wurde allerdings kurz darauf durch die Piusbrüder ausgeschlagen.
Der Anfang Februar angekündigte Schritt der Piusbruderschaft, im Juli neue Bischöfe zu weihen, ist auch bei konservativen Bischöfen auf deutliche Kritik gestoßen. Gegen das Vorhaben der Piusbrüder hatte sich unter anderem der ehemalige Liturgiepräfekt Kardinal Robert Sarah deutlich positioniert: "Wie viele Seelen sind durch diesen neuen Bruch in Gefahr, verloren zu gehen?", fragte er nach der Ankündigung. Der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, zeigte zwar Verständnis für die inhaltlichen Anliegen der Piusbruderschaft, warnte aber vor einem Schisma. Deutlich distanzierte sich auch der Churer Weihbischof Marian Eleganti von Rechtfertigungsversuchen der Piusbruderschaft: "Es ist eine Methode, mit der sie behaupten, keine Spaltung zu beabsichtigen, um die Menschen über den objektiven schismatischen Charakter und die Auswirkungen eines solchen Aktes des Ungehorsams zu täuschen." Zuletzt warnte der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, die Piusbruderschaft vor den Konsequenzen einer illegalen Weihe: "Die Exkommunikation wegen dieser schweren Straftat gegen die Einheit der sichtbaren Kirche bedeutet als Todsünde auch den Ausschluss vom Gnadenleben und der Gemeinschaft mit Gott und von der Anwartschaft auf das ewige Leben." (fxn)